Absurde Untertitel in der NZZ – Neues vom Gazastreifen


Dieses Reutersphoto hat mir schon bei der Berichterstattunge in Y-Net ins Auge gestochen. Dort ist es untertitelt „Palestinians undressed at crossing (Photo: Reuters)“.

Auch die NZZ verwendet das Bild zur Illustration ihres Artikels und hat ihm den folgenden Untertitel gegeben: „Absurd: Fatah-Mitglieder fliehen nach Israel. (Bild: Reuters)“. Das „absurd“ spiegelt offensichtlich die Haltung der Redaktion wider. Auch im Untertitel wird es aufgenommen: „Innerpalästinensischer Streit nimmt absurde Formen an“

Am Beispiel der NZZ Redaktion erleben wir in Echtzeit, welche merkwuerdigen Blueten spriessen koennen, wenn vorgefasste Meinungen und Tatsachen hart zusammenkrachen.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Fatahkaempfer nach Israel fluechteten. So geschah es im Black September 1972

On June 5, several leading Palestinian organizations including Arafat’s Fatah, called on “Radio Baghdad“ to overthrew King Hussein as the only way to prevent „a peace agreement between Israel and Jordan“. The army regained control over the last remaining rebel strongholds, mountainous cities of Jerash and Ajloun. As King Hussein declared „absolute quiet“ in the kingdom, Fatah members announced that they prefer to die rather than surrender. Seventy-two (some sources cite two hundred) of fleeing Palestinian militants chose to cross the Jordan river to West Bank and surrender to the Israel Defense Forces.

Und so geschah es beim Hamasputsch im Juni 2007. Lila von Rungholt hat damals ausfuehrlicher und empathischer berichtet.

Die NZZ-Readaktion aber hat es geschafft, innerhalb von knapp 14 Monaten voellig zu verdraengen, dass Palaestinenser sich im Zweifelsfall lieber Israel ausliefern als ihren palaestinensischen Bruedern. In ihrem Weltbild sind alle Palaestinenser (wenn nicht gleich alle Araber!) Brueder, und Israel ist ihr Erzfeind. In ihrer Berichterstattung nach dem Hamasputsch vor einem Jahr konzentrierte sich die NZZ daher auch auf die Menschenrechtsverletzungen, die sie einer ueberwiegend fiktiven, israelischen Blockade anlasteten. Ich kann mich an keinen Artikel erinnern und ich finde keinen im NZZ Dossier „Konflikt im Nahen Osten“, der sich mit den eklatanten Menschenrechtsverletzungen, wie sie zwischen Hamas und Fatah gang und gaebe sind, beschaeftigt haette.

Wenn man eine solche „edle-Wilde-Idylle“ auf die Palaestinenser projeziert, muss es natuerlich absurd erscheinen, dass die Betroffenen offensichtlich Israel humaner einschaetzen.

Uebrigens koennte auch das Mantra vom stolzen Araber endlich einmal beerdigt werden. Im Zweifelsfall ziehen auch arabische Menschen Erniedrigung dem Tod vor. Alle entgegengesetzen Verlautbarungen (s. auch das obige Zitat vom Black September) dienen rhetorischen Zwecken und sind nicht fuer bare Muenze zu nehmen.

Und warum bestand Israel darauf, die fliehenden Fatahkaempfer bis auf die Unterwaesche zu entbloessen? Wieder kann uns ein Rueckblick auf die Vorgaenge vom Juni 2007 weiterhelfen:

On Monday, gunmen allied with Hamas disguised themselves as fleeing civilians and hurled hand grenades at Israeli soldiers and Palestinians at Erez, killing a relative of a slain Fatah warlord, and injuring 15 other Palestinians.

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