Das Maedchen und der Tod


Als wir gestern von unserem Picknick nach Hause fuhren, hoerten wir in den Verkehrsnachrichten, dass die Kreuzung Shoket (ca. 10 km noerdlich von unserem Haus) in alle Richtungen gesperrt sei. Von einem Autounfall war nicht die Rede. Ich murmelte halblaut zu meinem Mann, was da wohl los sei. Die Beobachtung, dass auffallend viele Streifenwagen unterwegs waren, machte ich ueberhaupt nicht laut. Schliesslich sassen die Maedchen hinten im Auto und ich wollte nicht, dass sie erschrecken.

Vorher am Picknicktisch waren wir Nachbarn einer zahlreichen Sippe, wahrscheinlich Beduinen aus Rahat. Die Grosse hatte ihr Buch vor der Nase und interessierte sich fuer nichts. Die Kleine dagegen stand halb hinter einem Baum und beobachtete die Kinder fasziniert. Ein kleines Maedchen erwiderte ihr Interesse und schaute auch die ganze Zeit zu ihr. Aber sie trauten sich nicht, miteinander zu sprechen, obwohl ich dazu animierte, z.B. hoerbar der Kleinen sagte, Shalom hiesse auf Arabisch Salam. Beim Wasserhahn hatte ich versucht, Kontakt herzustellen, indem ich gruesste. Aber das wurde nicht erwidert. Mein Mann blickte mit zusammengebissenen Zaehnen auf den Nachbartisch und bestand darauf, dass wir bald nach Hause fuhren. Zum Abschied winkte ich noch dem kleinen Maedchen, aber auch das blieb unerwidert.

Houra ist eine von sieben anerkannten Beduinenstaedte im Negev und liegt auf der Strecke Beer Sheva Arad, in der Naehe von Shoket. Ich bin einmal durchgefahren und fand sie ganz passabel. Zwar wird der oeffentliche Raum nicht gepflegt (keine Parks, kaum Buergersteige, Abfall auf den Strassen), wie es anscheinend fuer arabische Siedlungen typisch ist, aber die Haeuser selber machen einen guten Eindruck, anderswo wuerde man sie geraeumige Villen nennen. Da hier aber die Grossfamilien zusammenleben, wird es so geraeumig nicht sein. Aber Wellblechhuetten oder aehnliches, was an Slums erinnern wuerde, habe ich nicht gesehen. Dazu passt, dass das Maedchen aus einer stabilen Familie kam und in der Schule gut war. Houra lag gerade ausserhalb der Raketenreichweite waehrend der Militaeraktion „Gegossenes Blei“:

„It’s raining enemy missiles,“ she wrote, „And I can hear the screams of Gaza echo in my ears. I have a profound wish to die for Palestine; I have a profound wish to die for Gaza.“ Other entries include her expressing her wish to „hurt police officers and the enemy,“ and according the officer Didi’s testimony, documents indicating the family’s affiliation with Hamas were also found in the house.

(Hervorhebung von mir)

16 ist ein schwieriges Alter. Warum wollte dieses Maedchen kein Popstar werden oder den Schoenheitswettbewerb gewinnen, sondern Maertyrerin werden, indem sie israelische Polizisten toetete? Ich glaube nicht, dass sie ganz allein handelte. Konnte sie einfach so an eine Waffe und Munition kommen? Wer hat mit ihr Schiessen geuebt?

Ein weiteres Kindesopfer und nein, nicht Israel ist fuer ihren Tod veranwortlich.

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