Was man aus deutschen Medien nicht erfaehrt


Drei Institute der Universitaet Haifa haben gemeinsam zum Filmfestival eingeladen:
Perspektiven auf den Iran und iranische Kultur in Deutschland und Israel

Das Festival begann am Shabbatausgang, den 28. Maerz und dauert noch bis einschliesslich morgen, den 31. Maerz.

Ich konnte keinen einzigen Bericht in deutscher Sprache dazu finden, obwohl in frueheren Jahren sehr wohl von diesem und aehnlichen Festivals in Israel berichtet wurde. Dabei erhob der Eroeffnungsredner
Dr. Mehdi Haeri Khorshidi unerwartet scharfe Vorwuerfe gegenueber Deutschland. Der deutsche Botschafter, Dr. Harald Kindermann, war offensichtlich anwesend und fuehlte sich genoetigt, das Wort zu ergreifen.

Und das ist niemandem eine Meldung wert?!

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7 Antworten

  1. Vielleicht ist es ja ganz gut, dass nicht darüber berichtet wird – sonst würden wegen der kritischen Worte die Giftstifte hier wieder Überstunden machen. 😦

  2. Nur die israelische Botschaft hat einen Artikel der Haaretz ins deutsche übersetzt:

    Früherer iranischer Justizminister kritisiert deutsche Iran-Politik

    Ayatollah Mehdi Haeri Khorshidi hat schwere Vorwürfe gegen Deutschlands Haltung in der Iran-Frage erhoben. Deutschland habe sein Handelsvolumen mit dem Iran gesteigert und sei sowohl dessen Atomprogramm als auch der Menschenrechtsfrage ausgewichen.

    Der frühere Justizminister in der ersten Regierung Ayatollah Ruchola Khomeinis bemerkte in seiner Rede auf der internationalen Konferenz „Looking at Iran“, die am Sonntag in Haifa stattfand: „Deutschland zieht seine wirtschaftlichen Interessen im Iran vor und bevorzugt Milliarden-Dollar-Geschäfte anstatt den erforderlichen Druck zur Einstellung des iranischen Atomprogramms auszuüben.“

    Khorshidi war unter Khomeini wegen seiner Kritik an dem Mullah-Regime verhaftet worden und saß fünf Jahre im Gefängnis. 1986 gelang ihm die Flucht, und er fand Asyl in Deutschland. 2003 siedelte er in die USA über.

    Der Exil-Iraner weitete seine Kritik an Deutschland auch auf die Europäische Union aus, die ihre Macht nicht dazu nutze, dem iranischen Atomprogramm Einhalt zu gebieten und damit einen zerstörerischen Krieg im Nahen Osten zu verhindern. „Iran ist von Europa nicht weniger abhängig als Europa vom Iran“, meinte er.

    (Haaretz, 28.03.09)

  3. Aber, liebe Ruth, was erwartest Du denn? Das ist doch peinlich, wenn man mit solchen Reden konfrontiert wird. Das ganze Geschwätz über die b.V.D.f.I. würde doch als Seifenblase entlarvt. Dann lieber ganz still sein und so tun, als hätte man es nicht gehört.

    Andere Frage: Ist der Mann denn wirklich Ayatollah? Es sind viele Minister aus den frühen Regieungen der islamischen Revolution im Gefängsnis oder am Galgen gelandet, aber für die schiitischen Kleriker untereinander gilt eigentlich immer noch, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.

  4. Manfred,

    ich war leider nicht Haifa, so dass ich mir keinen persoenlichen Eindruck bilden konnte.

    Ob das wirklich so zutrifft, dass das iranische Regime sich auf die ueberwiegende Mehrheit der schiitischen Kleriker stuetzen kann? Nach diesem Vortrag desselben Dr. Haeri 1997 vor dem US-Kongress muesste man differenzieren:

    (…)

    Two months after the collapse of the monarchy, a large group of ayatollahs with the leadership of Grand Ayatollah Shariatmadari, Ayatollah Qomi, Ayatollah Nadjafi Marashi, Ayatollah Khonsari and Ayatollah Sadeq Rohani distanced themselves from Ayatollah Khomaini, who intended to create an Islamic Government.

    They said: „according to Shi’a beliefs an Islamic government is only possible with the permission of the 12th Imam who has been absent since the 10th century. Shi’as must submit to secular government until his return.

    This belief has been respected for a thousand years.“

    The other major disagreement was the question of „Velayat Faqih“ (the government of Islamic Jurists) , according to the Shi’a leaders who believe in the separation of church and state, Velaya Faqih has no basis or foundation in Islam.

    During Ayatollah Khomaini’s era, opposing Ayatollahs (Grand Ayatollah Shariatmadari, Ayatollah Tabatabaee, Ayatollah Qomi and Ayatollah Rohani) were under house arrest, were not allowed to lead sermons, teach their classes, have visitors or leave the country. Their suffering became more serious after Ayatollah Khamaini passed away and was replaced by Khamenehi, who was of lower rank in the Shi’a hierarchy.

    There are currently six Ayatollahs in Iran who believe in the separation of church and state, each of whom are considered „Sources of Emulation“ by several million followers. About 400,000 seminarians‘ livelihood (income) depends on these Ayatollahs.

    (…)

    Natuerlich hatte Dr. Haeri ein klares Interesse daran, die Breite der iranischen Opposition zu uebertreiben, aber vielleicht sollte man trotzdem nicht alle „Kraehen“ mit demselben Pinsel malen.

  5. Frueher in Deutschland vor einigen Jahren habe ich bei Siemens einen Exil-Iraner kennengelernt, der schon zur Zeit des Schahs ins Ausland ging, spaeter recht optimistisch zuerueck ging und dann nach zwei Verhaftungen lieber wieder ins Ausland ist. Er ist mein Freund geworden und wie haben viel Zeit in den Alpen verbracht und auch einige Filme angesehen. Damals war jeder Film aus dem Iran der im Ausland gezeigt wurde politisch, aber seine Aussagen schwer codifiziert, um an der Zensur vorbei zu kommen. Ich weiss leider nicht, wie es heute ist, aber vor einigen Jahren waren Filmemacher auf Parabeln und Allegorien angewiesen, um ueberhaupt eine gesellschaftlich relevante Botschaft in den Filmen unterzubringen. Erinnern kann ich mich noch gut an „Taam e Giulas“ (‚Der Geschmack der Kirsche‘ – http://www.imdb.com/title/tt0120265/) von Abbas Kiarostami, der den Anspruch hatte ein damaliges Spiegelbild der Gesellschaft zu zeigen. In Cannes konnte der Film nur nach grossen Mühen gezeigt werden.

  6. […] anders aus. Wärend der Rede von Dr. Khorshidi ist wohl auch der Deutsche Botschafter in Israel, Dr. Harald Kindermann, anwesend gewesen, der sich angesichts der Vorwürfe zu Wort gemeldet haben […]

  7. […] deutschen Beziehungen zum Iran wurden am Sonntag in Haifa auf einer internationalen Konferenz in Haifa öffentlich heftig kritisiert. Der anwesende deutsche Botschafter fühlte sich genötigt […]

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