Etwas Hintergrund zur Berichterstattung aus dem Gazastreifen


Den Lesern von der „Achse des Guten“ ein herzliches Willkommen!

Fuer jedes moechte-gern-totalitaere Regime ist es zentral, die Medien moeglichst weitgehend gleichschalten zu koennen. Dass Hamas, genau wie die Muslimbruderschaft weltweit, eine totalitaere Ideologie vertritt, brauche ich hoffentlich nicht detailliert zu belegen.

Der Gazastreifen ist das erste Territorium, dass die Muslimbruderschaft (Hamas ist das Akronym fuer deren pal. Zweig) kontrolliert.

Dementsprechend ueberracht nicht, dass fast unmittelbar nach dem Putsch bereits versucht wurde, Journalisten auf die neue Linie zu zwingen. Sakher Abu El Oun, dessen Verhaftung durch im August 2007 nur verhindert wurde, weil andere Journalisten sofort einen menschlichen Schutzschild um ihn bildeten, berichtet fuer AFP aus dem Gazastreifen und gilt als einer der prominentesten Journalisten. Bemerkenswerterweise wurde fast nur in israelischen Zeitungen und im libanesischen Daily Star ueber die versuchte Verhaftung berichtet. Die einzigen Berichte in westliche Mainstream Medien habe ich in der International Herald Tribune und in der New York Times gefunden, und sie beziehen sich nicht auf AP und nicht auf AFP, bzw. auf den eigenen Journalisten Erlanger. Insgesamt bringt Google 1180 Treffer zu dieser Suche, man vergleiche das mit den 20800 Treffern zum Tod des Reutersfotographen Fadel Shana im Gazastreifen!

Dieser Diskrepanz in der Berichterstattung je nachdem, ob Israel oder die Palaestinenser als Verantwortliche auftreten, wird uns immer wieder begegnen. Elder of Zyion hat das juengste Beispiel: Seit mehreren Tagen hat Hamas anscheinend einem Pressehochhaus in Gaza City den Strom abgestellt. In dem Gebaeude befinden sich auch die Bueros von Reuters. Bei Reuters aber herrscht Schweigen im Wald.

Berufenere als ich haben bereits darueber geschrieben, was hinter diesem „Schweigen der Laemmer“ steckt.
1) Angst um die eigene Sicherheit und/oder um die von lokalen Mitarbeitern.
2) Angst, keinen Zugang zu Quellen, keine Interviews etc. zu bekommen und damit nicht mehr erfolgreich arbeiten zu koennen.
3) Die anti-imperialistische Weltsicht sieht das Problem ausschliesslich beim Westen. Ohne „imperialistischen“ Taeter – kein Interesse.
4) Faszination mit Gewalt gerade bei „milden“ Intellektuellen. Das ist die Schublade, die ich z.B. fuer Victor Kocher waehlen wuerde. Hamas ist Fatah in dieser Hinsicht ueberlegen, und Kocher haelt es mit dem Alphakollektiv. Wenn Al Kaida irgendwann einmal den Gazastreifen uebernehmen sollte (was Gott und eine kompetentere isr. Regierung verhueten moegen), wuerde er seine Loyalitaet uebertragen.

Zu diesem letzten Punkt sollte ich noch betonen, dass die PA auch vor und neben Hamas keinewegs ein Paradies der freien Meinungsaeusserung war und ist.

3 Antworten

  1. Hallo Ruth,

    überrascht hat es mich nicht, dass die westlichen Medien so auffallend still sind. Das war schon unter Arafat so. Direkt nach seinem Einzug hat er ja erst einmal aufräumen lassen. Kritische Medien wurden geschlossen, Journalisten entweder in Beugehaft genommen, oder unter fadenscheinigen Begründungen vor Gericht gestellt. Den Anwälten wurden dann noch die meisten Rechte beschnitten, so das eine Mandatsvertrung recht schwierig wurde.
    Darüber wurde kaum berichtet – ich war ja damals überrascht, dass der Weltspiegel seinerzeit so offen war. Auch die Beschneidung und Zensur der Berichterstattung durch die Behörden ist so gut wie kein Thema. Sollten die israelischen Behörden allerdings einem Journalisten die Einreise nach Israel verweigern, dann überschlägt man sich regelrecht und macht einen Riesentrara. Auf die Idee, dass die Berichte aus den PA-Gebieten „geschönt“ sein könnten kommt im Westen keiner. Die Inszenierung palästinensischer Behörden, egal ob Hamas oder Fatah, sieht man als frei-unabhängig-offen und ohne jegliche Propaganda. Und weil man so gute Arbeitsbedingungen dort hat, kann man natürlich allen Berichten glauben die aus den Gebieten kommen. Dagegen müssen Berichte aus Israel erst mal kritisch hinterfragt werden, schließlich sitzt doch bestimmt ein Vertreter des Informationsministers mit in den Redaktionsräumen.

    Viele Grüße
    Taylor

  2. Taylor,

    Du hast natuerlich Recht, dass die Medien schon lange verschweigen, unter welchen Rahmenbedingungen ihre Berichte zustande kommen. Inzwischen sind es jast nur noch Palaestinenser, die aus den Gebieten berichten und die sind einem noch groesseren Druck ausgesetzt als auslaendische Journalisten und/oder sie identifizieren sich ohnehin mit einer Terrororganisation. Westliche „useful idiots“ sind selten geworden, vor allem seit der Entfuehrung von Alan Johnston. Karin Wenger und Lauren Booth gehoeren wohl zu dieser Kategorie.

  3. […] Über die Lage von Journalisten im und die der Berichterstattung aus dem Gazastreifen finden sich ein paar viel sagende und bezeichnende Worte auf Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus. […]

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