Alibijuden: Avraham Burg


Nachdem ich lese, dass sich jetzt auch John Mearsheimer auf Burg beruft, muss ich ihn schleunigst in meine Sammlung aufnehmen.

Ich habe eine „fruehe Erinnerung“ an Burg. Vor den Wahlen 1999 wurde die Zentrumspartei gegruendet. Auf ihr ruhte eine kurze Weile eine Menge Hoffnung. Bevor sich Yitzchak Moredechai durchsetzte, wurden auch Amnon Lipkin-Shahak und andere „Ritter auf weissen Pferden“ gehandelt. Eines Tages fuhr ich mit einigen Kollegen zur Fabrik am Toten Meer. Unterwegs besprachen wir Politik. Einer der Ingenieure aus der R&D Abteilung brachte Burg ins Spiel und erwartete Grosses von ihm. Ich widersprach nicht. Zu diesem Zeitpunkt interessierte ich mich noch nicht so dringend fuer israelische Politik, erst ein Jahr spaeter bin ich aufgewacht. Aber im stillen dachte ich an den quengeligen Mund dieses Mannes.

In der Tat stammt Avraham Burg aus einer angesehenen Familie, genauer gesagt, er hatte einen beeindruckenden Vater: Dr. Yosef Burg

Es mag nicht leicht gewesen sein, im Schatten eines solchen Vaters aufzuwachsen. Der Sohn hat sich mindestens politisch deutlich von seinem Vater distanziert. Waehrend dieser seine ganze Laufbahn rechten, religioesen Parteien angehoerte, schloss sich der Sohn linken und im Selbstverstaendnis saekularen (inwieweit der quasi Messianismus von „Peace Now“ wirklich saekular ist, muesste genauer betrachtet werden) Bewegungen an. Als einer von Peres jungen Maennern war er auch in die Oslogespraeche verwickelt, ich tippe auf eine eher untergeordnete Funktion.

Im September 2003,
drei Jahre nach Beginn der sog. 2. Intifada, Arafats Terrorkrieg gegen Israel,
anderthalb Jahre nach Sharons Militaeraktion im Westjordanland, die inzwischen eindeutig als Erfolg beurteilt wurde,
als der Osloprozess fuer fast alle Israelis sichtbar gescheitert war,
veroeffentliche Avraham Burg gleichzeitig in mehreren internationalen Zeitungen seinen Artikel The end of Zionism, auf Deutsch „Die Zionistische Revolution ist tot“

Damit avancierte er auf der Stelle zum Alibijuden diverser „Friedensforen“ und wie sich Antisemiten sonst heute gern nennen.

In diesem Text fuehrt der Autor sehr plausibel vor, wie Burg ausschliesslich Israel in der Verantwortung sieht:

Some of Burg’s points are fair. The experiences of Arabs living under Israeli jurisdiction need to be known and taken seriously. But Burg frames his argument in extreme terms. He writes as if the sole responsibility for the conflict, for Arabs killing both themselves and innocent Israeli civilians, is Israel’s. He discounts the stated intentions of Arab terrorists to destroy Israel no matter what its borders, no matter what concessions it may make, because to them Israel’s very existence is anathema. He ignores Israel’s need to develop the weaponry he condemns: ever since it came into existence, Israel has been threatened by its Arab neighbors with wars of extinction. But note Burg’s use of prophetic imagery: Israel must be a „light unto the nations.“ Burg expresses the idealism and social conscience that are a key part of Jewish tradition. But Burg’s idealism is misguided, because it is unbalanced. For all his condemnation of Israeli society, he has not one critical word for Israel’s enemies.

(…)

It is fair to conclude that one central problem with many Jewish critics of Israel is an unbalanced and misguided idealism.

Der unausgewogene und fehlgeleitete Idealismus passt natuerlich wieder gut zu Dr. Sanitys Diagnose des boesartigen Narzissmus, wie er sich im Idealismus versteckt.

Ich moechte einen anderen Punkt hervorheben: Zionismus war zentral im Leben des Dr. Yosef Burg. Indem sein Sohn das Ende des Zionismus verkuendet, deklariert er das Scheitern von seines Vaters Lebenswerk. Und er tut dies zu dem Zeitpunkt, als seine eigene politische Arbeit im postzionistischen Osloprozess eindeutig und katastrophal gescheitert war.

Mit 48 Jahren erfahren zu muessen, dass man selber gescheitert ist, waehrend der ohnehin uebermaechtige Vater mit seinen Einschaetzungen so viel richtiger lag, muss extrem bitter sein, und deswegen wird die Erkenntnis nicht zugelassen.

Einen sehr detaillierten Text zum oedipalen Aspekt kann man hier lesen.

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2 Antworten

  1. […] stellt dabei Avraham Burgs Buch “The Holocaust is Over” dar (mehr über Burg auf Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus). Den Grund hierfür liefert Mearsheimer freundlicherweise selbst: He [Avraham Burg, Mr. Moe] […]

  2. […] Alibi-Juden (Serie bei Beer7): Shlomo Sand (Shlomo Zand), Jeff Halper, Shraga Elam, Uri Davis, Anat Saragosti, Avraham Burg […]

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