Der Staat organisiert die Jugend


Wenn ein Staat die Jugend zu „freiwilligem“ Dienst organisieren will, klingen in meinen Ohren die totalitaeren Gloeckchen.

Wenn Kinder und Jugendlichen aus ihren Familien herausgeloest werden sollen, die Peer-Group unter staatlicher Lenkung an Einfluss gewinnen soll, was der Familie abgenommen wurde, dann sind es nur noch wenige das die ersten Schritte auf dem Weg zur „Gleichschaltung“. (Ich daempfe in Reaktion auf Flowerkrauts Kommentar, ein bisschen Recht hat er ja.)

Am vergangenen Mittwoch hat Obama eine Rede gehalten, die in diese Richtung geht:

(…)

Finally, we need to integrate service into education, so that young Americans are called upon and prepared to be active citizens.

Just as we teach math and writing, arts and athletics, we need to teach young Americans to take citizenship seriously. Study after study shows that students who serve do better in school, are more likely to go to college, and more likely to maintain that service as adults. So when I’m President, I will set a goal for all American middle and high school students to perform 50 hours of service a year, and for all college students to perform 100 hours of service a year. This means that by the time you graduate college, you’ll have done 17 weeks of service.

We’ll reach this goal in several ways. At the middle and high school level, we’ll make federal assistance conditional on school districts developing service programs, and give schools resources to offer new service opportunities. At the community level, we’ll develop public-private partnerships so students can serve more outside the classroom.

(…)

Am Anfang derselben Rede hat Obama mehrfach betont, wie wichtig die Freiwilligkeit ist, aber das hindert ihn nicht daran, eine erzwungene Verpflichtung einzufuehren, indem die Schulen nur dann Bundesgelder erhalten, wenn sie ihre Schueler zu gemeinnuetzigen Arbeiten anhalten.

(…)

And we will not leave out the nearly 2 million young Americans who are out of school and out of work. We’ll enlist them in our Energy Corps, so that disadvantaged young people can find useful work, clean polluted areas, help weatherize homes, and gain skills in a growing industry. And we’ll expand the YouthBuild Program, which puts young Americans to work building affordable housing in America’s poorest communities, giving them valuable skills and a chance to complete a high school education. Because no one should be left out of the American story.

(…)

Junge Menschen, die weder arbeiten noch sich in Ausbildung befinden, sollen ebenfalls zwangsverpflichtet werden.

Und hier haben wir das Programm auf der offiziellen Obamaseite:

HELPING ALL AMERICANS SERVE THEIR COUNTRY
BARACK OBAMA’S PLAN FOR UNIVERSAL VOLUNTARY CITIZEN SERVICE

Ich empfinde einen deutlichen Widerspruch zwischen „allgemein“ (universal) und „freiwillig“ (voluntary), aber damit stehe ich wohl ziemlich allein auf weiter Flur, sonst haetten Obamas Medienberater gewiss fuer einen anderen Titel plaediert.

Lee Carey im American Thinker hat schon im April aufgelistet, welche verschiedenen gemeinnuetzigen Organisationen sich Obama vorstellt und den Daumen in den Wind gehalten, wieviel das den Steuerzahler kosten koennte.

crossposted bei Freunden der Offenen Gesellschaft

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11 Antworten

  1. Totalitär?!?! Das hat ja beinahe phobische Ausmaße! Geht es nicht noch ein oder zwei Nummern größer?
    Es gibt Uralt-Demokratien die haben eine Wehrpflicht, obwohl sie seit Jahrhunderten keine Kriege mehr geführt haben. Es gibt Demokratien die haben sogar fast Zwangszivildienste. Und ein Amerikaner, ein gewisser Herr Kennedy hat sogar ein Peace Corps geschaffen, etwas von New Frontiers erzählt und ach ja: “And so, my fellow Americans: ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country.” Der Herr Kennedy muss wohl auch totalitärer Alptraum für die Amerikaner gewesen sein! Zumindest für einige im Süden!
    Also gut, Spaß beiseite: Man könnte auch Reagan anführen, wenn man will. Das scheint mir doch eher ein Anknüpfen an berufende Vorbilder zu sein und nicht gänzlich unüblich!

  2. Ich weiß nicht, wenn ich die von dir zitierten Texte lese klingeln da höchstens die Alarmglocken die sagen „vielleicht hat der Barack doch ne Ahnung was er tut“.
    Rein auf Eigeninitiative gibt es ja schon und funktioniert weder in Europa noch in Amerika um junge Leute zu mobilisieren. Den jungen Leuten die gemeinnützige Arbeit mal recht deutlich nahe zu legen ist da vielleicht garnicht so schlecht. Und insbesondere für die „troubled youth“ ist es unter Umständen ein echter Zugewinn mal zu erleben dass sie auch einmal etwas Nützliches, Wichtiges tun. All in all: Ich finde das garnicht so schlecht.

  3. Migdalit,

    Du meinst also, dass junge Leute zu ihrem eigenen Besten auch gezwungen werden muessen und dass der Staat die richtige Instanz ist, das zu machen?

    Flowerkraut,

    bis jetzt sind es nur Gloeckchen, aber wenn Du gleich Phobien ausmachen willst?

    Kennedy sprach von Freiwilligkeit, Obama spricht von Zwang. Das sind zwei Paar Schuhe, will mir scheinen. Die Wehrpflicht kann gerechtfertigt werden, weil auch eine Demokratie, die keine Kriege fuehrt, eine gewissen militaerische Macht zur Abschreckung benoetigt und es Gruende geben mag, die gegen ein Berufsheer sprechen.

    Mit welcher Begruendung willst Du erzwungenen sozialen Dienst rechtfertigen? Mit den Verwaltungskosten, die ein solches Programm mit sich bringt, liessen sich auch Profis bezahlen, die dieselbe Arbeit effizienter und besser erledigen.

  4. beer7,

    Ich hab mir Obamas Redeauszüge oben nochmal durchgelesen und ob er damit freiwillig aber ermutigt (ergo mit der Möglichkeit nein zu sagen) oder obligatorisch meint geht daraus IMHO nicht einwandfrei hervor (was vermutlich Absicht ist).

    Und nein, ich glaube nicht dass junge Leute zu ihrem Glück gezwungen werden sollten/dürfen. Aber eben unter Umständen sehr nachdrücklich ermutigt. Und wenn das heißt dass man das leisten von gemeinnütziger Arbeit zum Normalfall macht (wohin es ohnehin ein weiter Weg ist, egal was Obama jetzt so vollmundig sagt) dann ist das okay, solange es – und das ist wirklich wichtig – nach wie vor jedem Jugendlichen offen steht zu sagen „nein, ich will das nicht!“.
    Die momentane Situation – im Gegensatz – ist halt dass der Jugendliche aktiv hergehen muss und sgen muss „ich will!“ anstatt „ich will nicht“.

    Gugg dir die Situation mit der Organspende an. Ich weiß nicht, wie es in Israel ist aber in Deutschland ist es meines Wissens nach so dass nur dessen Organe transplantiert werden dürfen, der dem ausdrücklich zugestimmt hat (durch einen Spendeausweis etc.). In Österreich ist es genau andersrum: Hier dürfen unter normalen Umständen die Organe jedes Menschen transplantiert werden, der nicht ausdrücklich kund getan hat (oder dessen Angehörige glaubwürdig versichern) dass er seine Organe nicht spenden will.
    Eine ähnliche – österreichische – Situation bei gemeinnütziger Arbeit von Jugendlichen zu schaffen halte ich für eine gute Sache. Aber wie gesagt wichtig ist, dass natürlich jeder Jugendliche die Möglichkeit haben muss abzulehnen.

  5. Wenn die Schulen nur dann Bundesmittel bekommen, wenn die Schueler eine bestimmte Stundenzahl gemeinnuetzige Arbeit leisten, dann ist das nicht mehr freiwillig. Ein Schueler, der partout nicht will, muesste dann auf eine private Schule wechseln.

    P.S. Das ist so natuerlich nicht richtig. (Ich sollte langsam ins Bett gehen.) Wie ich bei USA Erklaert gelernt habe, stehen dem Bund weit mehr Zuckerstuecke als Petischen zur Verfuegung. Nicht nur private Schulen, sondern auch Schulen auf der Gemeinde bis Staatenebene, die sich nicht um Bundesgelder kuemmern (weil sie ohnehin reich sind oder ihre Unabhaengigkeit wahren wollen) koemmen in Frage. Trotzdem winkt Obama hier schon ziemlich konkret mit dem Arsenal, das er als Praesident mit demokratischer Kongressmehrheit haben wuerde.

    Ich frage mich immer noch, warum gemeinnuetzige Arbeit per se gut sein soll. Die Verwaltung von unbezahlten Helfern macht Umstaende und kostet Geld und wer unbezahlt arbeitet, liefert haeufig weniger effiziente und Arbeit, vor allem dann, wenn er/sie nicht besonders motiviert ist. Unter dem Strich waeren weniger, aber motivierte, bezahlte und dafuer ausgebildete Sozialarbeiter vielleicht sinnvoller.

    Ausserdem gibt es die gegenseitige Hilfe (ganz ohne staatliche Organisiererei) ja auch. In unserer Nachbarschaft, in der Schule und in der Gemeinde greift man sich gegenseitig unter die Arme. Das ist ebenfalls gemeinnuetzig und meistens sehr sinnvoll, weil man die Situation so genau kennt. Obendrein wird ein Verwaltungsfunktionaer gespart…

  6. Beer, Migdalit hat meine Antwort eigentlich vorweggenommen. Auch die Glöckchen sind m.E. zu hoch gehängt. Falls die Amerikaner so werden wählen, dann werden wir die genaue Antwort haben und nach ein paar Jahren die Sinnhaftigkeit der Sache beurteilen können.

    Ich kann mich über die Innenpolitik genuin demokratischer Staaten, selbst wenn sie mir zu links, rechts, grün oder zu liberal ist, nicht so aufregen. That’s not my business. Und außerdem müsste ich mich zuvor über vieles in diesem politischen Themenfeld genauer informieren. Über Schröder konnte ich mich aufregen, der war unser Kabunzel, und das ist nicht nur mein legitimes Recht, sondern auch meine demokratische Pflicht, wenn ich die Dinge anders sehe. Aber darüber? Again, that’s not my business. Wenn Barak Obama über Amiland und Europa redet usw. oder Themen die allgemein eine größere Bedeutung haben, dann ist das schon auch eine Sache die mich angeht.

  7. Flowerkraut,

    amerikanische Politik ist fuer Israel sehr wichtig und die Grenzen zwischen Innenpolitik und Aussenpolitik verwischen sich. Mir graut bei dem Gedanken einer Obama-Praesidentschaft, wie Du weisst.

    „nach ein paar Jahren“ hat in Israel einen ganz anderen Klang, wenn Du daran denkst, dass das iranischen Atomwaffenprogramm spaetestens innerhalb der naechsten zwei Jahr den „point of no return“ erreicht.

    Auch der aeygptische Sandmonkey macht sich Gedanken und Dir werden sie wohl ebenfalls nicht gefallen:

    ( … )

    You see, if you ask any Obama supporter, they will tell you that they are supporting the man because he gives them hope. Now, Oscar Wilde once said that the basis of all hope is fear, and I intend to agree with Wilde on that one. So what exactly are the Obama supporters afraid of? Well, it’s really simple, after 8 years of Bush, and of having the government repeatedly inform them that they are living in a threatening world that doesn’t like them (which, by the way, is true, and it disliked them during Clinton’s presidency too I may add) and that they are going to have to hunker down, get though and prepare to fight this for the long haul, they are afraid that this is really the way the world is. Enter Obama, who tells them in all kinds of inspiring fashion that this isn’t necessarily true, that the world isn’t really dangerous and that all we need to do is to talk to one another, and then all will be well in the world and we will all sing Kumbaya together. So, desperate and clinging to anything, they believe him, because the alternative is so scary, so stressful and depressing, that they may have to up their Zoloft dosage , and anti-depressants are really expensive nowadays.

    ( … )

    Obama is the second coming of Carter, there is no doubt about it. From the way he took over the party, to the election against an uncharismatic standard-bearer opponent in the elections, to his belief that America is bad, and it’s all America’s fault anyway, and that all that is necessary to make everything work is appeasement and humility, and oh, let’s try to fix are suffering economy by implementing socialist ideas.

    ( … )

  8. Worüber ich in letzter Zeit öfters mal gegrübelt habe, und vielleicht kannst du mir da weiterhelfen, Beer, ist folgendes: Man hört aus Israel oft, wie du auch schreibst, die US Amerikanische Politik und US Amerika wären so wichtig für den Staat Israel ergo v.A. aus Verteidigungspolitischen Gründen. Wenn ich dann aber die nähere Vergangenheit betrachte frage ich mich doch wann genau die USA Israel wirklich mal unterstützt hätten. Okay, da passiert möglicherweise eine Menge hinter den Fronten, also an Intelligence- und Technologieaustausch z.B., aber so sicher bin ich mir da oft auch nicht mehr.

    To put it in a nutshell: Ich frage mich ernsthaft ob die USA wirklich so ein wichtiger Verbündeter Israels sind oder ob es sich dabei eher um Wunschdenken seitens Israel mit Anleihen an „glorreichen“ früheren Zeiten (?) handelt … ?

  9. Die glorreiche Vgangenheit gab es so eigentlich auch nicht. Als ich Michael Orens „6 days of war“ gelesen habe, fiel mir auch auf, dass von wirlicher Unterstuetzung nicht die Rede sein konnte. Es geht mehr darum, dass die USA das Potential haben, Israel sehr zu schaden und dass wir es bereits als wichtiges Buendnis betrachten, dass sie das so nicht tun.

  10. Grüß dich, Beer7!

    Ich hoffe, dein Urlaub war mit Ausnahme des Unwetters angenehm, entspannend und ereignisreich. Da ich Dir den alten Trott nicht auch in den Ferien zumuten wollte, kommt meine Antwort erst jetzt.

    Wenn ich mir die US-Präsidenten in Erinnerung rufe, die für eine gewisse Aufbruchstimmung standen –Roosevelt, Kennedy, Carter, Reagan, Clinton- so waren es mit der Ausnahme von Jimmy Carter, dessen schwache Moralaußenpolitik -ebenso wie die starke Moralaußenpolitik G.W. Bush- sehr schnell scheiterte, alles auf ihre Art erfolgreiche Präsidenten – große Präsidenten.

    Es ist nicht meine Aufgabe für Barak Obama Wahlkampf zu machen, obgleich er meiner Meinung nach, selbstverständlich ebenso wie John McCain eine notwendige außenpolitische Kurskorrektur nach G.W. Bush einleiten kann. Natürlich kein U-Turn, aber ein paar Grad ist Amerika m.E. schon von seinem Kurs abgekommen.

    Es betrifft eigentlich nicht so sehr deinen Blog, aber einige in der von Dir einst ironisch aufgedeckten „Verschwörungsfreimauerei“. Vieles was dort zu dem „verborgenen Obama“ (man beachte die gesuchte Wortparallelität zu dem Verborgenen 13. Imam) steht, ist einfach weltfremd, Amerika ist ein offenes Land, auch ein charismatischer Mensch wie Obama könnte nicht all das glaubwürdig verbergen oder plausibel als Karikatur darstellen, was die diversen Anschuldigungen angeblich hergeben. Bei dem Enigma Russland beispielsweise wäre das anders. Auch für Obama gilt, was für die meisten Menschen von uns gilt, manches was wir einmal gedacht oder getan haben, erfüllt uns gelegentlich und im bestem Fall mit Schmunzeln. Der größeren Deutlichkeit wegen auf Deutschland bezogen: Selbst ein Anwalt von RAF-Mitgliedern namens Schily und ein „Straßenkämpfer“ namens Fischer haben in Deutschland nicht den Sozialismus eingeführt, ein Clinton dasselbe auch nicht mit den USA. Vielleicht ist diese Antwort ein wenig wischi-waschi, aber zum Zubeißen, brauche ich schon etwas härtere Happen. Lange Rede – kurzer Sinn: Lasst uns bei den offensichtlichen Realitäten bleiben. Ich bin zumindest gespannt was Obama uns vor der „Gold-Else“ in Berlin zu sagen hat. Und auch im bezug auf Israel bin ich nach der AIPAC-Rede, trotz oder auch mit einigen Nachschüben, relativ entspannt.
    Und noch eine kleine Nachbemerkung (hier herrscht wohl ein großer Dissens): Die USA haben vor allem das Potential Israel massiv unterstützen zu können. Und das Verdienst Israel vor dem Sicherheitsrat nicht fallen gelassen zuhaben, wenn es andere taten. Das beides allein ist schon etwas wert.

    Grüße

  11. Hallo Flowerkraut,

    ich kann immer noch nicht viel Gutes an Obama erkennen. Der Mann kann reden und redet nach dem Mund. Sein bisheriger duerftiger politischer Rekord ist alles andere als beeindruckend, im besonderen seine Haltung gegenueber dem Surge im Irak.

    http://www.powerlineblog.com/archives2/2008/07/021085.php

    Findest Du es nicht selber ein bisschen bedenklich, dass Deine Verteidigung von Obama darauf hinaus laeuft, dass er es so ernst gar nicht meine?

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