Am Fruehstueckstisch heute


sagte mir die Kleine (knapp acht Jahre alt) apropos von nichts, dass sie die Loesung habe: Wir muessen einfach das Land mit den Palaestinensern teilen, dann koennen alle in Frieden leben. Ich antwortete ihr, dass das eine sehr logische Idee ist, die auch seit 100 Jahren immer wieder mal vorgeschlagen wird. Nur scheiterte sie daran, dass die Araber prinzipiell keinen juedischen Staat hier wollen, ganz egal wie gross oder klein.

Die Kleine ueberlegte einen Augenblick und kam dann mit dem naechsten Vorschlag: Wir geben ihnen alles und dann leben wir in Frieden zusammen. Es tat mir leid, ihr sagen zu muessen, dass auch das kein Rezept fuer Frieden ist. In den arabischen Staaten gibt es entweder keine Juden oder sie werden als Buerger zweiter Klasse behandelt. Als Beispiel fuer die fuer uns nicht nachvollziehbare Ablehnung, erzaehlte ich ihr von dem aegyptischen Jungen, der sein Medikament nicht bekommen kann, weil es auf einem israelischen Patent beruht.

Inzwischen war die Grosse dazu gekommen und interessierte sich fuer die Details, wie Medikamente entwickelt werden und was Patente bedeuten. Ich antwortete ihr, aber nach einer Weile fiel mir auf, wie geknickt die Kleine da sass. Sie folgte mir ins Schlafzimmer, waehrend ich mich schminkte, fragte sie weiter, ob es denn keinen Weg gaebe. Ich sagte ihr, dass es manchmal sehr hart sei zu erkennen, dass man selber wenig oder nichts unternehmen kann. Aber es gaebe groessere Entwicklungen, die auch unsere Situation veraendern koennten. Eigentlich hatte ich an den Krieg gegen den Terror gedacht, aber die Kleine interpretierte „groessere Entwicklungen“ anders. Sie dachte an die „starke Hand“, die Israel aus Aegypten herausgefuehrt hat und war getroestet.

2 Antworten

  1. Oh je, das kenne ich. Ich habe auch schon öfter, als mir lieb ist, verstörte Fragen wie „aber Mama, warum hassen die uns so?“ beantworten müssen. Heute früh saß ich mit Quarta beim Zopfmachen vorm Fernseher, und wir sahen Ahmedinijad vom UN-Podium sein Gift versprühen. Keiner findet was dabei, nur wir. Ich finde es auch extrem verstörend. Manchmal möchte ich mich verbuddeln, bis die Welt Recht sieht. Aber da kann ich wohl gleich verbuddelt bleiben.

  2. Das kann ich mir vorstellen. Wenn ich sehe, wie schwer sich die Kinder mit dem Gedanken tun, dass wir gehasst werden, unabhaengig davon, was wir tun, dann faellt es mir leichter, „Alibijuden“ zu verstehen, die dem Druck nicht standhalten. Ich erinnere mich: Im Sommer 1993 muss es gewesen sein, war ich meinem ersten Mann und meiner Schwaegerin in Auschwitz. Es war heiss und ins Lager Birkenau verirrten sich kaum Besucher. Ausser uns war noch ein israelisches Ehepaar dort. Der Mann hatte in Auschwitz Familie verloren und versuchte, irgendetwas von dem Schrecken zu erfassen, indem er uns davon erzaehlte. Zum Abschluss sagte er unter Traenen: „Es ist immer noch nicht vorbei, noch immer versuchen die Araber uns zu toeten.“ Ich hoerte ihm aufmerksam zu, aber bei dieser Aussage revoltierte ich innerlich. Welcher Unsinn, dachte ich. Die Friedensgespraeche kommen gerade zu ihrem Abschluss. Bald gehoert das alles der Vergangenheit an. Tja, wie man sich irren kann.

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