Pal. Waehrung – Propagande bei Ha’aretz


In diesem Ha’aretzartikel suggeriert die Redaktion, dass die Bereitschaft Israelis, alte Banknoten im Gazastreifen zu ersetzen, nur auf egoistischen Interessen beruht:

Israel is interested in preventing a situation in which Palestinians issue an independent currency that would compete with the Shekel.

In diesem Plaedoyer fuer eine pal. Waehrung von 1999 wird argumentiert, dass Israel keine pal. Waehrung zulassen wolle, 1) weil sie ein eindeutiges Symbol fuer Souveraenitaet sei und b) weil Israel nicht auf den Gewinn aus der Muenzpraegung bzw. dem Banknotendruck verzichten moechte.

1) Entbehrte schon damals der Logik, wie der Autor selber festhaelt: Wer die pal. Fahne als nationales Symbol anerkennen kann, sollte mit weiteren Symbolen keine prinzipiellen Schwierigkeiten haben. Heute sind wir soweit, dass die pal. Fuehrung davon ausgeht, dass Israel ein groesseres Interesse an der Gruendung eines pal. Staates habe als sie selber. Nur vor diesem Hintergrund sind Drohungen, wie z.B. kuerzlich von Ahmed Queri (auch Abu Ala), man werde die 2-Staatenloesung fallen lassen, wenn Israel nicht auf pal. Forderungen eingehe, ueberhaupt verstaendlich.

2) Natuerlich ist es fuer einen Staat die schnellste Einkommensquelle, einfach Geld zu drucken. Israel mit seiner traumatischen Erfahrung der Grossen Inflation ist in dieser Hinsicht aber gebranntes Kind. Der Autor schreibt:

According to World Bank estimates, Jordan would extract seigniorage revenue of about US $50 million per annum from circulation of the dinar in the West Bank and Gaza Strip depending on a scenario of a 10% nominal growth rate in the WBGS. This amount would be roughly 1% of the Jordanian GDP.

Nach dieser Rechnung waere das jordanische Gross Domestic Product 1999 bei ca. 5 Milliarden gelegen. Ich habe auf die Schnelle keine Zahlen fuer 1999 gefunden, aber fuer 2002. Jordaniens GDP wird mit 9.3 Milliarden angegeben, Israels GDP mit 103 Milliarden. Einkommen aus der Waehrung haette fuer Jordanien signifikant sein koennen, waere aber Pipifax fuer Israel mit seiner 11x groesseren Wirtschaft.

Beide Punkte scheinen Strohargumente zu sein. Der wirkliche Grund – auch schon 1999 – duerfte darin liegen, dass es keine palaestinensische Wirtschaft gibt, die der Rede wert waere, heute noch weniger als damals. Die Studie erwaehnt diesen Punkt:

When he was foreign minister, Shimon Peres once stated: “We do not deal with symbols but with the real economy, and a Palestinian currency is economically superfluous.

wertet ihn aber sofort als paternalistisch ab.

The answer, based on the above discussion, is negative. In a patronizing way, Israeli Finance Ministry officials have been talking about “saving Palestinians from themselves” and arguing that “a Palestinian currency would lead to spiraling inflation.” Interestingly enough, in the first years of the State of Israel, the decision-makers held a rather different view of a national currency and its role.

Ohne ideologische Scheuklappen laesst sich natuerlich leicht erkennen, dass es noch andere Unterschiede zwischen dem Yishuv und dem neu gegruendeten Staat Israel einerseits und der PLO und der PA andererseits gegeben hat. Waehrend es den Juden tatsaechlich um einen lebenfaehigen Staat ging und sie daher dessen Infrastruktur sehr ernst nahmen, geht es den Palaestinensern nach wie vor um die Zerstoerung des Staates Israels, wobei die Forderung nach einem eigenen Staat als Mittel zum Zweck gesehen wird. Dementsprechend fehlt es auch 14 Jahre nach Oslo an tragfaehiger oal. Infrastruktur, waehrend die offensiven Kapazitaeten der verschiedenen pal. Organisationen sowohl qualitativ wie auch quantitativ gesteigert wurden.

Das Punkt, dass Israel die Palaestinenser „vor sich selber rette“, ist leider viel mehr eine Widerspiegelung der Realitaet als eine ueberhebliche Haltung. Da die Weltoeffentlichkeit darauf besteht, Israel und immer nur Israel alle Verantwortung fuer die Palaestinenser zuzuschieben, ist es sicher sinnvoller, manche Probleme (wie Hyperinflation mit einer pal. Waehrung) erst gar nicht entstehen zu lassen, anstatt hinterher den Schwarzen Peter dafuer zu bekommen und aufraeumen zu muessen.

Mir scheint, Ha’aretz schwaetzt hier wieder einmal gedankenlos pal. Propaganda nach, ohne ueberhaupt darueber nachzudenken, ob sie Sinn ergibt oder nicht.

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