Fortsetzung: Das Maedchen aus Hebron


Die Nichte meiner Freundin ist seit vierzehn Tagen wieder zuhause in Hebron. Das Gericht hat noch kein Urteil gefaellt. Bei einer Zwischenverhandlung wollte der Richter das Kind in ein geschlossenes Internat (auf dem halben Weg zur Jugendstrafanstalt) unterbringen. Die Eltern liefen dagegen Sturm. Dann meinte der Richter, das Maedchen koenne doch einfach in Beer Sheva bleiben. Diesmal stellte sich meine Freundin auf die Hinterbeine und erklaerte ihrem Mann, dass sie nicht bereit ist, das Maedchen laenger aufzunehmen, da sie sehr schlecht erzogen ist, Anweisungen keine Folge leistet, nicht im Haushalt hilft, obendrein raucht und insgesamt ein sehr schlechtes Beispiel fuer ihre beiden Soehne (11 und 10 Jahre alt) sei. Im Endeffekt stimmte der Richter zu, dass das Maedchen bei seinen Eltern, also zuhause in Hebron, wohnt. Sie darf die Schule besuchen, ansonsten steht sie weiterhin unter Hausarrest.

In den letzten Tagen gab es wieder massenhafte Demonstrationen (inkl. Steinewerfen) in Hebron. Der Vater des Maedchens bekam einen Anruf der Polizei. Er musste seine aelteste (17 Jahre alt) abholen, sie war festgehalten worden, weil sie den Anweisungen der Polizie keine Folge leistete. Dieses Maedchen hat die Schule vor der Bagrut (Abitur) abgebrochen und hat jetzt ausser ihren „politischen Aktivitaeten“ keine regelmaessige Beschaeftigung. Im Haushalt oder bei der Betreuung ihrer juengeren Geschwister uebernimmt sie natuerlich auch keine Pflichten.

Auf dem Weg zur Polizeistation, lief dem Vater die naechstjuengere Tochter, unser Maedchen aus Hebron, ueber den Weg. Er traute seinen Augen nicht, dass sie ihren Hausarrest nicht nur nicht einhaelt, sondern auch noch bei den Demonstrationen herumwuselt. Die vaeterliche Ueberraschung verraet, dass er das Verhalten seiner Tochter noch immer nicht realistisch einschaetzt. Schliesslich ist sie ja auch gegen seinen dezierten Befehl zu der Demonstration gegangen, an der sie verhaftet wurde. Unter diesen Umstaenden ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Staat ihr einen Vormund bestellt und sie in ein geschlossenes Internat schickt. Angesichts der offensichtlichen Unfaehigkeit beider Eltern koennte das sogar eine Chance fuer das Kind darstellen. Leider bin ich eher pessimistisch, was die Qualitaet von Sozialarbeitern und solchen Internaten angeht.

Wen die Vorgeschichte interessiert:
Steine werfen und die Folgen
Das Maedchen aus Hebron (Steine werfen II)
Das Maedchen aus Hebron (Steine werfen III)

Gerade gelesen:

„This time we are dealing with youngsters who arrived from all across the nation. We are not necessarily seeing youths motivated by Greater Israel ideology. Some of them are dubious characters, including criminals, and nobody can control them. They are like gangs, lacking any sense of responsibility or judgment.“

Hervorhebung von mir

Das ist der Eindruck, den mir die Toechter dieser Familie auch machen. Sie haben nie Verantwortung uebernehmen muessen und ihre Eltern haben nicht ernsthaft versucht, sie zu erziehen. Die Demonstrationen sind ein staendiges Spektakel fuer die Kinder, die sie von der eigenen Leere und der Leere ihres Lebens ablenken.

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