Notizen aus dem fast normalen Alltag


Der Probealarm wurde doch nicht durchexerziert.

Als wir zum Gesundheitszentrum fuhren, sah ich schon im Lift des Parkhauses eine Meldung des Heimatschutzes: „Lift im Fall von Raketenalarm nicht benutzen“. In Beer Sheva sollen wir 30-40 Sekunden vom Alarm bis zum Einschlag haben. Das reicht nicht aus, um einen sicheren Ort zu finden, wenn man sich zur Zeit des Alarms gerade im Lift befindet. Im Gebaeude selber waren ueberall grosse, rote Pfeile angebracht: „Zu einer geschuetzten Flaeche“. Diese Flaechen selber waren aber gar nicht klar gekennzeichnet. Es handelte sich offensichtlich immer um Stellen, wo die Konstruktion aus statischen Gruenden mit Beton verstaerkt war. Im Stress haette ich diese Beobachtung wohl nicht gemacht, sondern waere wild von einem roten Pfeil zum naechsten gehastet, ohne je in einer der verstaerkten Nischen stehen zu bleiben. Ich erwaehnte den Punkt gegenueber einer Rezeptionistin.

Waehrend sie die Kleine untersuchte, sagte mir die Zahnaerztin, sie habe erst beim Heimatschutz angerufen, ob ueberhaupt normale Sprechstunde sei. Ich schaute auf meine Tochter, die inzwischen eine Atemmaske mit Lachgas ueber der Nase hatte und machte mir klar, dass 30 Sekunden kaum reichen wuerden, sie von den diversen Schlaeuchen zu befreien.

Am Abend rief meine Schwiegermutter an und fragte, ob die Kinder morgen Unterricht haetten. Sie haben. Die Chanukkaferien werden nur in den Gemeinden innerhalb von 30 km verlaengert, Beer Sheva liegt aber 40 km entfernt. Wenn irgendetwas sei, solle ich die Kindern packen und zu ihnen kommen. Guck mal, wer da spricht. Den Krieg gegen Hisbollah im Sommer 2006 hat sie lieber in den eigenen vier Waenden ueberdauert, als zu uns zu kommen…

Mein Chef meinte heute vormittag etwas aehnliches. Ich erzaehlte ihm von meinen Plaenen, die tote Zeit zu nuetzen, indem ich meine Kunden in Israel besuche, muesse aber abwarten, bis die Kinder halbwegs gesund seien. Da ermahnte er mich, nicht nur das Fieber, sondern auch den Krieg zu beruecksichtigen.

Die Kinder waren heute nachmittag fieberfrei. Wenn sie es morgen frueh auch sind, schicke ich sie in die Schule. Die neue Direktorin hat die Schutzraeume hergerichtet und schon zweimal geuebt, welche Klassen in welcher Reihenfolge wohin gefuehrt werden.

Gerade ein E-mail von der Direktorin erhalten. Sie bittet alle Elternsprecher (natuerlich habe ich mich auch fuer dieses Amt breitschlagen lassen) morgen zu einer Dringlichkeitssitzung in die Schule zu kommen.

2 Antworten

  1. Pass gut auf auf Dich und die Kleinen! Von hier aus können wir ja nicht viel mehr tun als Daumendrücken. Aber die drücken ganz fest!

  2. Im letzten Satz fehlt das Wort „wir“.

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