Duemmlicher Antiamerikanismus in der Zeit


Michael Thumann hat einen Text veroeffentlicht, der mich in seiner Oberflaechlichkeit und mit den kaum getarnten Ressentiments nach Luft schnappen laesst, obwohl ich von der ZEIT schon einiges gewoehnt bin.

Thumanns palaestinensischer Freund sagt so einiges, was nachweislich unwahr ist:

Haben die Amerikaner nicht seit 2000 keinen Cent mehr auf die Palästinenser gegeben (…)

Komisch, ich erinnere mich an eine US-Zusage ueber 555 Millionen Dollar fuer das Jahr 2008 in Paris im letzten Dezember. Thumann aber sieht keinen Grund „wegen Details mit ihm herumzustreiten.“ Schliesslich ist der Mann Palaestinenser und hat damit das Recht auf sein eigenes Narrativ, das in wesentlichen Zuegen offensichtlich auch von Thumann geteilt wird:

Der Erste ist ein Palästinenser, der aus verschiedenen Gründen, die – wie er sagt – alle in israelischer Politik liegen, nicht in seine Heimat Gaza zurückkehren kann. Er lebt seit Jahren auf der Flucht und verzweifelt an der Gleichgültigkeit der Welt gegenüber seinem Schicksal und dem seines Volks.

Leichte Zweifel kommen Thumann offensichtlich nur bei der Frage, ob das Hamasregime wirklich gar nichts mit der Entscheidung seines Freundes zu tun hat, dem Gazastreifen lieber fern zu bleiben. Die Flucht, vermutlich von einem Palaestinakomitee zum naechsten mit reger Vortragstaetigkeit und die Gleichgueltigkeit der Welt gegenueber den Palaestinensern (!) dagegen nimmt er fuer bare Muenze.

„Die Spannweite der arabischen Meinungen“ umfasst offensichtlich nur Variationen zur Aussage „Amerika bekommt, was es verdient“. Dieselbe Schadenfreude macht sich auch in den Kommentaren breit.

So wie er denken derzeit die meisten Araber. Soll ich ihm da widersprechen? Es fällt dieser Tage schwer, im Osten auch nur ein gutes Wort für die Vormacht des Westens einzulegen.

Mit dieser Heuchelei beendet Thumann seinen Text. Dabei ist offensichtlich, dass er nicht das geringste Interesse daran hat, fuer den Westen ein gutes Wort einzulegen. Ganz im Gegenteil geniesst er sein eigenes antiamerikanisches Ressentiments so schoen durch seine arabischen Gewaehrsleute ausdruecken und an den Mann bringen zu koennen.

Eine Antwort

  1. Einerseits stimme ich zu, dass der Antiamerikanismus in der ZEIT grassiert. Dies ist insbesondere in der wöchentlichen Zigarette mit Helmut Schmidt zu beobachten. Diese Woche vergleicht Schmidt Russlands De-facto-Annexion von Teilen Georgiens allen Ernstes mit der Aufnahme Arizonas und Texas in den Staatenbund der Vereinigten Staaten. Zudem vergleicht Schmidt das russische Vorgehen in Georgien mit den „amerikanischen Interventionen in Serbien, im Irak und in Afghanistan“.
    Andererseits muss aber auch gesagt werden, dass in der ZEIT häufig pro-amerikanische Positionen vertreten werden (exemplarisch: Joffe). Die ZEIT deckt meines Erachtens nach nahezu das gesamte politische Spektrum ab.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: