Mein erster Raketenalarm


Mein Mann hat natuerlich im Irakkrieg 1991 jede Menge Alarm erlebt und in Schutzraeumen gesessen. Meine Kinder waren im Sommer 2006 bei ihren Grosseltern im Norden Israels zu Besuch, als der Libanonkrieg ausbrach. Auch sie haben Raketenalarm und Schutzraum schon erlebt. Aber fuer mich war es gestern abend das erste Mal.

Als ich nachmittags nach Hause kam, fand ich im Briefkasten das Flugblatt des Heimatschutzes (Pikud HaOrev). Seit ich von der Katjusha bei Lehavim (10 km noerdlich von uns) gehoert hatte, war mir klar, dass wenigstens die Kinder von jetzt an in unserem Bunkerzimmer (alias Arbeitszimmer) schlafen werden. Zum Glueck hatte ich das groesste Durcheinander schon am Freitag aufgeraeumt. Ich richtete also das Gaestebett her, brachte ihre Kissen, Decken, Plueschtiere, Leselaempchen und machte es so gemuetlich wie moeglich.

Ich bemuehte mich, ihnen dieses neue Schlafarrangement als lustiges Abenteuer und nette Abwechslung anzupreisen. Sie reagierten aber weniger erschrocken, als ich befuerchtet hatte. Frisch gefuettert, geduscht, gefoent steckte ich sie um halb neun ins Bett. Wie immer sass ich noch auf der Bettkante, liess mir von ihrem Tag erzaehlen und sang ihnen Gute-Nacht-Lieder. Mitten in meinem Gesangsrepertoire hoerten wir die Sirene. Vermutlich haette ich mit mehr Stress reagiert, waere ich allen gewesen. Aber vor den Kindern musste ich ruhig bleiben und das gelang mir auch ganz gut. Auch die Maedchen gerieten nicht in Panik. Die Kleine fragte, ob das Probealarm sei und ich antwortete, nein, jetzt sei es echt. Nur mein Mann, der seit Tagen krank im Bett liegt und deswegen die Nachrichten und die Sicherheitslage nicht so absorbiert hat, geriet in Aufregung. Ich musste ihm zweimal rufen, er solle zu uns in den Schutzraum kommen. Kurze Zeit nach der Sirene hoerten wir einen doppelten Bumm. Mein Mann verliess das Zimmer nach den vorgeschriebenen 5 Minuten und setzte sich vor den Fernseher. Ich blieb noch eine Weile bei den Kindern. Ihre groesste Sorge galt dem Kater. Wie kann man ihm erklaeren, dass er bei Raketenalarm in den Schutzraum kommen muss. Sie nahmen ihn schliesslich zu sich ins Bett, was er sich gluecklich schnurrend gefallen liess, und schliefen bald darauf ein.

Sie schliefen noch, als ich heute morgen das Haus verliess. In Beer Sheva faellt heute die Schule aus. Wie gut, dass mein Mann immer noch krank geschrieben ist, sonst muesste ich schon wieder einen Urlaubstag drangeben.

Im Buero tauschen nun alle ihre Geschichten aus. Wo warst du, was hast du gemacht, als die Sirene losging?

Eine Antwort

  1. […] Beersheva hat es heute mehrmals gekracht, genaueres erfährt man bei Ruth. Ihre Kinder sitzen im Schutzraum, sie hat heute auf dem Weg ins Büro einen Raketeneinschlag […]

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: