Studie in Voreiligkeit und ungerechtfertigter Schaerfe (ich)


Nach einem Gespraech und reiflichem Nachdenken bin ich zur Einsicht gelangt, dass mein letzter Beitrag wahrscheinlich voreilig und ungerecht scharf war.

Man kann den Artikel Israel: Der Nebel über Gaza lichtet sich von Hans-Christian Rößler (hcr.) naemlich auch ganz anders lesen.

Die Metapher vom sich lichtenden Nebel vermittelt, dass das Bild, wie es sich waehrend der militaerischen Aktionen im Gazastreifen und unmittelbar danach dargestellt hat, weder klar und noch eindeutig war. Weil der erste Eindruck in der Weltoeffentlichkeit ringsum zur Verurteilung Israels fuehrte, kann es eigentlich nur positiv sein, wenn jemand versucht, sich einen zweiten Eindruck zu bilden.

Auch die Erfahrung, von der IDF hingehalten zu werden, ist wahrscheinlich authentisch. Aus israelischen Behoerden klare Informationen herauszulocken, ist immer wieder zermuerbend und nicht immer erfolgreich. Die Armee aber hat den Ruf, sozusagen die Behoerde an sich zu sein. Bis jetzt habe ich das persoenlich nur am Rand erlebt – mein Mann hat seine Angelegenheiten um den Miluim (Reservedienst) allein durchgestanden. Wenn mal die Maedchen eingezogen werden, kriege ich meinen Crashkurs. Wie ich schon schrieb, ist die IDF ausserdem durch die uebersteigerte Aufmerksamkeit der Weltoeffentlichkeit zur Akribie und Pendanterie gezwungen. Das macht das Leben eines Journalisten, der von der Armee etwas offiziell hoeren will, sicher noch muehsamer…

Ich habe Roessler unterstellt, er gehe davon aus, dass die Armee etwas zu verbergen habe. Und dann zitiere ich das Gegenbeispiel aus demselben Text. Inzwischen scheint mir einleuchtender, dass Roessler eben diese Einstellung bei seinen Lesern vermutet und sie durch seinen Bericht tendenziell widerlegt.

Was mir in seinem Text immer noch fehlt, ist ein Hinweis darauf, dass Hamaskaempfer sich nachweislich unter Zivilisten gemischt haben, so dass die Unterscheidung zwischen Kombattanten und Unbeteiligten schwieriger wurde. Die Zwischentitel aber macht die Redaktion und nicht der Journalist. Eigentlich weiss ich das, vergesse es aber immer wieder. Tatsaechlich hat die Redaktion inzwischen auch die Zwischentitel geaendert. Sie lauten jetzt:

Fachmann: „Klare Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Zielen“

Kritiker: „Keine Unterscheidung zwischen Kämpfern und Zivilisten“

Das ist auch aus meiner Sicht einwandfrei.

Zuletzt hatte ich mich beschwert, dass Roessler sich hinter „Alibiisraelis“ verstecke. Nun, er befindet sich in Jerusalem. Nichts ist natuerlicher, als dass er Israelis interviewt. Wuerde er nur Auslaender zu Wort kommen lassen, haette ich ihm wohl auch einen Strick daraus gedreht.

Ich bilde mir nicht ein, dass Herr Roessler nichts Besseres zu tun hat, als meinen kleinen Blog zu lesen. Falls er trotzdem drueber stolpern sollte, moechte ich bitten „Nichts fuer ungut!“ und vor allem erstmal „Baruch Haba (Willkommen) in Israel!“

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5 Antworten

  1. […] hat ihre Meinung hinsichtlich des Artikels von Rößler mittlerweise geändert und sich selbst “Voreiligkeit und ungerechtfertigte Schaerfe” vorgeworfen. Auch dieser Beitrag sei jedem Leser dringend ans Herz gelegt, um zu einem eigenen […]

  2. Das ist aber ein verdammt feiner Zug an Dir, dass Du die Größe hast zuzugeben, wenn Du glaubst, jemanden ungerecht behandelt zu haben. Zumal Du ja durchweg positive Kommentare geerntet hast. Ich selber – räusper – hätte diese Größe wahrscheinlich nicht.

  3. […] die Unwahrheit von sich gibt. (Beer7 hat den Schmierfinken seziert. Inzwischen hat sie es sich anders überlegt. Ich lasse das jetzt mal so stehen, jeder mache sich bitte selbst ein Bild, welche Möglichkeit […]

  4. […] hat. Bis auf wenige Ausnahmen macht Hans-Christian Rößler bislang einen passablen Job, was andernorts bereits früher erkannt wurde. Verglichen mit seinem unsäglichen Vorgänger Jörg Bremer, der in […]

  5. […] Rößler, FAZ – neulich hat Beer7 ihren negativen Eindruck des Herrn noch relativiert, jetzt outet er sich doch als Knallcharge: Israels Armee ist […]

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