Antiisraelische Vorurteile in der NZZ zu besichtigen


Selbst ohne Victor Kocher (oder wird er einfach nicht genannt?) schafft es die NZZ in vorbildlicher Weise, Israel als Agressor darzustellen und Hamas reinzuwaschen.

Gestern wurde bekanntlich eine israelische Patrouille auf der israelischen Seite der Grenze angegriffen. Mit einem verborgenden Sprengsatz zunaechst und anschliessend mit Schusswaffen. Ein israelischer Offizier ist tot, ein anderer schwer verletzt und zwei Soldaten leicht verwundet.

Schon gestern leitete die NZZ in der Ueberschrift eine Umkehrung ein: Israelische Panzer feuern nach Angriff zurück, womit deutlich gemacht wird, dass der Angriff selber nicht so wichtig ist. Nachrichtenmaessig wird es erst spannend, wenn Israel reagiert.

Heute geht die Reise in die Parallelwelt, wie sie Antisemiten gern bewohnen, dann weiter: Israel bombardiert Tunnel an Gaza-Ägypten-Grenze, im Untertitel „Uno-Diplomat nennt Gaza «riesiges Gefängnis ohne Menschenwürde»“. Das hilft dem Leser, die Lage richtig einzuschaetzen. Israel haelt die Palaestinenser im Gazastreifen in einer Art Konzentrationslager, obwohl das Wort wird sorgfaeltig nicht verwendet, weil die Gleichsetzung von Nazis und Israel auch von der EU als klaren Hinweis auf Antisemitismus verstanden wird. Und dann bombardiert es auch noch Tunnel an einer Grenze, die Israel eigentlich gar nichts angeht!

Dass durch die Tunnel Waffen geschmuggelt werden, beruht offensichtlich auf purem Hoerensagen. Dabei hat die NZZ selber schon im September 2007 einen detaillierten Hintergrundartikel ueber eben diesen Waffenschmuggel veroeffentlicht.

Besonders schoen formuliert ist dieser Absatz:

Die nach der dreiwöchigen israelischen Offensive im Gazastreifen erst kürzlich beschlossene Waffenruhe erwies sich damit einmal mehr als brüchig. Bereits am Dienstag war es zu Zwischenfällen gekommen, bei denen ein israelischer Soldat und ein Palästinenser starben.

Der Kenner laesst es sich auf der Zunge vergehen. Wie sorgfaeltig wird jeder Hinweis vermieden, dass Israel einseitig einen Waffenstillstand erklaert hat. Wenn dem Leser suggeriert werden soll, dass Israel mutwillig den Waffenstillstand bricht, koennte sich der fragen, warum Israel dann ueberhaupt einseitig den Waffenstillstand ausgerufen hat. Besser man bewahrt ihn vor solchen ketzerischen Zweifeln. Auch der Hinweis auf die Zwischenfaelle gestern ist gelungen. Das laesst bei Leuten mit kurzem Gedaechtnis oder vorgefasster Meinung die Deutung zu, dass Israel gestern den Gazastreifen angegriffen habe. Keinesfalls darf ein ursaechlicher Zusammenhang mit dem gestrigen, grenzueberschreitenden Angriff auf israelische Streitkraeft und der heutigen IDF-Aktion hergestellt werden! Das ist hier examplarisch geloest.

Schoen auch die Kombination mit der moralischen Entruestung von John Holmes.

Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Unter-Generalsekretär John Holmes, hat den Gazastreifen nach den israelischen Angriffen mit einem «riesigen Freilicht-Gefängnis ohne Normalität und Menschenwürde» verglichen. Holmes berichtete dem Un-Sicherheitsrat am Dienstagabend über seine Eindrücke bei einem Besuch in dem Gebiet in der vergangenen Woche.

Demnach brauchen die Palästinenser «massive humanitäre Hilfe» zum Überleben und zum Wiederaufbau ihrer Wohnhäuser. «90 Prozent der 1,3 Millionen Menschen im Gazastreifen ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen», sagte Holmes.

Fuer solche Statements ist Holmes Fachmann. Bereits vor einem Jahr reagierte er mit Entruestung auf die Zustaende im Gazastreifen:

„I have been shocked by the grim and miserable things I have seen and heard about during the day,“ he told reporters at the main UN compound in Gaza City.

„[They] are the result of the current restrictions on the crossings into Gaza, and the very limited amounts of foods and other materials being allowed in.“

Mr Holmes, who is also the UN’s emergency relief co-ordinator, said the level of goods entering Gaza had dropped to 10% of what it was a year ago.

He said the Israeli restrictions had led to the collapse of the territory’s economy, which in turn caused widespread unemployment and poverty. As a result, some 80% of Gazans now depended on food aid, he added.

„All this makes for a grim human and humanitarian situation here in Gaza, which means that people are not able to live with the basic dignity to which they are entitled,“ he said.

Wenn wir die Zahlen spasseshalber mal ernst nehmen, erweist sich, dass die Auswirkungen des israelischen „Massakers“ zumindest in dieser Hinsicht so schlimm nicht sind. Nach drei Wochen Krieg sind gerade mal 10% mehr Menschen auf Lebensmittelhilfe angewiesen, als vor einem Jahr. Und auch damals ware die Auswirkungen der israelischen „Abschnuerung“ wegen fortgesetzten Raketenangriffe so drastisch nicht. Verglichen mit der Vor-Hamas-Zeit im Gazastreifen war kaum ein Unterschied bemerkbar in dem Anteil der Bevoelkerung, die auf Nahrungshilfe angewiesen war.

Natuerlich hoert Holmes nicht gern, dass seine Positionen Terroristen ermutigen. Vor einem Jahr sprach sich Holmes gegen eine israelische Militaeraktion im Gazastreifen aus. Wie wir wissen, hat sich Israel an seinen Ratschlag gehalten und stattdessen auf einen Waffenstillstand mit Hamas gesetzt. Dieser Ansatz ist gescheitert, was Holmes aber nicht daran hindern kann, weiterhin Hamaspolitik zu betreiben.

Gleichzeitig
leugnet der UNRWA-Sprecher Chris Gunness, dass Hamas Hilflieferungen stiehlt und/oder pluendert.

13 Antworten

  1. „Selbst ohne Viktor Kocher (oder wird er einfach nicht genannt?) schafft es die NZZ in vorbildlicher Weise, Israel als Agressor darzustellen und Hamas reinzuwaschen“.

    Nein, ap und sda sind eher propalästinensische Agenturen die sich auch in erster Linie auf palästinensische Quellen verlassen, bzw. palästinensische Propaganda weiter verbreiten.
    Ich verweise hier noch auf die Darstellung von G. Szpiro in der Printausgabe der NZZ, da werden die Positionen in Israel geschildert: „Attentat an der Grenze zum Gazastreifen – Israelische Politiker plädieren für harte Vergeltung“ (Frontseite).

    Lieber Gruss
    Urs

  2. Lustig auch, dass man in Europa erst durch den Gaza-Krieg auf die geschätzt 500 Tunnel aufmerksam gemacht worden ist.
    Die Grenze zu Ägypten war also immer de facto offen.

  3. Natuerlich war sie das, auch teilweise auf der Erde und nicht nur darunter. Aber das wurde staendig geleugnet, gerade auch in der NZZ.
    https://beer7.wordpress.com/2007/12/03/die-nzz-besteht-darauf-faktisch-falsche-informationen-zu-verbreiten/
    https://beer7.wordpress.com/2008/01/23/soeben-hat-die-nzz-erkannt-dass-der-gazastreifen-eine-gemeinsame-grenze-mit-aegypten-hat/

  4. Selbstverständlich, liebe Ruth, ist Deine Kritik an der NZZ richtig. Es ist auch richtig die online Redaktion dafür zu kritisieren, dass sie unbesehen und ungeprüft Agenturmeldungen übernimmt.
    Lieber Gruss
    Urs

    Zu einem Aspekt der Grenze Gaza / Aegypten siehe auch: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600758,00.html (EUBAM-FRIEDENSTRUPPE
    Die fleißigen Arbeitslosen von Aschkelon)

  5. Du hast schon Recht, liebe Ruth, mit Deiner Kritik an der NZZ.
    Liebe Grüsse
    Urs

    Noch zu einem weiteren Aspekt zur Grenze Gaza/Ägypten etwas von HMB: EUBAM-FRIEDENSTRUPPE
    Die fleißigen Arbeitslosen von Aschkelon (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600758,00.html)

  6. Noch etwas zu dieser Grenze:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600758,00.html
    LG
    Urs

  7. Lieber Urs,

    wuerdest Du sagen, dass sich die Printausgabe und die Onlineausgabe in der Faerbung ihrer Nahostberichterstattung unterscheiden?

  8. Liebe Ruth,
    nicht grundsätzlich. Georg Szpiro wird aber (z.B.) nach meiner (nicht systematischen) Beobachtung weniger auf NZZ online verlinkt als z.B. Victor Kocher bzw. krass propalästinensische Agenturmeldungen (Propaganda).
    Manche Artikel finden man später im Dossier:
    http://www.nzz.ch/hintergrund/dossiers/konflikt_im_nahen_osten_2.17363

  9. Liebe Ruth,
    ich Teile Deine Kritik an der NZZ, vieles wird unterschlagen und dies ist unschön.
    Zu Grenze Gaza / Ägypten noch etwas von HMB:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600758,00.html

  10. Liebe Ruth,
    hier noch etwas zur Grenze Gaza / Ägypten von HMB: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600758,00.html

  11. hier noch etwas zur Grenze Gaza / Ägypten von HMB: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,600758,00.html

  12. Ähnlich schön hat es auch die F.A.Z. formuliert:
    „Ein israelischer Soldat wurde am Morgen bei einer Patrouillenfahrt auf israelischer Seite der Grenze durch einen Bombenanschlag getötet. Israelische Panzer feuerten daraufhin auf Häuser im Gazastreifen.“
    Oder die ZEIT, wo es heißt: „Trotz der Waffenruhe hat Israels Armee die palästinensischen Schmugglertunnel aus der Luft angegriffen.“

  13. Und heute die SZ: „Schon wieder hat Israel Ziele im Gaza-Streifen bombardiert. Die Armee reagierte damit auf einen neuen Raketenangriff – für den offenbar nicht die islamistische Hamas verantwortlich war.“ und: „Die Waffenruhe im Nahostkonflikt wird weiterhin von beiden Seiten gebrochen.“

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