Besorgte US-Verbuendete denken ueber Atomwaffen nach


Nordkorea bedroht vor allem Suedkorea, Taiwan und Japan.

Noch im Januar 2007 – im Herbst 2006 war das Atomwaffenprogramm Nordkorea durch entsprechende Tests unuebersehbar geworden – schrieb Christopher W. Hughes in seiner wissenschaftlichen Analyse:

Even in the event of an unstoppable North Korean nuclear program, none of the four principal of nuclear proliferation are sufficien or confluent enough to shift Japan, South Korea, or Taiwan toward active nuclear weapons programs:

  • National security ~ The national security dilemmas vis-a-vis North Korea are not yet strong enough; Japan and South Korea still see opportunities for diplomatic engagement and  conventional deterrence; and – most crucially – Japan, South Korea, and Taiwan do not yet fear sufficiently the alliance dilemmas of U.S. entrapment or abandonment.

Das hat sich inzwischen geaendert. Als Nordkorea am 4. April eine Langstreckenrakete Richtung Japan abfeuerte, unternahm die Obamaregierung nicht nur nichts, sondern verzichtete auf ihr bestes Radarsystem und die dadurch moegliche Beobachtung und Analyse des Raketenabschusses.

One current and two former specialists in strategic defenses said the administration rejected the request because it feared that moving the huge floating radar system would be viewed by North Korea as provocative and upset diplomatic efforts aimed at restarting six-nation nuclear talks.

Die UN brachte keine Verurteilung zustande, sondern empfahl bilaterale Gespraeche zwischen den USA und Nordkorea und uebernahm damit eine Forderung Nordkoreas.

Wie Wolfgang K. H. Panofsky im Bulletin of Atomic Scientists festhaelt, war Japan bereits 2007 eine latente Atommacht. Nicht Knowhow oder technische Anlagen fehlten, sondern der politische Wille, Atommacht zu sein. Das koennte sich inzwischen geaendert haben.

Lange Zeit waren auch Saudiarabien, Aegypten und die Tuerkei nicht wirklich daran interessiert, Atommaechte zu werden. (Das Gefuehl, durch ein aggressives Israel mit mutmasslichen Atomwaffen bedroht zu sein, kann nicht besonders stark gewesen sein, nur so am Rand.) Zwar fanden diverse Tests in einem aegyptischen Programm in den 70er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts statt. Aber erst 2004/2005 erneuerte Aegypten die Aktivitaet. 2007 sah das im Nahen Osten dann deutlich anders aus. Offensichtlich hatte die USA im Nahen Osten von vornherein einen weniger guten Ruf als verlaessliche Schutzmacht als im Fernen Osten.

Gestern hat die IAEA in Aegypten Spuren von waffentauglichem Uran gefunden.

Obamas Traum einer Welt ohne Atomwaffen fuehrt geradewegs in den Alptraum einer Welt mit einer Vielzahl von Laendern mit Atomwaffen, darunter auch Diktaturen.

Mubarak ist ein rationaler Politiker, aber er ist 81 Jahre alt und niemand kann garantieren, dass die Machtuebergabe an seinen Sohn Gamal glatt vonstatten geht. Die staerkste politische Kraft in Aegypten ist derzeit die Muslimbruderschaft, die Muttergesellschaft des sunnitischen Islamismus. Genau die richtigen Leute, um verantwortungsbewusst mit Nuklearwaffen umzugehen!

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9 Antworten

  1. Historie der Republikaner-Herrschaft:
    Nordkorea stieg zur Atommacht auf und wurde dafür von den Republikanern mit kostenlosem Öl und Nahrungsmitteln großzügig belohnt.
    Iran stieg zur Regionalmacht am Arabischen Golf auf, indem es das Machtvakuum füllte, das die Republikaner mit ihrer Inkompetenz in Irak und Afghanistan schufen.
    Zu niedrige Zinsen, Deregulierung, Steuergeschenke und Sozialismus für Reiche lassen die Leitwährung USD wanken, weshalb die USA wohl in naher Zukunft ihre Militärausgaben zurückschrauben werden müssen.
    Schlußfolgerung: Israel sollte sich besser nach weiteren Bündnispartnern umsehen. Z.B. braucht China ein Standbein im Nahen Osten.

  2. Der Oeldeal mit Nordkorea wurde von Clinton abgeschlossen. Selbst die Washington Post kann trotz ihrer demokratischen Vorliebe den Punkt nicht leugnen, sondern nur mit Komplexitaet argumentieren.

    Die Banken wurden unter Clinton angewiesen, die Huerden fuer wenig kreditwuerdige Kandidaten zu senken.

    Und fuer die staendigen Zinssenkungen zeichnete Alan Greenspan und das nicht erst seit George W. Bushs Amtsantritt.

    Aber sonst hast Du natuerlich vollkommen Recht!

  3. Bzgl. Nordkorea:
    Im Jahre 2007 erhielt Nordkorea ohne wirkliche Gegenleistung 1.000.000 Tonnen Schweröl von USA, Russland, Südkorea und China. Mit den früheren von Clinton zugesagten Lieferungen hatte dies nichts zu tun. Genauso wie Clinton hat Bush mit diesem und anderen Geschenken an Nordkorea nullkommanull erreicht.
    Nachzulesen hier: http://epu.fdog.org/2009/02/nordkorea-und-die-westliche-diplomatie

    Bzgl. Subprime:
    Zweifellos hat die Finanzkrise viele Väter und Mütter. Clintons Drängen auf laxe Subprime-Kredite hat einen kleinen Beitrag dazu geleistet. Subprime war jedoch am Ende der Amtszeit Clintons nur eine kleine Nische im Kreditmarkt. Viel zu hohe Kreditrisiken mit Subprime und anderen Produkten sind Fannie Mae, Freddie Mac und viele andere Finanzinstitute aber erst während der Republikaner-Herrschaft eingegangen.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Subprime

    Bush mußte Fannie Mae und Freddie Mac vor dem Bankrott retten, da Chinas Dollar-Reservern zu 20% aus Bonds der beiden Institute bestehen. Wenn diese wertlos verfallen wären, hätte China sofort aufgehört die Ausgabenfreude der Republikaner mit Krediten fremdzufinanzieren. Die anderen insolventen Finanzinstitute mußten von Bush und Obama gerettet werden, da bei einem Bankrott der Zahlungsverkehr und der Handel stark beeinträchtigt worden wären. Der internationale Handel basiert auf sogenannten Akkreditiven (letter of credit), die wiederum auf dem Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der ausstellenden Banken basieren.

    In diese komfortable Rolle konnten sich die Finanzinstitute manöverieren, da sie seit der Aufhebung Glass-Steagall Act die systemkritische Niedrigrisiko-Geschäfte mit nicht-systemkritischen Hochrisiko-Geschäften mischen konnten. Besagter Glass-Steagall Act wurde auf Betreiben der Republikaner 1999 aufgehoben. Leider stimmten auch einige Demokraten mit der großen republikanischen Mehrheit im Kongreß, so daß eine Zweidrittelmehrheit zustandekam. Daher hätte ein Veto von Präsident Clinton nur symbolischen Charakter gehabt.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act

    Schlußfolgerung: Die Finanzkrise ist ein Produkt der Republikaner.

  4. Danke fuer die Ausfuehrungen. Nur Dein Schlussatz passt nicht ganz.

  5. Die Finanzspritze für Fannie Mae wird nicht die letzte sein, die einem Finanzinstitut zugekommen wird, denn das Deleveraging wird mit minderer Intensität weitergehen. Seit etwa einem Jahr deleveragen private Haushalte und der Finanzsektor, wobei deren Leverage vom Staat übernommen wird. Damit ist das Problem aber nur verschoben und wird daher andauern.

    Sowohl Demokraten als auch Republikaner haben Spenden von Freddie Mac und Fannie Mac angenommen, wobei Demokraten empfänglicher waren als Republikaner. Diese beiden Institutionen sind aber nur ein Teil des US Finanzsektors. Dieser Finanzsektor war am Ende der Präsidentschaft von Bush/Cheney und der republikanischen Mehrheit im Kongreß von 1995 bis Ende 2006 insolvent und der Staat hatte keine andere Wahl mit gigantischen Finanzspritzen und Garantien einzugreifen. Der Westen wird noch lange in der Schuld der Republikaner stehen.

  6. Einerseits kennst Du Dich mit der Materie gut aus. Andererseits willst Du partout den Gentest gemacht haben und die Republikaner als Vaeter entlarvt haben. Das passt irgendwie nicht recht zusammen. Identifizierst Du Dich mit den Demokraten?

  7. Da ich die Republikaner und ihre Ideologien für total gescheitert halte, setze ich meine Hoffnungen auf die Demokraten. Allerdings bin ich besorgt, da sie die Fehler des gescheiterten Unternehmers Bush fortsetzen. Zum Beispiel sollten sie die Banken verstaatlichen, mit Steuergeldern refinanzieren und dann in kleineren Einheiten wieder zu reprivatisieren. Diese können dann ggfs. bankrott gehen ohne das Finanzsystem in den Abgrund zu reißen. Stattdessen setzen die Demokraten die teure und inkonsequente Halbverstaatlichung durch FDIC, FED und verschiedene Bailout-Programme fort, mit der schon Bush an dem Problem schlingernd herumgedoktert hat. Dies könnte sich zu einem Faß ohne Boden entwickeln. Ich hoffe, daß sich meine Befürchtungen nicht bewahrheiten.

  8. Was ich noch hinzufügen möchte:
    Ich kann es kaum fassen, wie Iran als Folge der republikanischen Politik erstens zur Regionalmacht aufgestiegen ist, und zweitens kaum Handlungsspielraum für ein militärisches Vorgehen der USA gegen das iranische Atombombenprogramm besteht. Zum Beispiel würden wohl einige der mit den USA verbündeten arabischen Autokraten stürzen.

    Bei einem israelischen Vorgehen gegen das Atombombenprogramm wäre der politische Preis für die USA und ihre arabischen Verbündeten viel niedriger, vorausgesetzt die USA distanzieren sich von Israel und „bestrafen“ Israel symbolisch nach der Aktion, so wie Ronald Reagan nach der Zerstörung des Osirak Reaktors die Lieferung von F-16 vorübergehend aussetzte.

    Genau diese Distanziierung der USA von Israel scheint Obama gerade zu betreiben. Das ist bitter, aber realisitischerweise haben die USA heute viel weniger Handlungsspielraum als vor acht Jahren.

  9. Deine Sichtweise klingt geradezu troestlich. Hoffentlich hast Du Recht.

    Ich fuerchte aber, dass Obama tatsaechlich auch die Wirtschaft unter seine Kontrolle bringen will und gar nicht daran denkt, Banken wieder aus der Verstaatlichung zu entlassen. Warum duerfen Unternehmen die TARP-Gelder nur mit Genehmigung zurueckzahlen und bis jetzt wurde meinen Wissens keine Genehmigung erteilt?

    Auch was Israel und die muslimischen Staaten angeht, habe ich den Eindruck, dass Obama weniger durch praktische politische Ueberlegungen geleitet wird, sondern durch Ideologie.

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