Italien, Terror und die Moral von der Geschicht


Francesco Cossiga war von 1976 bis 1978 Inneminister, von 1979 bis 1980 Ratspraesident, von 1983 bis 1985 Senatspraesident und schliesslich von 1985 bis 1992 Praesident der Republik Italien. Inzwischen gehoert er zu den Verschwoerungstheoretikern, die den CIA und Mossad fuer den 11. September verantwortlich machen.

In Corriere de la Sera, der gleichen, angesehenen und verbreiteten Zeitung, der er im vergangenen November seinen Verschwoerungsmist verzapft hatte, schreibt Cossiga am 15. August, dass es zwischen dem Staat Italien und diversen pal. Terrororganisationen ein „Gentlemen’s Agreement“ gegeben habe. Ich neige dazu, ihm diese Information abzunehmen, umso mehr als sie schon im Interview des Corriere mit Bassam Abu Sharif vom Vortag und anschliessend von Giovanni Pellegrini bestaetigt wird.

Der Witz ist, dass alle drei (Abu Sharif, Cossiga, Pellegrini) davon ausgehen, dass Aldo Moro federfuehrend bei diesem gegenseitigen „Nicht-Angriffspakt“ war. Als Moro dann von den Roten Brigaden gekidnappt worden war, setzte er seine Hoffnung auf den Einfluss der von ihm geduldeten pal. Terrororganisationen. Seine Annahme, dass ein solcher Einfluss bestand, war richtig. Nur hatten die Palaestinenser offensichtlich kein Interesse daran, sich fuer Moro zu verwenden. Nach 55 Tagen Gefangenschaft wurde Aldo Moro ermordet.

Merke: Mit Terroristen sind keine Gentlemen’s Agreements moeglich – aus dem einfachen Grund, dass es unmoeglich ist, gleichzeitig Terrorist und Gentleman zu sein. Die linke, romantische Verklaerung des Terroristen zum Freiheitskaempfer tut sich schwer mit dieser Erkenntnis. Sie ist aber trotzdem banal.

Irgendwelche Aehnlichkeiten mit dem Verhalten von Claudio Graziano sind natuerlich rein zufaellig, nicht wahr?

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2 Antworten

  1. Die Diskussion über die „bleiernen Jahre“ haben Sie richtig wiedergegeben und mit der Feststellung über die Bündnistreue von Terroristen haben Sie natürlich recht (auch wenn im Fall Moro Vieles noch im Dunkeln liegt).

    Aber der Vergleich zum Verhalten Grazianos ist absolut an der Haaren herbeigezogen: außer der Nationalität sehe ich da keine Parallelen; das Verhalten der UNIFIL reflektiert eher die aktuell grassierende Appeasement-Politik internationaler Organisationen. Und die Streitkräfte sind in Italien traditionell rechts… Keiner würde auf die Idee kommen, das Verhalten eines Armee-Generals mit dem linker Sympathisanten oder von Mitte-Links-Politikern zu vergleichen.

  2. Ich sehe auch zwischen UNIFIL und Hisbollah ein Stillhalteabkommen. Wie aus meinen frueheren Texten dazu erkenntlich, verstehe ich das sogar. Warum sollten sich die Truppen als Kanonenfutter zur Verfuegung stellen. Aergerlich ist nur die Heuchelei vor allem der Medien, die die Tatsache, dass UNIFIL praktisch Geisel ist, totschweigen und stattdessen ausfuehrlich ueber Grazianos bloedsinnige Rationalisierungen berichtet.

    Cossiga war und ist ja nun auch nicht gerade „links“.

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