„Pogrom“ in Hebron III


Die Vorwuerfe gegen Braude werden abstrus:

According to the indictment, during the tumultuous events surrounding the eviction of the Hebron house, Brauda pulled out his gun and demanded several Palestinians living adjacently to the disputed house go back inside their house.

Brauda, who was reportedly accompanied by an unidentified young man, went into the house as well. When the family patriarch demanded he leave, Brauda proceeded to hit him and then aimed his gun at him.

Other family members tried to remove Brauda from their home, at which point he fired at them. One of the shots hit the family patriarch in the chest. Another family member was able to knock Brauda to the ground, at which point he fired two more shots – one hitting a third family member in the arm.

Other members of the Palestinian family lunged at Brauda, who was eventually extracted from the premises by other Kiryat Arba settlers.

Nach dieser Darstellung haetten die Gewalttaetigkeiten und die Schuesse in einem Haus oder jedenfalls dicht daneben stattgefunden.

Das passt zu dieser Darstellung von Avi Issacharoff in Ha’aretz:

An innocent Palestinian family, numbering close to 20 people. All of them women and children, save for three men. Surrounding them are a few dozen masked Jews seeking to lynch them. A pogrom. This isn’t a play on words or a double meaning. It is a pogrom in the worst sense of the word. First the masked men set fire to their laundry in the front yard and then they tried to set fire to one of the rooms in the house. The women cry for help, „Allahu Akhbar.“ Yet the neighbors are too scared to approach the house, frightened of the security guards from Kiryat Arba who have sealed off the home and who are cursing the journalists who wish to document the events unfolding there.

The cries rain down, much like the hail of stones the masked men hurled at the Abu Sa’afan family in the house. A few seconds tick by before a group of journalists, long accustomed to witnessing these difficult moments, decide not to stand on the sidelines. They break into the home and save the lives of the people inside. The brain requires a minute or two to digest what is taking place. Women and children crying bitterly, their faces giving off an expression of horror, sensing their imminent deaths, begging the journalists to save their lives. Stones land on the roof of the home, the windows and the doors. Flames engulf the southern entrance to the home. The front yard is littered with stones thrown by the masked men. The windows are shattered and the children are frightened. All around, as if they were watching a rock concert, are hundreds of Jewish witnesses, observing the events with great interest, even offering suggestions to the Jewish wayward youth as to the most effective way to harm the family. And the police are not to be seen. Nor is the army.

Schon beim ersten Lesen fiel mir auf, dass hier aus der Position des allwissenden Erzaehlers berichtet wird, eigentlich ein Stilmittel der Dichtung, nicht journalistischer Berichterstattung. Erst im letzten Drittel des Artikels bringt Issacharoff ein, wo er selber war und was er tat. Etwas eigenartig beruehrt mich, dass angeblich eine Gruppe von Journalisten und mindestens eine Fotographin anwesend war, dass ich aber nur diese eine Darstellung von Issacharoff finde und keine Bilder. Warum sollten alle anderen Reporter den Vorfall unter den Tisch fallen lassen, wo er doch so fotogen gewesen sein muesste und prima in das uebliche Narrativ – boese Israelis, arme pal. Opfer – passt?!

Es gibt aber sehr wohl ein Video, das auch gestern wieder in den Nachrichten gezeigt wurde. Nur stellt sich die Situation voellig anders dar: Die Gewalttaetigkeiten, inkl. der Schuesse finden im Freien statt, nicht einmal direkt neben einem Gebaeude. Ob die Schuesse durch Notwehr gerechtfertigt werden koennen oder ob durch sie die Notwehr exzessiv ueberschritten wurde, muss das Gericht klaeren.

Niemand hat bisher behauptet, dass Braude in zwei verschiedenen Vorfaellen zur Waffe griff. Die Schuesse im Freien sind durch Videoaufnahmen belegt. Zu Schuessen im Inneren des Abu Sa’ifan Hauses schreibt selbst Issacharoff nichts. Hier scheint es sich um eine neuere Klitterung der Staatsanwaltschaft und der Polizei zu handeln.

Die Vorgeschichte findet sich hier und hier, wen’s interessiert.

Update: Gerade habe ich noch etwas gefunden. In einer fruehen Darstellung von B’Tselem wird behauptet, dass der Vorfall zwar auf freiem Feld stattgefunden habe, wie in dem Video zu sehen, dass die angeschossenen Personen sich aber im Haus aufgehalten haetten. Man konstrastiere die wechselnden Darstellungen der Anklage. Die beiden Siedler dagegen bleiben unveraendert bei ihrer Darstellung von Notwehr, die durch das Video auch bestaetigt wird (mit meinem Caveat, dass es auch exzessives Ueberschreiten der Notwehr gewesen sein koennte).

Mein Eindruck ist, dass B’Tselem und manche Journalisten unbedingt das Haus der Familie Abu Sa’afan oder Sa’ifan in den Mittelpunkt der Ereignisse bringen wollten. Handelt es sich bei der neuesten Behauptung gegen Braude um Projektion? Vielleicht wollten die Maenner der Abu Sa’ifan einen Siedler in ihrem Haus in Gewalt bringen, um eine konzertierte Aktion von juedischen Siedlern gegen das Haus zu provozieren. Das Al-Jazeera Fernsehteam, das sich nachweislich dort befand, haette dann tolle Bilder aufnehmen koennen. Die Darstellung des allwissenden Erzaehlers waere dann sozusagen das Script fuer diesen Film gewesen. In welcher Weise wurde es Issacharoff zugespielt?

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