Gewalt in der Schule


Unsere Schule ist als Elternverein gegruendet, bzw. uebernommen worden. Daher ist es logisch, dass die meisten Eltern ihre Erziehungsvorstellungen moeglichst getreu in der Schule gespiegelt sehen wollen. Ueber den Themenkomplex Gewalt („Was stellt Gewalt dar?“, „Wie vermeiden wir Gewalt?“, etc.) streiten wir schon seit Jahren, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Ich habe mich aus Frustration u.a. deswegen letztes Jahr aus dem Vorstand verabschiedet.

Ein Beispiel: Vor den Feiertagen hatte ich ein Gespraech mit der Schulpsychologin und der Klassenlehrerin, weil die Motivation der Grossen kaum noch mit der Lupe zu erkennen ist, in krassem Kontrast zu ihrer Haltung in der Begabtenfoerderung. Fuer mich ueberraschend erfuhr ich, meine Tochter sei gewalttaetig und bedrohe Mitschuelerinnen. Nach eigenen Recherchen rekonstruiere ich den Fall so: Ein anderes Maedchen der Klasse ging der Grossen und ihrer besten Freundin (die beiden sind eine unzertrennliche Einheit) auf die Nerven. Daraufhin erklaerten die beiden ihr, wenn sie sie nicht in Ruhe liessen, wuerden sie sie schneiden. Das Maedchen beschwerte sich bei ihrer Mutter. Die interpretierte die Aussage so, dass ihrer Tochter mit sozialer Aechtung in der Klasse gedroht wuerde und schlug bei der Klassenlehrerin und der Psychologin Alarm. Als ich im Verlauf meiner Recherche die Mutter anrief, die natuerlich – auch das eine logische Nebenwirkung der Elternvereinigung – auch eine meiner Freundinnen ist, hoerte ich sogar schon, dass das Kind psychosomatische Stoerungen deswegen habe. Lehrerin und Psychologin erarbeiteten eine Unterrichtschwerpunkt „Drohungen“ und fuehrten ihn mit der Klasse durch, bevor ich ueberhaupt das erste Mal von der Geschichte hoerte. In den gleichen Tagen fanden uebrigens die Wahlen zum Klassensprecher statt und das betroffene Maedchen wurde zur Klassensprecherin gewaehlt. Auch eine Art von sozialer Aechtung, vermute ich?

Mir straeubten sich ein bisschen die Nackenhaare, aber ich behielt meine Einwaende vorsichtshalber fuer mich. Wenn schon die blosse Ankuendigung, man koenne jemanden auch links liegen lassen, schon als Gewalt definiert wird, was ist dann eigentlich keine Gewalt mehr? Heh, vielleicht koennte auch die offensichtlich mit Nachdruck erhobene Forderung, jedes Kind muesse mit allen anderen gut Freund sein, als eine Form von Gewalt aufgefasst werden?! Hilfe, meine Grosse erleidet Gewalt in der Schule!

Als Kontrast hier ein Fall, wo die Definition von Gewalt in der Schule einmal keine besonderen Probleme bereitet:

Ein Junge wurde schwer verletzt, er sei sogar klinisch tot. Der Sprecher der streikenden Lehrer (wer erinnert sich an den Streik des Erziehungs- und Gesundheitspersonals im Gazastreifen?) behauptet, ein von der Hamas neu ernannter Lehrer habe den Schueler aus einem Fenster im 3. Stock geworfen. Das Hamaserziehungsministerium verspricht, den Fall zu untersuchen und redet von einem Unfall. Der Vater des Jungen nimmt eine mittlere Position ein. Zwar sei sein Sohn nicht direkt aus dem Fenster geworfen worden, aber ein reiner Unfall waere es auch nicht. Der Junge sei vor dem ihn verfolgenden Lehrer bis ins 3. Stockwerk gefluechtet, dort wollte er an einer Regenrinne aus dem Fenster weiter fliehen. Der Lehrer schlug aber mit einem Stock auf ihn ein, so dass der Junge den Halt verlor und stuerzte.

Und natuerlich wird bereits der Transfer des Schuelers in ein israelisches Krankenhaus vorbereitet. Schliesslich streikt im Gazastreifen ja auch das Gesundheitspersonal. Die entsprechenden Gewerkschaften im Gazastreifen machen zwar explizit die Hamas fuer die humanitaere Katastrophe veranwortlich. Aber irgendwie werde ich das Gefuehl nicht los, dass die oeffentliche Meinung im Westen schon Israel als Suendenbock ausmachen wird.

3 Antworten

  1. ‚fuehrten ihn mit der Klasse durch, bevor ich ueberhaupt das erste Mal von der Geschichte hoerte‘
    Ist die ‚moderne Pädagogik‘ nicht wunderbar? Pädagogisch ist nicht, dass man die betreffenden/betroffenen Personen mal an einen Tisch setzt und die Sache bespricht und bereinigt, nein, das wäre wohl zu einfach. Und vor allem zu unintellektuell. Mann, was kann ich mich über solche Meisterpädagogen ärgern!

  2. Immerhin eine schnelle Reaktion. In der Wirtschaft zaehlt das auch, selbst wenn es an den Kundenwuenschen etwas vorbeigeht…

    Eigentlich haette ich von der Mutter, die ja auch eine Freundin von mir und von der Mutter der besten Freundin ist, erwartet, dass sie erst einmal mit mir telefoniert, bevor sie zur Lehrerin rennt. Ich habe ihr denn auch waermstens ans Herz gelegt, das naechste Mal etwas direkter zu sein.

  3. Guck mal, da habe ich auch etwas Passendes gefunden
    http://scrutograph.blogspot.com/2008/10/das-letzte-aggressionsventil.html

    Aggressionen an sich werden immer weniger zugelassen, nicht nur unangemessene Ausdrucksformen von Aggression. Es ist einfach verlogen zu postulieren, dass jeder jeden lieb haben muss.

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