Die Wahlen werden doch noch spannend


Lange Zeit sah es so aus, als koennten wir mit der Wahl am kommenden Dienstag keine Ueberraschungen erleben. Netanyahu wuerde Premierminister und zusammen mit Kadima und/oder Avoda eine Koalition bilden. Diese Gewissheit ist inzwischen erschuettert.

Die wilde Karte ist Lieberman mit seiner Partei „Israel Beiteinu“ (Israel ist unser Zuhause).

Eigentlich wurde die Partei als kraftvollere Variation zu Sharanskys „Israel b’Aliya“ (Wortspiel: Israel im Aufwind = Israel auf Einwanderung) gegruendet. Sie sollte der Million Einwanderer aus der ehemaligen Sovietunion politischen Einfluss sichern.

Weniger als 20 Jahre nach der grossen Einwanderungswelle hat sich dieser Ansatz erledigt. Die „Russen“ sind in Israels Gesellschaft integriert, die sich ihrerseits mit dem russischen Import arrangiert hat. Sharanskys Partei erhielt bei den Wahlen 2003 noch zwei Mandate und schloss sich dann dem Likud an. „Israel Beiteinu“ gelang es sich als Partei recths vom Likud zu etablieren und sich so aus der urspruenglichen Nische zu befreien.

Ich bin Lieberman einmal begegnet. Er war damals noch der Bueroleiter von Premierminister Netanyahu und besichtigte die Fabrik, wo ich damals arbeitete. Er hat einen Ruf als Macher. Ganz im Gegensatz zu Sharanksy, der seine Ideen in der Politik nicht umsetzen konnte, hat Lieberman kaum ernstzunehmende Ideen, betreibt das Tagesgeschaeft aber pragmatisch und effizient. Er gibt zwar jede Menge populistischen Bloedsinn von sich, hat aber meiner Kenntnis noch nicht versucht, tatsaechlich danach zu handeln.

Jetzt wird er umworben:
Gestern Bibi wants Barak, Lieberman in his government und Barak refuses to rule out joining coalition with Lieberman
Heute Livni: Lieberman viable gov’t partner

Auch Yaakov Lozowick macht sich Gedanken.

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6 Antworten

  1. Erfrischend immer diese neuen Parteien, lustig auch folgende Analyse (u.a. zum arabischen Wählerverahlten und Kollege Barak):
    http://www.taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/schwere-hypothek-gaza-streifen/

  2. Die gute Frau Knaul!

    es gehoert zum politischen Ritual in Israel, dass anti-zionistische, arabische Parteien immer wieder mal vom Knessethpanel einen Schlag auf die Finger bekommen. Man weiss ja, der Oberste Gerichtshof wird sie zulassen. Hier ist das Polittheater gut beschrieben

    In Deutschland fiele so etwas natuerlich unter den Radikalenerlass.

  3. Bin ja mal sehr gespannt, was die Wahlen so für ein Ergebnis bringen. Hoffe ihr kriegt irgendeine Mehrheit zusammen mit den 100000 Parteien. In Hessen waren ja schon 5 zuviel…

    PS: Nettes Interview mit dir, dass ich grade in der RE gelesen habe

  4. Ich habe nicht vor mich mit der israelischen Innenpolitik näher zu beschäftigen, war also wieder Dummfug, was in der TAZ stand, naja, ich habs ansatzweise geglaubt. Barak habe ichs zugetraut.

  5. […] Wenn Lieberman weiter so zulegt, dann wird er am Ende noch […]

  6. […] Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus […]

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