Alibijuden: Naomi Klein


Ich sehe zu meiner Freude, dass Yaacov Lozowick sich ebenfalls des Themas annimmt. Er spricht nicht von Alibijuden, sondern von juedischen Antisemiten, eine praezise Beschreibung. Mein Begriff „Alibijude“ bezieht sich mehr auf die Funktion als auf die Beschreibung des Phaenomens.

In ihrem juengsten Text belegt Naomi Klein eigentlich nur die ideologische Oberflaechlichkeit und die Unbekuemmertheit um Fakten, wie sie derzeit fuer die Linke symptomatisch sein scheinen. In welcher Weise dabei Israel zur Sonderbehandlung vorgesehen ist, zeigt den latenten linken Antisemitismus und verraet, dass westliche, linke Intellektuelle nicht viel anders als Islamisten reagieren. Wahrgenommene Schwaeche ermutigt Angriffe, wie Haie eben auf Blut im Wasser reagieren.

3. Why single out Israel when the United States, Britain and other Western countries do the same things in Iraq and Afghanistan? Boycott is not a dogma; it is a tactic. The reason the BDS strategy should be tried against Israel is practical: in a country so small and trade-dependent, it could actually work.

Zu ihrer Ehre muss ich zugestehen, das Naomi Klein Israel hier nicht mit Nazideutschland vergleicht, sondern „nur“ mit Suedafrika unter der Apartheid. Das ist zwar gleichfalls laecherlich, aber eine Nuance weniger antisemitisch.

Naomi Klein ist auch dezenter als z.B. Paula Abrams-Hourani darin, wie sie ihre eigene juedische Abstammung aufbereitet:

You also have chapters in your book about Africa, Latin America, and Iraq. Is it different for you, as a Jew, to write critically about Israel?

Israel is always more emotionally difficult for me. I think mainly it’s because of the force of the reaction and the closeness [of the] reaction. It’s not a stranger that is upset about [what I write], it’s people in my family who write me long letters saying, ‚Oh, I hate you!‘ So it obviously strikes closer to home.

There’s a way in which we want to exclude Israel from the world and say it is so special, so different, that no analysis except for one specific to the Jews and the Holocaust is allowed to have any place in the discussion. For so many Jews, there’s a deep defensiveness around Israel, a profound desire to see Israel as an exception in every way. I get letters from people saying, I agreed with you about everything in the book, but you lost me completely on Israel.‘

Wie sie ihre Funktion als Alibijude erfuellt, wird an diesem Beispiel deutlich:

I love Naomi Klein. What a wonderful person and conscience for the world. And what a great idea, to bring Israel to its knees economically. The feeling of helplessness is the worst in this situation, for those who suffer and for those who want to help. For those of us who just want it to stop! Our proverbial hands are tied because of the memory of the Holocaust, which makes us reluctant to criticize a country which has symbolized the hope of a people who have suffered so much. To me it feels risky to speak out, but I’m too disturbed by what’s happening to remain silent.

It is greatly to the credit of men and women of Jewish descent like Naomi Klein, Glenn Greenwald, Jon Stewart, Noam Chomsky, and so many others, that they stand as people of conscience against the slaughter in Gaza and show such moral clarity when others are attempting to confuse the situation with the customary lies and half truths.

Weil es latenten Antisemiten peinlich ist, sich nach Ausschwitz offen als solche zu bekennen, sind sie fuer jeden Juden dankbar, hinter dem sie sich verstecken koennen.

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9 Antworten

  1. Broder schreibt übrigens auch etwas zu dem Thema http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/naomi_klein_hat_eine_grosse_idee/

    Nur eine Bemerkung zur für Linke symptomatisch zu sein scheinenden „ideologischen Oberflaechlichkeit und Unbekuemmertheit um Fakten“. Liegt das nicht daran, dass wir es gestatten, das selbst die dümmsten Kälber erfolgreich akademische Titel mit politischen Pamphleten erreichen können, ich denke dabei rein zufällig auch an Ypsilanti, und das wir generell nicht kritisch genug mit den Linken sind, wozu auch die linke Selbstlüge zählt, wonach Linke grundsätzlich immun gegen Antisemitismus wären?

    Dabei war doch schon der versoffene Karl Marx ein tollwütiger antisemitischer Grobian, der zusammen mit seinem Freund Engels auf unterstem Niveau über die „Judenfrage“ schrieb. Trotzdem verneigen sich alle vor ihm. Sein Judenhass wird zwar gelegentlich zur Kenntnis genommen, aber nur um ihn sofort wieder zu vergessen. Bei der Beurteilung des „Gesamtwerks“ des „brillianten Kapitalismuskritikers“ und „tollkühnen Visionärs“ spielen solche „Ausrutscher“ natürlich keine Rolle mehr.

    Ich denke etwas mehr altbewährte konservative Strenge auf Schulen und Hochschulen wird bereits helfen. Dann wird es zwar weitaus weniger Abiturienten und Diplomirgendetwasse geben, aber weniger ist auch in diesem Fall mehr. Man sollte sich auch gegenüber den Printmedien solange als Konsument verweigern, bis die endlich mal qualifizierte Absolventen der Journalistik einstellen und keine billigen ansonsten arbeitslosen Sozial- und Geisteswissenschaftler aus der staatlichen Ideologenfabrik mehr.

    Und wir sollten den weitverbreiteten Irrglauben bekämpfen, wonach eine kritische Einstellung gegenüber den freiheitlichen Gesellschaften etwas mit Intelligenz zu tun hätte. Lauscht man das den Kleins, Lafontaines, Ypsilanti&Co recht ähnlichen Geschwätz der besoffenen Penner in der Gosse, so wird recht bald klar, dass das Gegenteil der Fall ist. Naomi Klein liefert mit dem nach dem sattsam bekannten „Kauft nicht beim Juden“ riechenden Aufruf zum Boykott israelischer Produkte, Firmen und Institutionen eine glänzende Bestätigung der Richtigkeit dieser Thesen.

  2. Zur Ehrenrettung der Linken muss ich sagen, dass innerhalb der Linken das Thema sehr unterschiedlich betrachtet wird und in den letzten Jahren Gegenstand heftiger Diskussionen, Streitereien und Spaltungen war.

    Diejenigen „Linken“ die Seit‘ an Seit‘ mit Hamas-Sympathisanten auf so genannten Anti-Kriegs-Kundgebungen marschieren stellen nur einen Teil der Linken dar. Ich bin mit gar nicht mal sicher, ob dies die Mehrheit der Linken ist.

    Es gibt daneben einen nicht kleinen Teil der Linken, der sich klar von den oben genannten „Linken“ abgrenzt und Partei für Israel ergreift.
    Beispielhaft wäre hier der BAK Shalom der Linksjugend – http://bak-shalom.de/ – zu nennen. Daneben gibt es zahlreiche linke und antifaschistische Gruppen, die sich klar zu Israel bekennen. Gregor Gysi selbst hat sich letztes Jahr in einer viel beachteten Rede gegen die einseitige Verurteilung Israels in linken Kreisen gewandt – siehe http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,547564,00.html

    Jedenfalls möchte ich als bekennender Sozialist und Linker den großen Rundumschlag gegen alles Linke von emmettgrogan zurückweisen. Formulierungen wie „besoffene Penner“ zeugen von einer Diskriminierungshaltung anderen Menschen gegenüber die nicht mehr feierlich ist.

    „Ich denke etwas mehr altbewährte konservative Strenge auf Schulen und Hochschulen wird bereits helfen. “ Jawohl, zurück zu Zucht und Ordnung, und die Prügelstrafe sollte auch gleich wieder eingeführt werden.

    „Dann wird es zwar weitaus weniger Abiturienten und Diplomirgendetwasse geben“. Schon mal was von Fachkräftemangel gehört? Will emmettgrogan Gesinnungstests an den Hochschulen einführen?

    „Und wir sollten den weitverbreiteten Irrglauben bekämpfen, wonach eine kritische Einstellung gegenüber den freiheitlichen Gesellschaften etwas mit Intelligenz zu tun hätte.“

    Intelligenz hat etwas damit zu tun, dass man seine eigene Position ständig überprüft und hinterfragt. Wenn man an dieser Stelle unkritisch ist bekommt die eigene Überzeugung die Stellung einer ideologischen Doktrin. Gerade deshalb müssen freiheitliche Gesellschaften sich immer wieder selbst fragen, in wie weit sie ihren Ansprüchen genügen. In Deutschland ist dies ein hochaktuelles Thema, werden doch durch das neue BKA-Gesetz und Vorratsdatenspeicherung die Freiheitsrechte derzeit massiv abgebaut. Kurz gesagt: Wer nicht unkritisch ist, ist kein Anhänger der Freiheit.

  3. Ich meinte natürlich „wer nicht kritisch ist, ist kein Anhänger der Freiheit“.

  4. Ich bin gespannt, wann Kleins Aufruf in einer deutschen Tageszeitung gedruckt wird…

  5. […] – Paula Abrams-Hourani – David Eliasson – Evelyn Hecht-“Galinski” (s.o.) – Naomi Klein (gleich […]

  6. Es gibt daneben einen nicht kleinen Teil der Linken, der sich klar von den oben genannten “Linken” abgrenzt und Partei für Israel ergreift.

    Jaja, es soll sie geben … aber angeblich soll es ja auch einen „demokratischen Sozialismus“ geben. Jedenfalls ist das Schweigen der israelfreundlichen Linken unüberhörbar. Die Straße gehört jedenfalls „den Anderen“ – Seit an Seit mit Nationalsozialisten und islamisch motivierten Judenhassern.

    Ist noch garnicht lange her, da habe auch ich mich als Teil eine Proisraelischen Linken begriffen – leider mußte ich lernen, daß dies Selbstbetrug ist. Die Mehrheit der Sozialisten -auch ohne „national“- haßt Juden ebensosehr, wie die islamische Fundamentalisten es tun…

  7. @willow:
    Wahre Worte, denen in jeder Beziehung zuzustimmen ist.

  8. Als Randnotiz:
    In der ZEIT thematisiert Thomas Asseuer Kleins Aufruf unter der Überschrift „Verblendet“ und bettet ihn in die „antisemitischen Reflexe“ von Globalisierungskritikern und Anti-Kapitalisten ein.

    Am Ende schreibt er passend:
    „Judenfeindliche Untertöne in der Globalisierungskritik sind aber deshalb so degoutant, weil ihre Vertreter bei jeder Gelegenheit als Avantgarde der Aufklärung auftreten. Mit dieser Aufklärung sollten sie rasch beginnen. Zuerst aber bei sich selbst.

  9. […] in Reaktion auf den Krieg in Gaza wiederholt zum Boykott israelischer Waren aufgerufen hat (hattip: Blick auf die Welt – von Beersheva aus über Naomi Klein). Doch natürlich gibt es diesbezüglich auch kritische und differenziertere Stimmen im Guardian. […]

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