Unter der Oberflaeche lauert die Angst


Heute in der Kantine erwaehnte ich nebenbei, dass amerikanische Soldaten bald im Negev stationiert sein werden und dass die Installation des Raketenfruehwarnsystems moeglicherweise von Januar in den Herbst vorgezogen wird. Meine Kollegen schauten von ihren Teller auf und schwiegen. Nur eine Frau sagte leise „mafchid“ (beaengistend).

Am Freitag endete das Sommerprogramm des Beer Sheva Theaters, an dem auch unsere Toechter teilgenommen hatten. In drei Wochen hatten die Kinder ein Stueck auf die Beine gestellt und die versammelten Eltern und Freunde waren eingeladen, es sich anzuschauen. Die Grundlage bildete offensichtlich diese Fernsehserie. Ich war ausserstande, der Handlung zu folgen (zu viele Charaktere, aber natuerlich war der Vorteil, dass viele Rollen zu vergeben waren). Auf der Heimfahrt liess ich es mir von den Freunden der Maedchen erklaeren.

Auch ohne tieferes Verstaendnis waren die Szenen eindruecklich, wo verschiedene Eltern ihre Kinder in die Zukunft vorausschicken, ohne jede Garantie, dass sie sich je wiedersehen wuerden.

Etwa eine Woche frueher hatten die Kleine und ich zusammen den Narnia-Film auf die DVD angeschaut (mein Vorwand war, dass ich Waesche sortieren und falten wollte). Der Film beginnt mit einem deutschen Luftangriff auf London. Die Mutter schickt die vier Pevensiekinder anschliessend auf’s Land, wo die eigentliche Geschichte beginnt. Der Abschied auf dem Bahnhof ist emotional. Ich identifizierte mich mit der Mutter und hatte Traenen in den Augen, was die Kleine natuerlich bemerkte. Sie setzte sich auf meinen Schoss und fragte, was ich denn habe. Ich erklaerte ihr, dass ich mit der Mutter fuehle, die ihre Kinder wegschicken muss. Sie ueberlegte eine Weile und erklaerte dann: „Ich verspreche dir, dass ich nie von dir weggehen werde.“ Ich sagte ihr, dass ich in der Lage von Frau Pevensie auch darauf bestehen wuerde, sie wegzuschicken, damit sie in Sicherheit sei. Die Kleine „Ich will aber gar nicht in Sicherheit sein, wenn du nicht bei mir bist.“ Mir wurde es allmaehlich immer ernster und bitterer zumute. Ich dachte daran, dass  ich tatsaechlich in die Situation kommen kann, wo ich sie und ihre Schwester von mir wegschicken muss in der Hoffnung, dass sie anderswo sicherer sein werden. Also versuchte ich der Kleinen zu erklaeren, dass sie mich sowieso eines Tages verlassen wird und dass das richtig und gut ist.

2 Antworten

  1. […] artigo “Unter der Oberflaeche lauert die Angst” ( Abaixo da superfície o medo incomoda-trad.livre) a autora beer7, uma mãe israelense e moradora […]

  2. Thank you very much, Felix for your kind words and for the translation link.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: