Tierquaelerei


Wenn die Maedchen nach der Schule den Minibus besteigen, geben sie mir telefonisch Bescheid. Dafuer haben wir ihnen extra ein Handy besorgt. Heute kam also wieder zur erwarteten Zeit der Anruf. Die Kleine klang sehr aufgeregt. Am Anfang verstand ich nur die Haelfte, nicht zuletzt weil ich gerade im Sekretariat eine Zeichnung einscannte und viele Hintergrundgeraeusche hatte. „Shlomi haja chamud?“ fragte ich nach (Shlomi war lieb?) „Aber nein, Imma,“ empoerte sich die Kleine: „Shlomi harag chatul!“ (Shlomi hat eine Katze getoetet.)

Die Geschichte, wie ich sie nach und nach zusammensetzen konnte, war folgende:

Eine Katze war in die Maedchentoilette der 3. Klassen eingedrungen. (Alle Schulgebaeude sind ebenerdig und wie ein kleines Dorf angelegt. Die 3. Klassen haben ein eigenes Gebaeude.) Der Hausmeister Shlomi holte mindestens einen Besen und rief zwei Jungen aus der 6. Klasse zu Hilfe. Diese Buben sind bekannterweise Stoerenfriede, deshalb befinden sie sich auch so oft auf dem Schulgelaende und nicht im Unterricht. Das gesamte Gelaende ist ziemlich gross und von einem hohen Zaun umgeben, am Tor steht ein Wachmann.

Einige Kinder der 3. Klasse schauten zu, darunter die Kleine. Vermutlich wollten die Kinder urspruenglich auf die Toilette und blieben dann aus Neugier stehen. Zuerst glaubte die Kleine, dass die Katze nur vertrieben werden sollte. Dann sah sie zu ihrem Entsetzen, dass mit dem Besenstiel  hart auf die Beine der Katze eingeschlagen wurde. Die Kleine meint, dass ihr mindestens ein Bein gebrochen wurde. Der Katze gelang es zu entkommen, aber sie war wohl tatsaechlich schon verletzt und brach nach ein paar Metern zusammen. Dann wurde sie mit weiteren gezielten Hieben getoetet. Mir ist nicht klar, ob der Hausmeister selber agierte oder ob er den Jungen keinen Einhalt gebot. Der Kadaver der Katze wurde wohl von dem Hausmeister in den grossen Muellcontainer, der ausserhalb des Schulgelaendes steht, entsorgt.

Die zuschauenden Kinder waren entsetzt und liefen zu der stellvertretenden Direktorin. Von ihr befragt, stritt der Hausmeister alles ab. Die Kinder wiesen die stellv. Direktorin darauf hin, dass im Muellcontainer der Kadaver liege. Sie schaute nach und als sie dort tatsaechlich eine tote Katze sah, war sie ueberzeugt. Zu Recht. Kinder koennen das Schulgebaeude nicht verlassen. Sie konnten daher keine tote Katze im Container sehen und anschliessend den Hausmeister beschuldigen. Dass sie wussten, wo der Kadaver war, belegt, dass sie sehen konnten, wie die tote Katze entsogt wurde.

Wir haben selber einen kleinen Kater, an dem die Kleine sehr haengt. Sie liebt Katzen. Sie fand es fuerchterlich, wie die arme Katze ermordet (ihr Wort) wurde. Ich war auch entsetzt und dachte im ersten Augenblick daran, die Polizei anzurufen. Nach etwas Nachdenken war mir klar, dass ich die Sache zuerst mit der Direktorin besprechen sollte. Besonders was das Verhalten des Hausmeisters angeht, haette ich gern genaue Aufklaerung. Wenn der Tathergang halbwegs der Beschreibung der Kleinen entspicht, dann ist dieser Mann voellig ungeeignet fuer eine Taetigkeit an einer Schule.

Heute wurde im Gazastreifen das Opferfest (Eid al Adha) gefeiert. Elder of Ziyon hat Photos. Wieder einmal stellen wir fest, dass die Menschen im Gazastreifen gut genaehrt wirken und anscheinend nicht unter Hunger leiden.

Ich stimme mit meiner Namensvetterin aus Amerika ueberein, die folgenden Kommentar hinterliess:

It’s not the fact of animal slaughter that bothers me. It’s the unsanitary blood running down the sidewalk with everybody walking in it. It’s the gleeful exposure of the kiddies to the dying animals, daubing the faces of frightened babies with blood and laughing at their disgusted reaction. It’s the desensitizing of human compassion to animal suffering which will make it easier to handle the necessary honor killings which are bound to occur during the year.

7 Antworten

  1. Auf diese Idee bin ich noch gar nicht gekommen, dass das Opferfest dazu dienen könnte, die natürliche Tötungshemmung zu betäuben. Ein hochinteressanter Gesichtspunkt.

    Und dieser Hausmeister gehört gefeuert!

  2. Ob das der bewusste Zweck ist, kann ich nicht beurteilen. Aber diese Wirkung sollte es auf jeden Fall haben. Beachte, dass auf allen Photos nur maennliche Kindern und Maenner vorkommen. Es ist mit Sicherheit auch kein Zufall, dass Daniel Pearl, Nicolas Berg genauso geschlachtet wurden wie die Tiere beim Opferfest.

    Der erste Kommentar bei Elder of Ziyon verweist darauf, dass auch im juedischen Tempel geopfert wurde. Ganz abgesehen vom zeitlichen Abstand konnten diese Tieropfer (es gab auch andere Opfer) nicht dieselbe Wirkung in der Bevoelkerung erzielen. Das Opfern selber oblag naemlich einer kleinen, eigens dazu bestimmten und ausgebildetenen Priesterschaft. Beim muslimischen Opferfest ist dagegen jedes Familienoberhaupt, das es sich leisten kann, aufgerufen, ein Tier zu schlachten.

  3. Ich habe letztes Jahr einen kleinen Bericht im Fernsehen gesehen, wo sich die Leute über das Schächten aufregten – behaupteten die Reporter. Das war Quatsch: Die Leute regten sich darüber auf, dass überall die immer noch blutenden Tiere rumgeschleppt wurden und ihr Blut an der Stelle, wo die Schlachtungen stattfanden (in einem Hof) nur so durch die Gegend schwappte. Das war wirklich eklig.
    Und vor diesem Hintergrund kann man sich gut vorstellen, dass die Tötungen auch einen anderen Zweck haben als die reine Opferung.

    off topic: Bei dir hat’s bei der neuesten Umstellung bei WordPress auch das Avatar-Bildchen rausgehauen. Schon bemerkt?

  4. Leider habe ich in Israel vermehrt erlebt, wie Tiere dort unerträglich behandelt wurden und das noch in einem Kibbutz, der sich religiös nennt.
    Mich hat das dort mit am meisten erschüttert.
    Ich hätte den Typen sofort angezeigt, so jemand gehört nicht in eine Schule oder sonst wohin, der gehört schlicht rausgeschmissen. Soll der doch wie die Katzen auf der Straße leben.
    Für Kinder ist das ein Schock, den sie ihr Leben lang nicht vergessen werden.

  5. Yael,

    meine Nachforschungen und Gespraeche haben ergeben, dass der Hausmeister bei der Quaelerei nicht beteiligt war. Die beiden Buben haben das getan und der Mann hat verbal versucht, sie davon abzuhalten. Physisch wollte er nicht eingreifen. Das verstehe ich gut. Haette er eines der Kinder angefasst, waere ihm selber schnell ein Strick daraus gedreht worden. Einer der Buben kommt auch aus einer Mafiafamilie, da fuerchtet man sich vor einem Messer im Bauch oder Ruecken! Vor der stellverstretenden Direktorin hat er nicht direkt geleugnet (das hat meine Kleine falsch verstanden, weil sie sehr empfindlich ist, gerade wenn ihre Aufrichtigkeit irgendwie in Zweifel gezogen wird), sondern versucht abzuwiegeln, um das Thema nicht vor den Kindern detailliert auszubreiten.

    Die Maedchen haben schon Katjushas einschlagen gehoert. Der Libanonkrieg begann, als sie gerade bei ihren Grosseltern im Norden waren. Die Schocks sammeln sich an…

  6. Manfred, guck mal, was ich hier auch bei Elder of Ziyion gefunden habe:
    Eid: The festival of sexual harassment
    Die Desensibilisierung der Jungen und Maenner scheint in mehr als einer Hinsicht an diesem Fest eingeuebt zu werden.

  7. Ohje, da muss ich immer daran denken, dass Menschen, zumal Kinder, wenn sie Tiere töten, fast irgendwann mal auch Menschen töten.
    Die gehören in eine therapeutische Einrichtung, bevor sie wirklich Menschen töten und die Eltern in den Knast.
    Ich hoffe, deine Mädels überwinden diesen Schock etwas.

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