Fingeruebungen zum „Friedensprozess“ fuer Fortgeschrittene


Vor neun Monaten hatte ich die unterschiedlichen Ansaetze von zwei jungen Frauen, einer Israelin und einer Palaestinenserin genauer angeschaut.

In der ZEIT fand ich heute einen vergleichbaren Text, beide Frauen sind Muetter, beide haben ihre Tochter bei einem Selbstmordattentat verloren. Der Unterschied besteht darin, dass die pal. Tochter die Moerderin war und ihre Mutter das nach wie vor gut findet, waehrend die israelische Mutter den sinnlosen Mord an ihrer Tochter betrauert.

Avigail Levy, die juedische Mutter will es lange nicht wahrhaben. Sie sieht die junge Moerderin als Opfer. Andere, aeltere Menschen haben ihr den Hass eingepflanzt. Und trotzdem will sie nicht sehen, dass sie gerade auch von ihrer Mutter zum Hassen erzogen worden ist. Da straeubt sich etwas in ihr. Das kann sie mit ihrer Erfahrung als Mutter nicht vereinbaren. Aber es bestaetigt sich immer wieder. Die andere Frau ist stolz auf ihre „Maertyrerin“ und rechtfertigt ihre Tat.

Und Anita Blasberg, die diesen Text fuer die ZEIT verfasst hat, kann sich nicht entscheiden, ob sie nicht doch die palaestinensische Mutter bewundern soll, deren Hass sogar groesser als ihr Schmerz ist. Faellt ihr ueberhaupt auf, dass Avigail Levy gar keinen Hass zeigt?

Dabei ist das die wirkliche Assymetrie im arabisch-israelischen Konflikt. „Wir lieben den Tod“ versus „Wir Juden lieben das Leben“.

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5 Antworten

  1. Ich muss sagen, dass ich mich lange geweigert habe (und eigentlich immer noch weigere) mir auch nur vorzustellen, dass, abgesehen von einigen üblen Fanatikern, der Durchschnitts-Palästinenser sich über sein totes Kind freut, so es denn ein Märtyrer ist.

    Aber immer wieder stößt man auf solche Beispiele.

    Folgender Link ist auch nicht uninteressant:
    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/01/13/al-durrah-goes-oslo/

    Wer bringt seine Kinder völlig absichtlich so in Gefahr, und wer malt seine Kinder mit Kunstblut an und instrumentalisiert sie auf diese abartige Art und Weise?
    Was für Eltern sind das?

    Da zweifelt man schon an der Menschheit, wenn man über dieses Verhalten nachdenkt. Die Liebe zu den eigenen Kindern ist doch eigentlich etwas kulturübergreifendes.

    Mich macht so was fassungslos.

  2. Netzklempnerin,

    Du unterliegst einem Irrtum. Die Liebe zu den Kindern ist eine kulturelle Errungenschaft. Jonathan Sacks vermutet in „A Letter in a Scroll“, dass sie auf das Judentum zurueckgeht.

    Noch im 18. Jahrhundert war „Mutterliebe“ (Verweis auf Elisbeth Badinter) nicht notwendigerweise das, was wir uns heute darunter vorstellen.

    Shrinkwrapped und Dr. Sanity (s. Blogroll) haben interessante, psychologische Texte zur Kindererziehung in islamischen Laendern verfasst.

  3. @Ruth: Wow. Ich dachte immer, Mutterliebe ist was Angeborenes, Biologisches. Ich bin keine Freundin von Biologismen, aber bei dem Thema habe ich das immer akzeptiert.

    Anscheinend muss ich da noch was lernen

    *schluck*

    Obwohl ich das bei dem Thema eigentlich gar nicht will 😉

    Danke für die Lesetipps.

  4. Ich habe beim Lesen der Reportage in der ZEIT auch mehrfach geschluckt (und überlegt, ob ich etwas dazu schreiben soll). Die wiederholte Rechtfertigung des Anschlages seitens der Mutter durch die „Unterdrückung“, etc. pp. ist einfach nur widerlich.
    Besonders traurig: vermutlich wird die Mutter der Terroristin bei vielen ZEIT-Leser auf offene Ohren stoßen.

  5. „Sie sieht die junge Moerderin als Opfer. Andere, aeltere Menschen haben ihr den Hass eingepflanzt.“

    ———————————

    Das ist ein wichtiger Punkt:

    Die Erziehung zur Eigenverantwortung und zur Prüfung des Gewissens fehlte hier. Mit Sicherheit fehlte das bei der Mutter auch, sonst hätte sie ihrer Tochter diese Ethik vermittelt.

    Ich denke, dass überall da, wo der Politische Islam in den Familien herrscht, diese Verantwortungsethik nicht besteht -; wäre irgendwie auch absurd.

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