Vor dem Sturm


Newt Gingrich moechte sich als naechster Praesidentschaftskandidat der Republikaner empfehlen. Er hat ein klares Interesse, vor der AIPAC nicht mit Kritik an Obamas Nahostpolitik zu sparen. Allerdings darf er auch nicht allzu sehr uebertreiben, unnoetige Panikmache wird nirgends geschaetzt. Gingrich ist ein alter Hase und kennt das politische Geschaeft wesentlich laenger und besser, als ich es von der Zuschauertribuene aus lernen kann.

Seine Einschaetzung:

„They [Die Obamaregierung; RB] are systematically setting up the most decisive confrontation that we’ve ever seen,“ the leading Republican politician told The Jerusalem Post, referring to news reports about the administration’s approach to the Israeli-Palestinian conflict.

„There’s almost an eagerness to take on the Israeli government to make a point with the Arab world,“ he said, speaking to the Post ahead of his speech before the American Israel Public Affairs Committee’s annual conference.

kann ich daher nicht einfach mit einem Schulterzucken abtun.

Gleichzeitig erleben wir, dass Obamas Chef des Weissen Hauses, Rahm Emanual, Israel droht:

This president is going to act firmly and decisively to achieve durable peace, he said, adding that this was the moment of truth in the process. This is Israel’s moment of truth and the Palestinians‘ moment of truth and the moment of truth of all the region’s nations, he said.

The White House chief of staff clarified that the foundation for an agreement between the two sides must be security for Israel and a sovereign state for the Palestinians. The US is committed to the two-state process, he said, adding that this was the only solutions.

All sides must meet their commitments, as difficult as they may be, he noted.

Wie koennen wir uns die verschiedenen Pflichten vorstellen?

  • Israel soll wahrscheinlich die Siedlungen in der Westbank raeumen und sich von dort zurueckziehen.
  • Die PA unter Abbas soll wahrscheinlich offiziell verlautbaren, dass sie mit Israel in Frieden leben wird.
  • Die arabischen Staaten sollen aehnliche Verlautbarungen von sich geben.
  • Das erste Problem liegt darin, dass die Uebergabe von Territorien ein greifbares und messbares Zugestaendnis ist, waehrend Worte – auch wenn sie offiziell verkuendet werden – billig sind und als erlaubte Taeuschung des Feinds zurueckgenommen werden koennen, wie es Arafat seit Beginn des Osloprozesses hielt.

    Das groesste Problem aber ist Hamas. Dazu hat Emanuel Folgendes zu sagen:

    According to Emanuel, the US expects Hamas to accept the international Quartet’s principles – recognizing Israel and past agreements and renouncing terror.

    Diese Forderungen wurden seit Januar 2006 an die Hamas gerichtet, auch von der EU, bisher konnte kein Einlenken beobachtet werden. Warum sollte Hamas jetzt den Erwartungen entsprechen? Und was passiert, wenn sie es nicht tut?

    If Hamas fails to do so, he said, it will have no seat beside the negotiating table.

    Das ist eine markerschuetternde Drohung! Wenn Hamas weiter auf seiner erklaerten Absicht besteht, Israel zu vernichten und dabei auch Terror einzusetzen, dann wird das oben skizzierte Szenario einfach ohne Hamasvertreter abgespielt. Die koennen sich erfreut zuruecklehnen, sind dispensiert davon, auch nur verbale Zugestaendnisse zu machen und anschliessend bestens positioniert, die Westbank in einem Putsch oder durch Wahlen oder auch eine Kombination von beidem zu uebernehmen. Wodurch der Iran eine neue Front dicht an Israels Bevoelkerungszentren eroeffnet haette.

    Wenn die arabischen Staaten erkennen, dass sie auf das falsche Pferd gesetzt haben und Iran der neue Hegemon im Nahen Osten ist, sind auch ihre Erklaerungen nichts mehr wert, ihre Souveraenitaet besteht nur noch nominell. Wie das aussehen kann, hat sich Ari Shavit in Ha’aretz ausgemalt:

    The first signs that something was wrong had already appeared at the end of that first year of grace. Nevertheless, Washington was astounded when, in the summer of 2010, Iranian President Mahmoud Ahmadinejad announced that he was expelling international inspectors and galloping full-tilt toward the production of nuclear weapons. The shock turned to horror on the eve of Christmas 2010, when Iran’s spiritual leader, Ali Khamenei, stated that his country had its first three nuclear warheads – aimed at Riyadh, Cairo and Tel Aviv.

    Spring 2011 was dramatic. First a mutual defense treaty and an agreement to collaborate on oil exports were signed between Tehran and the fragile Baghdad government. Then Kuwait, Qatar, Abu Dhabi and Dubai bowed their heads and signed treaties that made them protectorates of the rising Shi’ite state. Saudi Arabia took the opposite approach: In May 2011, it announced that it had purchased nuclear weapons from Pakistan both for itself and for its ally Egypt. But Egypt’s sudden nuclearization failed to appease the Muslim Brotherhood. Mass demonstrations forced President Hosni Mubarak to resign shortly after he suspended the peace agreement with Israel.

    By Thanksgiving 2011, the situation was clear. Jordan’s King Abdullah left for exile in London. Hezbollah took control of Beirut and a bloody war of attrition erupted between Israel and the Palestinians. The unrest in western Asia had repercussions on the rest of the international arena: Afghanistan went up in flames, Pakistan collapsed and Russia raised its head. In view of Washington’s helplessness, some European states began to lean increasingly toward China. When the price of oil rose above $200 a barrel, the American economy plunged into another deep recession.

    (…)

    Yesterday, immediately after television networks announced the sweeping Republican victory of November 2012, close friends gathered around the outgoing president. They found him sad but sober. Obama had no doubts: Had he known at the beginning of his term what he knows now, he would have made a different strategic decision about Iran’s nuclear program. If only it were possible to go back, the pensive president told his humbled chief of staff, Rahm Emanuel. If only he could have made a different decision in the summer of 2009.

    Im Gegensatz zu meinem Mann kann ich mir nicht vorstellen, dass Israels Regierung unter Netanyahu es soweit kommen lassen wird. Ich erwarte daher in den naechsten 12 Monaten einen israelischen Schlag gegen den Iran.

    4 Antworten

    1. „Had he known at the beginning of his term what he knows now, he would have made a different strategic decision about Iran’s nuclear program.“ – Das ist aber sehr freundlich von Obama gedacht. Ich kann mir nicht helfen – ich halte den Kerl für einen Verräter!

    2. Soweit bin ich noch nicht, Manfred. Mir scheint, Obama ist so unreif und oberflaechlich, dass er all den Bloedsinn tatsaechlich glaubt.

      Natuerlich denkt Shavit gut von Obama, er ist schliesslich auch ein Linker.

    3. Beer7,

      Aber nicht nur der Iran spricht deutliche Worte.
      Die Taliban erstarken auch wieder in Pakistan und Afghanistan.
      Was man von ihrem Wort halten kann, sieht man an ihrem Versuch einer Ausdehnung ihrer Macht über das Swat Tal hinaus.
      Pakistan ist ja bereits Atommacht.

      Warum glaubt man , wenn man das immense Problem mit dem Talibanterror partout nicht in den Griff bekommt, dass man ausgerechnet noch den Iran und seine Hegemonialansprüche als angestrebte Atommacht noch mit tragen kann?

      Ist durch Obama’s Politik Israel nicht jetzt schon wesentlich isolierter als je zuvor?
      Das der Deal Zweistaatenlösung gegen eine Duldung eines Schlages gegen Iran faul ist, können die Politiker doch darin sehen, was bei mündlichen Zusagen von islamistischen Terroristen in der Vergangenheit heraus kam.
      Obama aber auch Europa, wenn es weiter schweigt, gefährdet mit dieser Politik doch nicht nur Israels Freiheit sondern die der westl. Welt im allgemeinen ebenso.
      Glaubst du, dass Peres und Netanjahu, da mit ihren Besuchen etwas ausrichten können?

    4. Carl,

      ich habe leider keine Insiderinformationen vom Weissen Haus. Wie Barry Rubin zeigt, ergibt auch eine Analyse des State Departments, dass Friede, Freude, Eierkuchen zwischen USA und Iran eine Illusion ist, ganz egal, wie oft Obama von „Respekt“, „Dialog“ und ausgestreckten Haenden redet.

      In den ersten drei Monaten der Obamaamtszeit kann ich nicht erkennen, dass Israel bereits isolierter sei als vorher. Derzeit ist der Antisemitismus weltweit wieder am Steigen und die Medienberichterstattung zuletzt waehrend der Militaeraktion im Gazastreifen heizt ihn an und rechtfertigt ihn.

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