Israel haelt nicht mehr still


Am Donnerstag Abend ging mein Mann noch ins Unischwimmbad. Als er zurueckkam, berichtete er, dass es voller Soldaten war. Ihnen war das Wochenende gestrichen worden und als Zuckerl liess man sie ins Sportszentrum. Schon klar, warum sie nicht ins Wochenende durften…

Heute morgen war ich mit der Kleinen im Beit HaKnesseth. Mein Mann blieb mit der Grossen zuhause, die bis gestern Fieber gehabt hatte. Wir hoerten alle die Flugzeuge. Ich vermute mal, dass das Gebet fuer den Staat Israel, seine Politiker und Soldaten heute noch ein bisschen ernster gebetet wurde als sonst.

Als wir nach Hause kamen, sass mein Mann vor dem Fernseher. Man sah Hochhaeuser von Gazacity aus weiter Entfernung und dazwischen verschiedene Rauchfahnen. Die Kleine schmiegte sich neben mich. „Was ist das?“ Ich erklaerte ihr, dass unsere Armee Ziele im Gazastreifen bombardiere und die Rauchwolken kaemen davon. „Ist das nicht gefaehrlich fuer die Menschen dort?“ „Doch, das ist es schon. Die Armee versucht nur Hamasleute zu treffen. Aber im Krieg kommen immer auch unschuldige Menschen zu Schaden.“ „Auch Kinder?!“ „Ja, es kann auch Kinder treffen.“ Sie wurde still und wirkte bedrueckt. Zu meinem Mann gewandt, meinte ich, dass im Gazastreifen wohl kaum Kinder sich Sorgen um israelische Kinder machen wuerden. Die Kleine reagierte wieder und fragte warum. Ich erklaerte ihr, dass die Kinder dort schon im Kinderfernsehen und in der Schule dazu erzogen werden, uns zu hassen. Und die Kleine: „Aber dann sind sie doch gar nicht schuld! Sie erziehen sich ja nicht selber.“

Zum Glueck rief die Grosse nach ihr und bald waren beide in ihr Spiel versunken.

17 Antworten

  1. Woher wollen Sie wissen, daß wirklich keine Kinder im Gazastreifen an die israelischen Kinder denken – trotz der unbezweifelbaren Propaganda im dortigen Fernsehen ?? Ist das nicht auch schon eine Deformation des Denkens, die Sie mit Ihrer Antwort Ihren Kindern suggerieren?? Gerade angesichts der schrecklichen Eskalation der Gewalt, die von beiden Seiten derzeit mal wieder ausgeht, ist es mehr als traurig, solche Zeilen aus der Region zu lesen! Ihre Tochter hat vielleicht mehr Recht, als Sie glauben…

    Es wäre so viel geholfen, wenn man mal endlich auch auf Seite der israelischen Politik einsieht (die Fanatiker beider Seiten sind ja sowieso viel zu verblendet), daß die Spirale der Gewalt keinen dauerhaften Frieden schafft! Denn nur eine wirkliche Verständigung über die Grenzen hinweg, kann auf die Dauer in der Region die Sicherheit geben und den Frieden schaffen, den wir Ihnen allen so sehr wünschen…

    Ich war auf der Suche nach Informationen aus Beer Sheva, wo wir vor drei Jahren liebe Freunde besucht haben, und bin auf Ihren Blog gestoßen…

  2. Soso, es gibt also eine „Spirale der Gewalt“.

  3. […] hier Lilas und Ruths sachlich-ruhige und sachkundige Beurteilung einer Situation, […]

  4. Wenn man das so liest, möchte man wünschen, Kinder würden Politik machen, zumindest manchmal.
    Sehr bewegender Text für jemanden wie mich, der friedlich in Europa hockt.
    Auch wenn ich den ersten Kommentar hier in seiner schärfe und Wortwahl missbillige, muss ich ihm in einem Punkt Recht geben: Ich glaube, dass auch Palästinensische Kinder existieren, die so reagieren und denken. Verallgemeinerungen wären falsch.

    Alles Gute,
    Andreas

  5. Damit pal. Kinder so reagieren und denken koennten, muessten ihre Eltern sie ganz gegen die Umgebung erziehen. Das ist in einer totalitaeren Gesellschaft (und Hamastan ist totalitaer) sehr schwierig und gefaehrlich. Wehe, wenn ein Kind sich in der Schule verplappert! Es faellt auch auf, wenn Kinder einer bestimmten Familie bei den „wehrertuechtigenden“ Ferienlagern nicht mitmachen und bei „spontanen“ Demonstrationen regelmaessig fehlen. Ich schliesse nicht aus, dass es solche Familie auch im Gazastreifen geben kann. Sie haben mein ganzes Mitgefuehl und ich bete, dass sie diese boesen Zeiten ueberstehen und irgendwann eine bessere Gesellschaft mit begruenden koennen. Es koennen aber nur sehr Wenige sein! Mit „wohl kaum“ bilde ich mir ein, das entsprechend formuliert zu haben.

  6. Gast,

    ich sagte nicht, dass es im Gazastreifen keine solche Kinder geben kann, sondern dass es kaum solche Kinder geben kann. Erklaerung siehe oben.

    Ihre Einschaetzung von wegen „Spirale der Gewalt“ hat mit den Realitaeten nichts zu tun. Lassen Sie mich ueberlegen:

    2005 einseitiger Abzug aus dem Gazastreifen. Ein klarer Fall von Gewalt, so dass die tausenden von Raketen aus dem Gazastreifen nur als Gegengewalt bewertet werden koennen.
    Israel erlaubt Selbstmordattentaetern keinen freien Grenzuebertritt. Ein klarer Fall von Gewalt. Natuerlich muessen die frustrierten moechte-gern-Maertyrer zu Raketen greifen.
    Sechs Monate Waffenstillstand, in denen immer noch hunderte Rakten abgefeuert wurden. Israel oeffnet die Grenzen immer noch nicht fuer Selbstmordattentaeter. Klaer Fall von Gewalt usw.

  7. Man sollte es lassen, mit Ihnen diskutieren zu wollen. Ein Blog ist vermutlich sowieso nicht der richtige Ort. Und die erwähnten „Realitäten“ werden von Ihnen ja nicht dazu angeführt, wirkliche Argumente auszutauschen, sondern sollen andere Positionen von vorne herein lächerlich machen. Schade. Denn eine abgewogene Stimme aus der Region wäre wichtig!

    Es waren unsere (israelischen) Freunde aus Beer Sheva, die gestern angesichts der derzeitigen in einer Mail von einem „deja vu“ sprachen, das sie an die Zeit vor dem letzten Libanonkrieg erinnern würde. Ich denke, diese Meinung teilt auch der Korrespondent der NZZ …

    Ein Ende der „Spirale der Gewalt“ zu setzen würde zum Beispiel auch bedeuten, rechtstaatliche Mittel bei der Bekämpfung des Terrors einzusetzen wie überhaupt dafür zu sorgen, daß rechtstaatliche Verhältnisse in den besetzten Gebieten herrschen. In Spanien und Frankreich wird das Baskenland ja auch nicht mit einer Mauer eingezäunt und die nicht mit der ETA sympathisierende Bevölkerung dafür verantwortlich gemacht, daß hier verblendete Terroristen ihr Werk treiben.

    Und: zur „Spirale der Gewalt“ in der Region gehören leider auch solche Leute wie Baruch Goldstein und diejenigen, die unter http://www.hebron.com ihre Popaganda verbreiten. Goldsteins Haus wurde nicht zerstört, seine Familie nicht ohne Prozess ins Gefängnis gesteckt. All dies liefert natürlich wieder Argumente für die Gegenseite…

  8. Gast, mein Blog existiert nun schon fast zwei Jahre, da gaebe es einiges zu lesen.

    Irgendwie halte ich es fuer Zeitverschwendung, Ihnen all die Argumente noch einmal kurz vorzukaeuen, die ich hier schon detailliert behandelt habe.

    Gerade dem rechtlichen Aspekt habe ich naemlich viel Arbeit und Zeit gewidmet. Der grundlegende Text ist hier nachzulesen. Ihre Verwendung des Begriffs „Rechtsstaatlichkeit“ zeigt, dass Sie sich bisher nur auf dem Schlagwortniveau mit dem Thema beschaeftigt haben. Haetten Sie gern, dass Israel die Gebiete annektiert?! Das Baskenland ist kein umstrittenes Territorium, sondern gehoert eindeutig zu Spanien, bzw. zu Frankreich.

    Wann haette Israel je die Familien von Selbstmordattentaetern ohne Prozess ins Gefaengnis gesteckt? Aus welchen Quellen informieren Sie sich eigentlich?!

    Uebrigens ist es Defamation, wie Sie einen Massenmoerder wie Baruch Goldstein mit den Menschen hinter hebron.com gleichstellen! Faellt Ihnen eigentlich nicht auf, dass Sie 14 Jahre zurueckgehen mussten, um Goldstein zu finden?

  9. Vielen Dank für den Hinweis auf Ihren älteren Text, der in der Tat sehr aufschlussreich ist – auch weil er allein auf der militärischen Ebene argumentiert, wobei die von Ihnen (wie der israelischen Armee) zu Grunde gelegten Interpretationen ausserordentlich weit (in meinen Augen viel zu weit) gehen. Die Probleme der Region sind aber leider viel tiefer gehender und – wie schon der Libanon-Krieg zeigte – eben nicht allein mit militärischen Mitteln zu lösen. Aber da sind wir dann wieder am Anfang unserer „Diskussion“ hier…

    Und zu meinen Informationsquellen: es gibt zum Glück ein breites israelisches Meinungsspektrum, nicht nur im Netz, um sich auch als Nichtspezialist (der ich sicherlich bin) zu informieren. So bin ich bei Ihrem Blog gelandet.

    Inzwischen, nach einiger Lektüre mehr, weiss ich gut, was mich da erwartet, wenn ich wieder bei Ihnen lande: leider eben nicht die erhoffte abgewogene Stimme, die auch Blicke über die Mauern und Lager hinweg riskiert, sondern leider immer wieder auch Polemik gegenüber anderen Positionen…

    NB: Der Status des Baskenlandes ist äußerst umstritten: von Seiten eines Teils der baskischen Bevölkerung sicherlich nur, aber ohne diese gäbe es eben die ETA und ihre terroristischen Anschläge nicht…

  10. Gast,

    wenn Sie andere Interpretation von KVG aus relevanten Quellen finde, machen Sie mich bitte darauf aufmerksam.

    Ich kann mich nicht erinnern, irgendwann behauptet zu haben, dass die Probleme der Region nur mit militaerischen Mitteln geloest werden koennen? Sie sind anscheinend der Meinung, dass die Probleme der Region nur unter Ausschluss von militaerischen Mitteln geloest werden koennen. Dazwischen gibt es noch eine ganze Bandbreite, die von Ihnen anscheinend uebersehen wird.

    Natuerlich gibt es ein weites Spektrum israelischer Meinungen. Deswegen bin ich ja auch auf meine Serie „Alibijuden“ gekommen. Wenn Sie sich an Uri Avnery, Ilan Pappe usw. halten moegen, bitte sehr.

    Und nein, ich habe nicht den Ehrgeiz, mich in dieser Weise bei mehr oder weniger latenten Antisemiten anzuschleimen und auch nicht das psychische Beduerfnis, mich als weise, abgehobene Stimme zu etablieren.

    Ihre Verwendung von „aeussert umstritten“ hinsichtlich des Baskenlandes zeigt eine gewisse Unbedarftheit oder Unredlichkeit in der Diskussion. Wussten Sie, dass die Kugelform der Erde „aeussert umstritten“ ist? Von der Mondlandung ganz zu schweigen!

  11. Soetwas stand heute auch schon wieder in der deutschen Presse. Ich meine es war die Süddeutsche.

    Diesen Typen würde ich empfehlen ihre Verlagshäuser mal nach Sderot zu verlegen. Mal sehen wie überzeugt sie von nichtmilitärischen Lösungen nach ein bis zwei Jahren Fronteinsatz sind.

  12. Beer7, Sie lassen offen, wen Sie mit den „mehr oder weniger latenten Antisemiten“ meinen, bei denen Sie sich nicht „anschleimen“ wollen. Vermultich sollte das auf mich und meine vorherigen Kommentare zielen, so zumindest deutet dies der Kontext Ihrer Äußerung an. Ich kann nur den Kopf schütteln, warum Sie sich selbst und manches Bedenkenswerte, was Sie geschrieben haben, so disqualifizieren…

  13. In Ihrer Selbstbeschreibung steht: „Ich wuensche mir aufmerksame und kritische Leser, die mich fordern und herausfordern. Ich wuensche mir, dass wir gegenseitig unsere Blickwinkel erweitern koennen.“ Noch so ein Widerspruch zu Ihren obigen Äußerungen…

  14. Gast,

    den Schuh habe ich probeweise hingestellt. Wollen Sie ihn sich anziehen?

    Ich finde Ihre Forderung nach einer israelischen Stimme, die Ihre Vorstellungen entspricht, ziemlich dreist, Vor allem jetzt und hier. Was von meinen Texten haette Sie denn zum Nachdenken animiert?

    Ich fuehle mich nicht gefordert, wenn mir zum xten Male die abgelutschten und unbelegten Klischees (wie die Gewaltspirale, Rechtsstaatlichkeit) vor den Latz geknallt werden. „Kritisch“ ist das auch nur insofern, als Sie den Staat Israel kritisieren moechten und sich ziemlich wahllos mit Argumenten oder was dafuer gelten soll ausruesten.

  15. […] 2008 at 21:55 | In Lesen!, Nahost-Konflikt | Tags: Gaza-Krieg, Gazastreifen, Hamas, Hanukka-Krieg – Israel hält nicht mehr still […]

  16. Liebe Frau Beer7,

    zunächst muss ich mich bei Ihnen für den mehr als informativen Abend bedanken, den Sie mir mit Ihrem Blog und Ihrem für mich zunächst einmal verblüffenden „Diskussionsstil“ beschert haben. Tatsächlich weiss ich jetzt sehr viel besser, in welchem Umfeld Sie schreiben und wie leicht man dort auch mit dem Vorwurf des Antisemitismus umgeht (auch wenn sie diesen jetzt mit einem sprachlichen Salto offenbar halb zurücknehmen wollen). Von einem Blogger erwartet man Meinung, nicht aber Beschimpfung.

    Dass sich umgekehrt in dieser mir bislang weitgehend unbekannten „Blogsphäre“ und ihren Kommentaren tatsächlich auch einige tatsächliche Antisemiten und militante Antizionisten herumtreiben, ist mir dabei leider auch bewußt geworden. Das mag zwar manche Empfindlichkeiten Ihrerseits erklären (zum Beispiel habe ich nie eine israelische Stimme „gefordert“, die meinen Vorstellungen entspricht – gewünscht hätte ich es mir vielleicht…), doch ist es trotz allem mehr als erstaunlich, wie schnell Sie hier die Ihnen widersprechenden Positionen abbügeln (wie kommen Sie darauf, daß ich mich „wahllos“ mit Argumenten ausrüsten würde, um „den Staat Israel zu kritisieren“?? Ich hab die aktuelle israelische Politik und nicht „den Staat“ als solchen kritisiert…) und mit einem Generalverdacht belegen. Diese Art der Diffamierung scheint zwar in andere Foren (wie etwa in einem auch von Ihnen mitbedachten Blog) üblich zu sein, sie hat aber mit einer wirklich „offenen Gesellschaft“, in der man auch Meinungen von anderen Personen stehen läßt, m.E. wenig zu tun.

    Dies betrifft auch die angeblich so „abgelutschten und unbelegten Klischees“, von denen Sie sprechen. Der Verweis auf den Aufsatz von David A. Jaeger und M. Daniele Paserman, aus der American Economic Association, der sich hinter Ihrem Link letztlich verbirgt (Sie hätten vielleicht besser gleich die Originalquelle angeben sollen…), erscheint mir wenig relevant, da seine methodische Basis mehr als problematisch ist: die Vorstellung einer „Spirale der Gewalt“ ist nicht einfach nur mit „body count“ zu widerlegen.

    Das heisst nun nicht, daß man nicht darüber nachdenken kann, inwiefern die Vorstellung einer „Spirale“ tatsächlich angesichts eines ständigen Auf und Abs der Gewalt und Gegengewalt letzlich im Fall des israelisch-palästinensisschen Konflikt die richtige Formulierung ist. Ausgedrückt werden sollte , daß sich Gewalt wie Gegengewalt im vorliegenden Fall gegenseitig bedingen und letztlich immer wieder anstacheln – und das ist in meinen Augen im vorliegenden Fall nicht von der Hand zu weisen.

    Aber was soll es bringen hier noch weiter zu diskutieren, angesichts einer „Diskussionskultur“, wie Sie sie hier offenbar pflegen: man ist um ein paar Erfahrungen reicher – auch darüber, worauf man sich beim schnellen Kommentieren einläßt…

  17. Gast,

    ich war tatsaechlich keine gute Gastgeberin. Lila von Rungholt kann das besser. Angesichts der Lage, in der ich mich derzeit empfinde, habe ich allerdings immer noch den Eindruck, dass Sie auch als Gast durchaus hoeflicher haetten auftreten koennen.

    Wenn es Sie wirklich interessiert, unternehmen Sie doch Ihre eigenen Recherchen, ob israelische Gewalt arabische Gegengewalt ausloest, oder ob es nicht vielmehr so ist, dass der Eindruck israelischer Schwaeche arabische Gewalt provoziert. Was mich betrifft, halte ich die Faktenlage fuer eindeutig…

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