Kinder und Laubhuette


Waehrend ich das schreibe, rumort es auf unserem Balkon. Dort baue ich  jedes Jahr unsere Laubhuette. Leider ist sie nicht kosher, weil darueber noch ein Balkon ist, der zu wenig freien Himmel laesst.

Als die Grosse gute drei Jahre alt war und die Kleine anderthalb, packte ich das Projekt Sukkah zum ersten Mal an. Es gibt genuegend Sukkoth zu kaufen, auch in der passenden Groesse. Da werden Eisenstangen zu einem festen Geruest zusammengesteckt, die Waende aus einer Plastikfaser-Stoffbahn darumgeschnuert und dann eine Matte als Dach aufgelegt. Damit konnte ich aber wenig anfangen. Eine Laubhuette nach meinem Gusto muss aus richtigen Latten zusammengenagelt werden, schliesslich faengt das Lied so an: „Patish, Masmer“ (Hammer, Nagel)

Ich hatte eine keine genaue Vorstellung davon, wie ich die Huette konstruieren wuerde und stand schliesslich am Vortag des Fests mit zu wenig Latten da. Kurz entschlossen saegte ich die entzwei und baute eine Mini-Sukkah fuer die Kinder. Sie waren entzueckt davon! Auch das darauffolgende Jahr reichte die winzige Laubhuette noch. Aber dann wollte ich doch eine Sukkah, in der auch mein Mann und ich sitzen koennen. Inzwischen hatte ich Erfahrungen gesammelt, und seither gibt es schoene, ausreichend geraeumige Laubhuetten, die auch den Windboeen, die unser Haus auf der Anhoehe immer wieder mal umfegen, standhalten. Nur letztes Jahr ist mir die Huette einmal so auseinandergerissen worden, dass ich sie neu bauen musste.

Seit letztem Jahr laden die Kinder Freunde ein, mit ihnen in der Laubhuette zu uebernachten. Von Schlafen kann vor Mitternacht selten gesprochen werden. Heute sind es die beste Freundin der Grossen und ein Junge, der letztes Jahr kurz mit ihnen in die Klasse gegangen ist. Seine Eltern sind Kollegen in meiner Firma, und der Vater ist schwer krank. Ich habe das Kind eingeladen, damit es an Sukkoth doch auch ein bisschen unbeschwert und froehlich sein kann.

Jetzt fuehlt sich die Kleine als fuenftes Rad am Wagen. Die Grossen fuehren offensichtlich schon Gespraeche ueber geschlechtliche Themen, was die Kleine noch ganz eklig findet. Ich habe sie aus der Sukkah gefischt, samt Kissen und Decke und verspreche ihr, dass sie am Sonntag zwei oder drei Freundinnen in die Laubhuette einladen darf. Sie weint im Bett, bis die Grosse kommt. Eine Weile kann ich ihrem Gespraech zuhoeren, dann bitten sie mich, ihre Privatsphaere zu respektieren und das Zimmer zu verlassen. Ich bin beeindruckt, wie reif und feinfuehlig beide das Thema Eifersucht besprechen koennen.

Der Junge kommt auch, bittet um Entschuldigung und fragt, ob er sich an dem Gespraech beteiligen darf. Zum Schluss kommt auch die beste Freundin mit verschlossenem Gesichtchen. Die Eifersucht ist durchaus gegenseitig.

Jetzt schlaeft die Kleine. Auf dem Balkon rumort es weiter, aber wenigstens leiser als vorher. Gute Nacht.

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Eine Antwort

  1. CHAG SUKKOTH SAMEACH aus Schweden. mach doch mal ein Foto von Eurer Sukkah. Liebe Grüsse Anneka

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