Gespraeche mit Kindern


Seit einigen Monaten hat sich die Schlafenszeit der Maedchen nach hinten verschoben. Statt 20:00 ist es jetzt fast immer 20:30 und manchmal sogar 21:00.

Unsere Kleine neigt zum Verschleppen und Ausdehnen. Zum Anziehen der Schuhe braucht sie manchmal 10 Minuten, was morgens immer wieder zu blanken Nerven fuehrt. Abends gehen wir inzwischen gelassener damit um. Waehrend die Kleine also immer noch ihre Schultasche packt, die Kleider auswaehlt, Zaehne putzt etc., sitzt die Grosse (laengst mit allem fertig) mit einem Buch im Wohnzimmer. Das Problem ist, dass um 8 Uhr die Nachrichten laufen. Die Grosse schaut immer wieder von ihrem Buch auf und stellt Fragen. Die Kleine hoert das im Kinderzimmer und kommt auch herbeigelaufen.

Wenn grausame Bilder gezeigt werden, schaltet mein Mann um, notfalls erinnere ich ihn daran. Aber die Bilder von dem kleinen Moishe, der von seinem Kindermaedchen gerettet wurde, waren nicht grausam und auch die Photos seiner Eltern nicht. Der Nachrichtensprecher sagte nur, dass niemand wisse, was mit den Eltern sei.

APIn this picture taken on Friday, Nov. 28, 2008, Shimon Rozenberg, left, holds his grandson Moshe Holtzberg in Mumbai, India. The parents of Moshe, Rabbi Gavriel Noach Holtzberg and his wife Rivkah, were killed in an attack on the Chabad House in Mumbai. Moshe who celebrated his second birthday Saturday, was rescued Thursday by a Chabad-Lubavitch center employee

APIn this picture taken on Friday, Nov. 28, 2008, Shimon Rozenberg, left, holds his grandson Moshe Holtzberg in Mumbai, India. The parents of Moshe, Rabbi Gavriel Noach Holtzberg and his wife Rivkah, were killed in an attack on the Chabad House in Mumbai. Moshe who celebrated his second birthday Saturday, was rescued Thursday by a Chabad-Lubavitch center employee

Gestern nachmittag brachte ich die Kleine zu ihrem Begabtenunterricht. Aus irgendeinem Grund erinnerte sie sich an den kleinen Moishe und fragte nach seinen Eltern. Ich sagte ihr, dass sie ermordet wurden, dass Moishe nun wohl bei seinen Grosseltern leben wuerde (die waren auch im Fernsehen zu sehen) und dass wahrscheinlich auch sein Kindermaedchen bei ihm bleiben wuerde.

Ich sagte ihr, dass ich sicher bin, dass die Eltern auch weiterhin ueber ihr Kind wachen werden, aber dass Moishe so klein ist, dass er sich spaeter nicht mehr an sie erinnern wird. Die Kleine ueberlegte eine Weile und meinte dann, das sei doch eigentlich besser: Wenn Moishe sich nicht erinnern kann, dann spuert er seinen Verlust weniger.

Das brachte mich zum Nachdenken. Als sie und ihre Schwester so klein waren, war es meine groesste Angst, mir koenne etwas zustossen und meine Kinder wuerden sich nicht an mich erinnern. Vielleicht war das ein egoistischer Gedanke? Andererseits glaube ich wirklich, dass es wichtig ist, die eigenen Eltern zu kennen und dass eine Leerstelle schwieriger sein kann als ein Verlust.

2 Antworten

  1. Hallo Beer7,

    wunderschöner, zum Nachdenken anregender Post, danke!

    ähnliche Gespräche habe ich zur Zeit eine Menge. Es geht zwar nicht um den Tod aber die Kernfrage ist vielleicht dieselbe: Wenn Kinder etwas nie gekannt haben (also zB die Eltern oder – in meinem Fall – geographische Stabilität) können sie dann besser damit umgehen, weil sie ja garnicht wissen was sie vermissen sollen?
    Ich habe oft den Eindruck dass es so viele oberflächlich perfekte Mutter-Vater-Kinder-mit-Einfamilienhaus-Familien gibt, aus der chronisch psychisch kranke Erwachsene hervorgehen, gleichzeitig aber eben auch genug atypische Familienkonstellation – Patchworkfamilien, Single-Parent Familien, Aufwachsen in Pflegefamilien, bei Verwandte und noch Exotischeres – aus denen selbstbewusste, glückliche junge Erwachsene entstehen. Da denke ich mir, dass es das Wichtigste ist, dass Kinder geliebt werden, sei’s auch vom Großvater und dem Kindermädchen wie in Moshes Fall, weil sie dann die Stärke haben auch mit den Herausforderungen ihrer atypischen Lebenswelt umzugehen. Egal ob sie auch eine „andere Welt“ kennen oder eben nicht.

  2. Deine „Kleine“ hat da einen Gedanken losgelassen, der voll und ganz bestätigt, dass sie in den Begabtenunterricht gehört, finde ich. Hoffentlich lernt sie da auch das Denken zu erweitern, das sie im Gespräch mit dir gezeigt hat.

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