Kann Aufbauhilfe fuer den Gazastreifen an der Hamas vorbei geleistet werden?


In der Schweiz macht man sich Sorgen, dass Schweizer Hilfe fuer den Gazastreifen auch der Hamas zugute kommen koennte. (Hattip Urs Schmidlin) Ich erweitere die Fragestellung auf alle Hilfe im Gazastreifen.

Wenn man klar nachdenkt, dann sollte jedem einleuchten, dass Hamas notwendig von jeder Hilfe fuer den Gazastreifen profitiert. Hamas kontrolliert das Territorium und die Bevoelkerung des Gazastreifens. Jede Person, die sich auf diesem Territorium nicht nur einmalig und ganz kurz aufhaelt, kann unter Druck gesetzt werden. Hamas ist nachweislich alles andere als zimperlich in den Methoden, und nur wenige Menschen haben das Zeug zum Maertyrer und auch dann nur bei ganz persoenlichen und zentralen Prinzipien.

Die Schweizer Deza (Direktion für Zusammenarbeit und Entwicklung) nimmt in Anspruch, die Hilfsgueter bis zum Empfaenger hin zu verfolgen:

Die Hilfslieferungen werden laut Frisch über alle Stationen von Deza-Mitarbeitern beobachtet, bis zum Empfänger. «Das ist ein Wahnsinnsaufwand», sagt Frisch. Aber er sei politisch nötig. «Sonst kommt sofort der Vorwurf, die Hilfe gelange in die falschen Hände.»

Das klingt gut und ueberzeugend. Nur leider gehoeren noch ein paar andere Details zum Gesamtbild:

Die Deza habe ein Koordinationsbüro in Jerusalem sowie lokale Mitarbeiter im Gazastreifen selbst. «Diese Leute sind hoch engagiert und kennen die Tricks der Behörden.»

Die Deza erwartet allen Ernstes von Menschen, die im Gazastreifen vollkommen der Gewalt der Hamas ausgeliefert sind, dass sie sich gegen die Hamas durchsetzen?! Das waere selbst dann etwas zuviel verlangt, wenn man davon ausgehen koennte, dass es sich ausschliesslich um Personen handeln, die Hamas und ihre Ideologie ablehnen. Davon kann natuerlich ueberhaupt nicht die Rede sein. Im Gegenteil lese ich zwischen den Zeilen, dass die Deza-Mitarbeiter wohl von UNRWA-Mitarbeitern rekrutiert werden oder sehr eng mit ihnen zusammenarbeiten.

Und zu den Verflechtungen zwischen Hamas und UNRWA laesst sich einiges finden: Im Herbst 2004 gab Peter Hansen, Generalkommissar der UNRWA in einem Interview mit CBS zu:

I am sure that there are Hamas members on the UNRWA payroll and I don’t see that as a crime… we do not do political vetting and exclude people from one persuasion as against another.

Auch als Entgegnung auf die Vorwuerfe, die von James G. Lindsay (Rechtsberater der UNRWA von 2000 bis 2007) erhoben werden, gibt die UNRWA zu Protokoll:

In short UNRWA cannot police the beliefs of its staff, but its does strictly police their behaviour.

Mitgliedschaft in einer Terrororganisation ist offensichtlich kein Problem, solange der Mitarbeiter nicht dabei erwischt wird, in seiner UNRWA-Funktion auch Terrorgeschaefte zu betreiben. Daher kann es ohne weiteres vorkommen, dass der langjaehrige Direktor einer UNRWA-Schule gleichzeitig stellvertretender Kommandant des Islamischen Jihads ist. Das macht, er hat sauber zwischen seinen Aufgabenbereichen getrennt. Tagsueber war er Schuldirektor, die Bomben hat er nur nachts gebaut.

Auch der Innenminister der Hamas, Said Sayyam, arbeitete jahrelang als Lehrer an UNRWA Schulen. Da er zu den fruehen Hamasmitglieder gehoerte, koennen wir davon ausgehen, dass sich seine Lehrtaetigkeit und seine politische Karriere in Hamas ueberschnitten haben.

Kurz: Solange Hamas im Gazastreifen die Macht hat, kann keine Aufbauhilfe an ihr vorbei geleistet werden. Wer sich etwas anderes einredet, luegt sich selber etwas vor.

Natuerlich kann man das in Kauf nehmen, in der Hoffnung, dass eben doch etwas bei der notleidenen Bevoelkerung ankommt, wie Herr Reimann es tut. Ich wuerde aber doch die Frage stellen, ob es wirklich im besten Interesse der notleidenden Bevoelkerung ist, wenn die totalitaere Herrschaft der islamistischen Hamas ueber sie so verlaengert und gestuetzt wird…

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