Vermischtes – von und um Pessach


Am letzen Mittwochmorgen bin ich ganz frueh aufgestanden, um an der Birkat HaChama teilzunehmen. Schon kurz vor 5 war ich auf dem Rathausplatz, wo jede Menge Plastikstuehle in oestlicher Ausrichtung bereitstanden. Eine andere Frau war auch so uebereifrig und gemeinsam setzten wir uns in die Frauenabteilung, die wie immer bei solchen Veranstaltungen zu klein angelegt war. Tatsaechlich begannen die Gebete erst etwas nach halb sechs und den spezielle Segen sagten wir erst gegen 7 Uhr, als die Sonne schon deutlich sichtbar am Himmel stand. Es war ein besonderes Erlebnis.

Danach fuhr ich schnell nach Hause, die letzten Taschen mussten gepackt, das letzte Fruehstueck mit Chametz gegessen und danach die Kueche noch einmal aufgewischt werden. Dann waren wir unterwegs nach Norden zu der Schwiegerfamilie. Einerseits wollten wir frueh genug fahren, um den ueblichen Stau zu vermeiden, andererseits war uns auch klar, dass die Schwiegermutter uns nicht zwischen den Beinen haben will, waehrend sie die letzten Vorbereitungen zum Sederabend trifft. Wir machten Halt beim Nachal Alexander und wanderten ein wenig am Strand entlang. Dann kehrten wir noch beim Maxim ein, um eine Kleinigkeit zu essen. Den Kindern sagte der Name des Restaurants nichts. Uns schon. Sieben Jahre nach dem Anschlag ist ein weiteres Opfer seinen schweren Verletzungen erlegen. (Irrtum meinerseits, Shimon Shiran war ein Opfer des Anschlags auf das Restaurant Matza, nicht Maxim in Haifa. Seine Tochter wurde bei demselben Anschlag ermordet.)

Ich konnte mich noch ein wenig hinlegen, bevor es Zeit fuer das Beit Knesseth wurde. Eine nette Frau half mir, im Machsor die richtige Stelle zu finden. Mein Schwiegervater betet in der Synagoge einer indischen Gemeinde und die Melodien sind so anders als die in unserer (ashkenasischen) Gemeinde, dass ich damit Schwierigkeiten habe.

Der Sederabend war sehr harmonisch und schoen. Weil bei meinen Schwiegerelten der Afikoman weder versteckt noch gefunden wird, bereite die Kleine aus eigener Initiative ein Spiel vor, das sie mit ihren Cousins veranstalten wollte. Sie packte aber nur das Hauptgeschenk ein, die anderen Mitspieler bekamen eine eigens fuer sie ausgesuchte Kleinigkeit als Trostpreis. Alle waren sehr vergnuegter Dinge.

Fruehling im noerdlichen Israel ist unbeschreiblich schoen, wir wanderten im Carmelwald. Das erste Mal gelang es mir, die Familie auf wunderschoenen, aber nicht markierten Pfaden wieder zum Auto zurueckzubringen. Das zweite Mal gelang mir das zwar auch, aber dazu mussten wir ein Stueck durch dorniges Unterholz kriechen. Vor allem mein rechter Arm zeigt die Kratzspuren, so dass ich bis auf weiteres besser langaermlig herumlaufe. In Ein Hod waren wir auch und die Maedchen und ich genossen die Atmosphaere und die Anregungen im Maabada (Labor) Dada.

Am Shabbatausgang musste ich dann auf den Zug, die Maedchen und mein Mann koennen noch im Norden bleiben. Natuerlich war er ueberfuellt mit all den Soldaten, die zu ihren Basen zurueckmussten. Ich sass eingeklemmt in einer Gruppe von Offiziersanwaertern der Luftwaffe, drei hellhaeutigen und zwei aethiopischen jungen Maennern. Ab Kiriat Gat hoerte ich immer lauter deutsche Gespraechsfetzen. Ich kaempfte mich zum Ausgang durch, um den Bahnhof Beer Sheva Nord nicht zu verpassen und da waren sie; zwei deutsche Jungs ein Maedchen und ein orientalisch wirkender Junge mit einer grossen weissen Kippa. Sie redeten sehr laut und schubsten sich hin und her. Das war fuer die Umstehenden nicht lustig. Der Zug war so gedraengt voll, dass jeder Schubser wie bei fallenden Dominos zu einem sich fortpflanzenden Rempeln fuehrte. Ich rief schliesslich aus voller Brust auf Deutsch: „Leute, es reicht!“ fuhr aber auf Hebraeisch fort, dass der Ort nicht fuer solche Spielchen passe. Mein kurzer Satz reichte offensichtlich nicht aus, dass mich die Betreffenden im Gedraenge identifizieren konnten. Sie waren verbluefft, aber alles andere als einsichtig und machten ueble Bemerkungen mit Stichwoerten wie „Auschwitz“ und „Saeuberung“, die auch andere Mitreisende verstehen und einordnen konnten. Die schweigende Missbilligung, die ihnen entgegenschlug, schien den jungen Leuten aber Spass zu machen.

Zuhause erwartete mich das Katerchen und wollte gleich sein besseres Futter bekommen (Trockenfutter hatte er noch reichlich), aber ich musste heute morgen erst eine Dose (kosher fuer Pessach) besorgen. Heute bin ich dann mit dem Fahrrad ins Buero gefahren, was mir viel Spass machte. Mal schauen, ob es auf dem Rueckweg auch so ist, wenn ich den Berg hinauf muss…

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Eine Antwort

  1. http://botschaftneukoelln.wordpress.com/2009/04/11/freiheit-die-ich-meine/

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