Mord und Geburtstagskuchen


Gestern abend fand die diesjaehrige Geburtstagsaison ihren Abschluss mit der Party der Grossen. Wegen der Militaeraktion im Gazastreifen und den Raketen auf Suedisrael konnte ich nicht gut vorausplanen und vorbereiten. Ihr urspruenglicher Motivwunsch – Tanz der Vampire – musste deswegen unter „Ideen fuer ein andermal“ abgelegt werden.

Im Hauruck improvisierte ich einen Geburtstag rund um das Moerderspiel.

Das Spiel geht so: In einer kleine Lotterie ziehen die Kinder Zettel, alle sind leer, bis auf zwei. Das eine bedeutet Detektiv, das andere Moerder. Das Kind, das den Moerder uebernimmt, schweigt schoen still und versucht, sich nichts anmerken zu lassen. Der Detektiv dagegen meldet sich. Die Kinder verteilen sich in der Wohnung, dann werden ueber den Schaltkasten alle Lichter geloescht. Der Moerder muss sich im Dunkeln an ein Kind anschleichen, ihm die Haende um den Hals zu legen und schnell das Weite suchen. Der markerschuetternde Schrei des Opfers ist naemlich das Signal, die Lichter gehen wieder an. Dann kaeme der eigentliche Teil des Spiels. Der Detektiv muss den Mord aufklaeren, indem er die Zeugen vernimmt. Alle muessen die Wahrheit sagen, nur der Moerder darf luegen.

Zum Aufwaermen und Abwarten, bis alle Gaeste eintrudelt waren, hatte ich ein paar andere Spiele vorbereitet. Jeder neue Gast bekam einen Aufkleber auf den Ruecken und musste die anderen mit Ja-und-Nein-Fragen bearbeiten, um herauszufinden, wen er darstellt. Ein grosses Plakat mit verschiedenen Flecken und aufgeklebten Proben (Katzenhaare, Zahnpasta, Senf, Salz usw.), daneben einen Korb mit Lupen. Ein Tablett mit Kinkerlitzchen, eine Minute Zeit zum Einpraegen, dann wird ein Gegenstand entfernt. Wer kann ihn identifizieren? Im Schutzraum (die staehleren Laden sind noch geschlossen) wurden Schattenrisse gezeichnet (fuer’s Polizeiphoto) und in der Kueche wurden Fingerabdruecke genommen. Die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen zuendeten wir auch schon an, sangen der Grossen ein Lied und verteilten Kuchen.

Schliesslich ging’s los. Der Detektiv wurde bei uns nicht erlost, sondern verliehen. Amtszeichen waren eine schwarze Melone und ein Notizblock. Die Lose hatte ich zu Bonbons ins Bonbonpapier gesteckt. Aber ich hatte nur mit drei Durchlaeufen gerechnet! Danach waren es weisse Zettelchen. Alle Moerder bis auf einen wurden noch auf frischer Tat ertappt. Sie machten allesamt den Fehler, sich nicht schon bei Licht ihr Opfer auszusuchen und sich in seiner Naehe aufzuhalten, sondern sich erst im Dunkeln anzuschleichen. Nur ein Junge war raffiniert genug, sich mitten in einer Maedchenschar zu plazieren und dann kaltbluetig eine von ihnen zu morden, ohne sich vom Platz zu bewegen. Da dauerten die Ermittlungen ein bisschen laenger.

Die Kinder hatten eine Gaudi, kaum dass ich sie dazu bringen konnte, eine Pause zum Abendessen einzulegen: Pizza und Obstsalat – mein Standardmenu fuer Kindergeburtstage. Dann ging’s gleich weiter im Spiel. Jeder war einmal Moerder, die meisten auch einmal Detektiv und den einen und anderen Wiederholungstaeter hatten wir auch. Den Eltern hatte ich gesagt, sie sollten ihren Nachwuchs zwischen acht und halb neun wieder abholen. Als es acht wurde, erklaerte ich den Kindern, dass wir jetzt wieder etwas Ruhigeres spielen muessen. Ich wollte nicht riskieren, dass die Eltern in eine pitschdunkle Wohnung kommen und das Gekreisch eines frischen Mordopfers hoeren! Da sammelte einer der Buben Unterschriften, er legte mir eine regelrechte Petition vor, und ich liess mich erweichen. Es wurde halb neun, es wurde neun und fast alle Kinder waren noch nicht abgeholt. Ich murmelte schon etwas von wegen „Chuzpa“ zu meinem Mann, da kam der Anruf von einem Vater. Sein Sohn hatte ihn angerufen, er solle noch nicht kommen, ob das in Ordnung sei? Wie sich herausstellte, hatten die meisten Kinder so ihre Eltern abbestellt, weil sie noch nicht nach Hause gehen wollte. Ich sprach ein Machtwort und um halb zehn war die Bude dann leer.

Erfreulicherweise hatten die Kinder zwar jede Menge Laerm produziert, aber so gut wie keine Unordnung. Erstmalig nach einem Kindergeburtstag musste ich weder den Boden feucht aufwischen, noch den Staubsauger holen!

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3 Antworten

  1. Da hätte ich dabei sein mögen. 🙂

  2. Großartig 🙂

  3. Olaf, mit Deinem Avatar haettest Du auch gut dazugepasst! Ist das ein Kinderbild von Dir oder einfach so?

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