doch ein kleines Beispiel aus der ZEIT


Der Titel zu Christoph Bertams Text verraet wohl Wunschdenken. Israel in der Sackgasse

Ansonsten zeigt der Text vor allem mangelnde Kenntnis und undifferenziertes Denken.

Sie bedeutete die radikale Abkehr von 40 Jahren israelischer Politik

Das ist so doof, als wuerde man der Bundesrepublik unterstellen, sie habe von 1949 bis 1989 immer dieselbe Politik gegenueber der DDR betrieben.

Denn es war ja nicht so, als hätte alles erst mit den Raketen der Hamas begonnen. Vielmehr hat Israel jahrelang versucht, die Autorität der Hamas durch einen immer engeren Würgegriff um Gaza auszuhöhlen: Gelder, die Gaza zustanden, wurden einbehalten, die Übergänge blockiert, jeglicher Handel aus dem Gaza-Streifen verhindert, der Meereszugang gesperrt.

Die ersten Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel wurden am 16. April 2001 abgefeuert. Der Gazastreifen wurde seit Juni 2007, als Hamas gegen die Fatah putschte, abgeriegelt. Daraus folgt einwandfrei, dass die Raketen nur die Reaktion auf den „Wuergegriff“ sind, klar?

Deswegen auch gibt ein Waffenstillstand über die so erwünschte Beendigung des Krieges hinaus nur Sinn, wenn er von Israels Verpflichtung begleitet wird, die Lebensfähigkeit Gazas und der Westbank nicht weiter zu behindern und den Siedlungsbau zu stoppen.

An die Bedingungen, die von der westlichen Welt, inklusive der EU, Hamas gegenueber erhoben wurden, mag Bertram nicht erinnern. Da war von Anerkennung Israels, Anerkennung von bereits geschlossenen Vertraegen und Abkehr vom Terror die Rede. Aber das sind ja nur Kinkerlitzchen verglichen mit dem Ausbau von Siedlungen! Das auch die eine oder andere Siedlung geraeumt wurde (war da nicht was im August 2005 im Gazastreifen?!) spielt keine Rolle.

Wie schon Syriens Despot Bashir Assad so schoen formulierte: „Grundsätzlich gilt in diesem Konflikt: Nicht die Hamas ist das Problem, sondern Israel.“

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8 Antworten

  1. Schön, dass du was zu geschrieben hast, hatte den Text auf mal auf meiner to-do-Liste 😉

    „Ansonsten zeigt der Text vor allem mangelnde Kenntnis und undifferenziertes Denken.“

    Das gilt für jeden Text aus Bertrams Feder.

  2. Während Bertrams Meinung mehr oder weniger typisch für diese Leute ist, gibt es in der ZEIT mit Wiebke Eden-Fleig nicht nur einen journalistischen Tiefpunkt, sondern auch jemanden, der den typisch arbischen (oder a la Gideon Levy) Israelhass vertritt. Der folgende Artikel, auch wenn er für mich wahrscheinlich abgeschrieben ist, endet mit einem haarsträubenden Absatz:

    Neben der kaum sichtbaren innenpolitischen Agenda von Hamas scheint das Ziel der radikalen Islamisten der Widerstand allein zum Zweck des Widerstands zu sein. Die Reise an sich wird zum Ziel. Es ist Zeit für die Führungsriege um Khaled Meschaal abzutreten, bevor sie die palästinensische Sache noch mehr beschädigen.

    http://www.zeit.de/online/2009/04/gaza-hamas-politisch-gescheitert

    Hier wird der Terror als Widerstand bezeichnet, mit einem Unterton, der die Selbstverständlichkeit und die Notwendigkeit des Terrors als gegeben voraussetzt. Und mit „palästinensische Sache“ ist hier definitiv die Auslöschung Israels gemeint; es ist einer dieser Euphemismen wie „free palestine“.

  3. @ Mr. Moe

    Ging mir ähnlich, hab mich auch drüber geärgert. Der Kasper dreht allmählich völlig durch. Man kann sich gar nicht mehr vorstellen, daß der mal als ein Experte für Sicherheitsfragen galt.

  4. Wieso „galt“? Wird der nicht immer noch häufig unter einem solchen (oder einem vergleichbaren) Label vorgestellt?

  5. Ist Wiebke kein weiblicher Vorname? Die Dame ist mir schon einmal aufgefallen.

    Der Tenor in diesem Artikel ist tatsaechlich, dass Hamas schon deutliche Fortschritte bei der Vernichtung Israels haette erreichen koennen, hielte man sich nur an die guten Ratschlaege aus Deutschland. Ohne ordentliche Innenpolitik, wohl straffe Organisation der Bevoelkerung, wird das nix!

  6. > die Lebensfähigkeit Gazas

    Wenn die Jungs mal arbeiten und vom Terror absehen würden, dann würde sehr schnell ein immenser Druck auf Israel entstehen die Grenzen zu öffnen. Die Lebensfähigkeit Gazas ist u.a. durch die Hilfsgelder und die Tunnelsysteme mehr als gesichert.

    Warum spricht sich Israel nicht für die Grenzöffnung zu Ägypten aus? – So, wie es ist, kann von interessierter Seite die „KZ-Legende“ noch verbreitet werden, ansonsten ginge das nicht.

  7. Skydumont,

    Israel will Aegypten nicht in Verlegenheit bringen. Schliesslich hat sich Mubarak in diesem Konflikt in einer Weise verhalten, die Israel zugute kam. Aegypten will aber auf gar keinen Fall Palaestinenser aus dem Gazastreifen ins Land lassen.

  8. […] Christoph Bertram in der ZEIT: Der „Würgegriff der Israelis“ usw. habe die Raketen erst provoziert. Beer7 stellt klar: Die ersten Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel wurden am 16. April 2001 abgefeuert. Der Gazastreifen wurde seit Juni 2007, als Hamas gegen die Fatah putschte, abgeriegelt. Daraus folgt einwandfrei, dass die Raketen nur die Reaktion auf den “Wuergegriff” sind, klar? […]

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