Interkultureller Dialog


Das israelische Institut fuer Aussenhandel hat heute in der Ben Gurion Universitaet von Beer Sheva ein Treffen mit Wirtschaftsattaches der israelichen Botschaften in einer Reihe von Laendern organisiert. Um diese Jahreszeit laeuft ohnehin geschaeftlich nicht mehr viel, und so haben  ein Kollege und ich uns angemeldet.

Ich war etwas zu frueh und zum Warten setzte ich mich ein bisschen in die Sonne. Den Mann, der neben mir auf der Bank sass, hatte ich bei der Anmeldung auch schon gesehen und nach Alter, Kleidung und Auftreten konnte ich ihn als Geschaeftsmann (im Gegensatz zu Dozent) einordnen. Ich begann mit ein bisschen Smalltalk und fragte ihn bald nach seiner Meinung zu der Lage (haMazav). Nach meinem Verstaendnis war voellig klar, dass in diesem Kontext nur dei Rede von der Wirtschaftskrise sein konnte. Die Reaktionen des Mannes ueberraschten mich.

Ich stelle meine Fragen routinemaessig sehr vielen Geschaeftsleuten. Meistens ist die Antwort verhalten, aber von Durchhaltewillen gepraegt. Diese Leute versuchen, das Positive, die Chancen an der gegenwaertigen Krise zu erkennen und fuer sich nutzbar zu machen. Seltener kommen hysterische Toene (wie bei meinem Chef), die das Ende der Welt und/oder des Kapitalismus erwarten.

Mein heutiger Gespraechspartner war sehr duester, aber ohne jeden hysterischen Unterton. Auf die Frage, welche Dauer der Krise er schaetzen wuerde, antwortete er „Keine Ahnung, aber mindestens zwei Jahre.“ Ich reagierte mit „Na, das werden wir auch ueberstehen.“ Er daraufhin sehr ernst: „Nein, das ueberstehen wir dieses Mal nicht, so nicht!“ Ich konnte mir keinen rechten Reim auf ihn machen. Schliesslich fragte ich direkt, ob er denn wirklich meine, dass der jetztige Abschwung prinzipiell anders sei als fruehere Rezensionen? Er schaute mich verdutzt an“ „Wer redet denn von der Wirtschaft?!“ „Ja, von was sprechen wir dann?“ „Von der Sicherheitslage!“

Ich liess meinen Blick nach unten gleiten und las auf seinen Unterlagen „Dorot“. Vermutlich ging mein Gespraechspartner davon aus, dass ich diese Information laengst verdaut hatte.

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Kibbutz Dorot liegt dicht neben Sderot. Obwohl weniger als eine Autostunde zwischen Dorot und Beer Sheva liegen, leben wir in derzeit in unterschiedlichen Welten. In seiner Welt kann „die Lage“ sich nur auf den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen beziehen, in meiner Welt nicht.

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