Gazas Tunnel: Die ZEIT drueckt auf die Traenendruesen


Carolin Emcke hat in der neuen Ausgabe der Zeit mal wieder ganz viel Verstaendnis fuer die Verzweiflung der Palaestinenser. Mit dem Verstaendnis der Fakten hapert es dagegen ein bisschen, daher ein paar Korrekturen:

sie wollen nicht mehr glauben an eine Veränderung, die von anderen abhängt, und die dann nur enttäuscht wird

Tatsaechlich hatten die Palaestinenser im Januar 2006 Gelegenheit, selber etwas zur Veraenderung beizutragen. In Wahlen, die zwar nicht als voellig frei und fair bezeichnet werden koennen, aber ingesamt den Waehlerwillen widerspiegeln duerften, erhielt Hamas eine Mehrheit der Stimmen. Im Gazastreifen lag sie mit 48% vor allen anderen Parteien.

am Ende der Besatzung hörte die Gewalt nicht auf, die der eigenen Radikalen nicht, die weiter Qassam-Raketen auf die israelischen Dörfer nördlich des Gazastreifens abfeuerten

Die selber gewaehlten Radikalen hatten die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes gegen Israel deutlich im Wahlprogramm. Mit ihren Angriffen setzen sie also den Waehlerwillen getreuer um als so mancher westliche Politiker. Auch spaetere innerpalaestinensische Umfragen belegen immer wieder die breite Unterstuetzung fuer Angriffe auf Israel. Die Palaestinenser sind also in dieser Hinsicht nicht die armen Opfer von verantwortungslosen Radikalen, sondern sie haben ebendiese Terroristen an die Macht gebracht und unterstuetzen deren Terror weiterhin.

Sie hoffen nicht mehr darauf, dass die Gewalt jene trifft, die sie auch verursachen

Ganz im Gegenteil vertrauen sie weitgehend darauf, dass Israel nicht zu den Mitteln greift, die jeder andere Staat schon laengst angewendet haette, wuerde das eigene Territorium fortgesetzt beschossen.

Sie glauben auch an den Waffenstillstand nicht, der zwar offiziell andauert, aber in diesen Wochen schon wieder gebrochen wurde.

Der Waffenstillstand ist nach pal. Verstaendnis voellig einseitig: Die Palaestinenser duerfen immer wieder mal eine Rakete abfeuern, sich aufruesten, fuer Terroranschlaege trainieren und sie ankuendigen, aber wenn Israel einmal reagiert, dann ist das Abkommen natuerlich gebrochen…

den illegalen Tunneln von Rafah

Frau Emcke uebersieht voellig, dass die Tunnel nicht mehr illegal sind, zumindest was die de facto Regierung im Gazastreifen angeht. Hamas kontrolliert die Tunnel, gibt vor, was durch sie eingefuehrt werden kann und was nicht und will von den Betreibern Strafgelder erheben, wenn bei einem Unglueck im Tunnel Menschen um’s Leben kommen.

in den harten Boden von Rafah

Selbst das ist eine Luege.

It is widely agreed that after the international border under the 1979 Camp David treaty divided Rafah between Egypt and Gaza, smugglers began to dig in the soft sand

wie durch diesen Human Rights Watch Bericht belegt:

wie die dürre Menge an Waren über die Grenze kommt, genug, um nicht zu verhungern aber zu wenig, um selbstständig das wirtschaftliche Leben in Gaza zu sichern.

Immerhin nett, dass Frau Emcke einraeumt, dass die Bewohner des Gazastreifens nicht verhungern. Das ist schon ein Fortschritt gegenueber Lauren Booth, die von Darfur-Zustaenden sprach, waehrend ueppig Iftar gefeiert wurde. Der Wunsch nach einer selbstaendigen Wirtschaft erklaert natuerlich auch die Einfuhr von Zootieren durch die Tunnel.

Wie UN in ihrem nur „slightly“ voreingenommenen Bericht, laesst Frau Emcke zwei Punkte voellig unerwaehnt: Ueber die Tunnel werden auch Waffen und Sprengstoff geschmuggelt. Und Aegypten haette es in der Hand, den Grenzuebergang fuer Waren- und/oder Personenverkehr zu oeffnen.

Und natuerlich leiert auch Frau Emcke das alte und falsche Glaubensbekenntnis herunter, dass nur Hoffnungslosigkeit pal. Verhalten erklaeren koenne:

Aus der historischen Perspektive kann es keine Loesung fuer den Gazastreifen geben, solange die Bevoelkerung dort die Hoffnung nicht aufgegeben hat, Israel zerstoeren zu koennen. Nicht ein Mangel an Hoffnung, sondern ein Uebermass an Hoffnung in diese Richtung ist der Grund dafuer, dass Hamas im Gazastreifen ihren eigenen Terrorstaat gruenden konnte. Mit etwas mehr Berechtigung als die Armut, koennte der Iran als “root cause” fuer die Hamas im Gazastreifen bezeichnet werden.

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