Medien im Wahlkampf


Schon seit Wochen machen die israelischen Medien Wahlkampf fuer Zippi Livni. Bei den diversen Versuchen, den Likud oder Netanyahu in ein negatives Licht zu ruecken, waren sie nicht gerade zimperlich:

Natuerlich wird uns um die Ohren gehauen, Netanyahu bedeute Krieg*, waehrend Kadima fuer Frieden stuende. Es gibt sogar Leute, die das glauben. (Mein Chef gehoert dazu, aber ich mag ihn trotzdem gern.) Insgesamt ist die Bevoelkerung Israels aus dem Friedenstaumel der fruehen und mittleren Oslojahre aufgewacht. Die selbsternannten Eliten merken auch bei uns als letzte, wie sich der Wind dreht. Die Verunglimpfung Netanyahus als Kriegstreiber funktioniert also nicht.

Panikmache kann nicht allzulange auf einem Thema herumreiten. Die Leute informieren sich am Ende noch und lassen sich nicht mehr so leicht erschrecken.

Die Reform der Pensionskassen unter Bibi als Finanzminister solle schuld am Wertverlust der Renten. Solche Panikmache ist nicht lustig. An dem Tag, als dieses Thema lanciert wurde sprach ein Mitarbeiter, der ein bisschen zu hysterishen Uebertreibungen neigt, von zu erwartendem, landesweitem Hunger. Als ich nach Hause kam, draengte sich eine Nachbarin in den Lift. Ich hatte sie noch nie so gesehen. Normalerweise ist sie eine ruestige Fruehrentnerin, immer modisch angezogen und aufdringlich auf Klatsch aus. Diesmal war sie voellig durcheinander, im Traininganzug und hatte sogar vergessen, ihre falschen Zaehne in den Mund zu setzen. Ihre Rente wird von einer der grossen Chemiefabriken hier bezahlt. Um die muss man sich erst dann Sorgen machen, wenn eine iranische Atombombe in der Umgebung von Dimona eingeschlagen hat. Aber die Angst dieser Frau war sehr real und ich wuensche niemandem**, sich so vor dem Nichts stehend zu fuehlen. (Am selben Tag fand ich uebrigens in der Post die Aufstellung meiner Rentenkasse. Tatsaechlich war sie im Wert gesunken. Um 5% im Vergleich zum Vorjahr. Mein Mann, der seinen Bescheid um dieselbe Zeit ueber bekam, hatten einen Verlust von 7%.)

Eine weitere Vogelscheuche, mit der die Waehler erschreckt werden sollen, ist Moshe Feiglin.

Mir war der Name noch erinnerlich, weil Feiglin 2005 bei den Likudprimaries gegen Netanyahu antrat. Feiglin sei ein Faschist, ein Apologet fuer Hitler und dergleichen mehr. Die Medienaufmerksamkeit verhalf Feiglin im Vorfeld der jetzigen Primaries zu mehr als einem Auftritt und irgendwie wirkte er nie ganz so fuerchterlich, wie vorher beschrieben. Er geiferte nicht, hatte kein Hakenkreuz am Kettchen um den Hals und rief nicht einmal „Mawet leArawim“ (Tod den Arabern.)

Dann kamen die Ergebnisse der Primaries und Olmert verkuendete sofort, dass der Likud sich in eine radikale, rechtsextreme Partei verwandelt habe, weil Feiglin selber auf den 20. Platz kam und Personen, die mit ihm identifiziert werden (ob zu Recht oder zu Unrecht habe ich noch nicht ueberprueft) sogar noch weiter vorn.

Damit, so hiess es, haetten sich die Chancen des Likuds in den kommenden Wahlen verschlechtert.

Nur konnten die Umfragen, die nach den Primaries durchgefuehrt wurden, das so nicht bestaetigen.

„In effect, what we have here is stability,“ Dahaf director Mina Zemach said. „It’s very difficult to draw conclusions on shifts from such changes.“

Dialog’s poll showed Kadima slipping to 27 seats from 28, while Dahaf’s saw her losing two seats, to 24.

The pollsters said it was possible that the implications of Feiglin’s strong showing had not yet sunk in with the electorate.

Camil Fuchs, who supervised the Dialog poll, said most of the people questioned were aware of the primary results but had not heard the commentaries that bombarded the airwaves on Tuesday, predicting the „Feiglin effect“ would hurt Netanyahu by creating the impression that the slate was ultra-extreme.

„It’s possible that there will be a rolling effect in the near future,“ Fuchs said.

Die Leute der Umfrageinstitute identifizieren sich wie die meisten Medienleute mit der „progressiven“ Weltsicht. Wie sehr sie sich wuenschen, dass die dummen Waehler doch noch merken, woher das Heil kommt, laesst sich aus den Zitaten deutlich herauslesen.

Ach ja, und meine Meinung? Ich halte es nicht fuer schlecht, wenn der Likud nach rechts rueckt. Eine sinnvolle Regierungskoalition kann nach den Wahlen eigentlich nur mit Kadima und/oder (eher und) Avoda gebildet werden, die sorgen dann schon fuer das noetige Gegengewicht.

* Eine etwas elegantere Variante habe ich bei Dutchblog gelesen: Likud steht fuer ewige Besatzung, Kadima fuer den Frieden.
** Vielleicht doch, dem einen oder anderen Funktionaer in einer Terrororganisation

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