Avigdor Lieberman – Rassist?


In deutschen Medien und deutschen Koepfen wurde Avigdor Lieberman laengst als Rassist gebrandmarkt.

Ich bin in dieser Diskussion gerade mal wieder darueber gestolpert, daher moechte ich die These mal ein bisschen genauer unter der Lupe nehmen.

Hier ist der Eintrag in der deutschen Wikipedia zu Abigdor Lieberman.

Insgesamt verweist der Artikel auf 34 verschiedenene Quellen. (Die Uebersetzung von Akiva Eldars Text im Standard rechne ich nicht als getrennte Quelle.)

Count of Medium Staat
Medium Aegypten Deutschland Israel Oesterreich Schweiz USA Grand Total
al-Ahram 1 1
AntiWar 1 1
ARD 4 4
CS Monitor 1 1
FAZ 1 1
Ha’aretz 14 14
Jpost 2 2
Junge Welt 1 1
MERP 1 1
Netzzeitung 1 1
NZZ 1 1
Schaffhauser Nachrichten 1 1
Spiegel 2 2
Standard 1 1
Yedioth Ahronot 1 1
ZEIT 1 1
Grand Total 1 10 17 1 2 3 34

Keine einzige Quelle ist eine Aeusserung von Avigodor Lieberman selber, alle Quellen schreiben nur ueber ihn.

Nur die Haelfte der Quellen stammt aus Israel.

Mindestens Al-Ahram, Junge Welt, AntiWar und MREP muessen als feindselig gegenueber Israel eingestuft werden.

Von den 17 israelischen Quellen stammen 14 (82%) von Ha’aretz. Die Zeitung positioniert sich selber links im israelischen Medienspektrum, daher ist zu erwarten, dass der Parteivorsitzende einer rechts verorteten Partei von ihr nicht mit Sanfthandschuhen angefasst wird. Zu den Verfassern gehoeren Journalisten wie Akiva Eldar, Gideon Levy und Tom Segev.

Larry Derfner, der die beiden Texte (Kommentarkolumne, keine Berichterstattung!) in der Jerusalem Post verfasst hat, definiert sich ebenfalls als links.

Und Tamar Gozansky, aus deren Feder der Artikel in Yedioth Ahronot stammt, ist Parteimitglied der kommunistisch-arabischen Hadashpartei. Fuer Hadash ist selbst Meretz kein potentieller politischer Partner, weil es sich immer noch um eine zionistische Partei handelt. Hadash definiert sich offensichtlich als anti-zionistische Partei.

The plan for coordinating platforms between the Arab Hadash Party and Meretz, which we outlined in January’s Outpost, is off. Hadash has rejected it on the grounds that Meretz is a „Zionist“ party. That is laughable, but in any event Meretz does not currently meet Hadash’s strict anti-Zionist standards. Azmi Bishara, Hadash’s leader, announced on March 25 that the Jewish nation is a „fiction with no right to exist.“

Der zitierte Azmi Bishara, damals Parteivorsitzender von Hadash, ist uebrigens seit 2007 fluechtig, ihm wird Landesverrat vorgeworfen. Ich kann nichts finden, wonach sich die Partei von ihm distanziert haette.

Ich hoffe, es ist deutlich geworden, dass sich der gesamte Text und alle in ihm enthaltenen Vorwuerfe gegen Avigdor Lieberman auf Hoerensagen beziehen und zwar ausschliesslich Hoerensagen von erklaerten Feinden oder politischen Gegnern Liebermans. Er selber kommt nicht zu Wort, die Webseite seiner Partei und das Parteiprogramm von Israel Beitenu wird nicht verlinkt (nicht einmal im deutschsprachigen Eintrag zur Partei). Ihm politisch Nahestehende werden ebenfalls nicht befragt.

Das Ergebnis ist vollkommen voraussehbar und bietet keine verlaessliche Grundlage, um die im Titel gestellte Frage zu beantworten.

Ich selber finde im Parteiprogramm nichts, was ich als Beleg fuer Rassismus werten koennte.

Lieberman will beim kuenftigen Austausch von Territorien mit der PA von arabischen Israelis bewohnte Gebiete beruecksichtigen:

Trading Spaces Moving the Border Between Us, Not Among Us

The responsibility for primarily Arab areas such as Umm Al-Fahm and the “triangle” will be transferred to the Palestinian Authority. In parallel, Israel

Nach meinem Verstaendnis haetten die Bewohner dieser Gebiete die Wahl, entweder innerhalb Israels umzuziehen oder aber die pal. Staatsangehoerigkeit anzunehmen und in ihren Haeusern zu bleiben. Umgekehrt wird israelischen Siedlern keine Wahl geboten. Uebrigens wird aus diesem Text auch vollkommen klar, dass Lieberman eine 2-Staaten-Loesung befuerwortet!

Weiter plaedieren Lieberman und seine Partei fuer einen Eid auf den Staat fuer alle Staatsbuerger:

A New Citizenship Law

In order to enjoy the full rights of an Israeli citizen, one must also take on responsibilities. We will work to enact a citizenship law, which will require all Israeli citizens to pledge allegiance to the State and perform military or alternative national service.

Das ist grundsaetlich nichts anderes als der staendige Fahneneid in den USA und sondert keine Bevoelkerungsgruppe aus.

Weiter will er zionistische und juedische Werte in der Schule verstaerken. Ob er dabei auch an die arabischen Schulen denkt, wird nicht spezifiziert. Der passende Vergleich waere mE „Leitkultur„.

Ich halte Lieberman fuer einen Pragmatiker und Populisten. Dass er politisch rechts steht, ist auch kein Geheimnis. Aber die Gleichstellung von rechts mit rechtsradikal bzw. rassistisch ist natuerlich billige Polemik, auch wenn sie von linken Medien und Politikern immer wieder verwendet wird.

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7 Antworten

  1. Der Text von Follath ist echt der Hammer, der lässt kein Vorurteil aus. Und im Kommentarbereich seines Artikels jubeln (fast) alle, weil ihre Weltsicht (böser Rassist) mal wieder bestätigt wurde.

    zu wikipedia: Artikel über Bienen, Ottomotoren und Gartenstühle lese ich ohne Probleme, die sind meistens gut und informativ.

    Artikel über strittige Themen – Religion (außer Islam), Israel, Evolutionstheorie, etc. – kann man eigentlich vergessen. Da sitzen die admins und streichen alle Veränderungen weg, die ihnen in ihrer (eher linkslastigen, atheistischen) Denkweise nicht in den Kram passen.

    Da wird das Lexikon, das m.E. neutral sein soll, zum Meinungsmacher. Daher überrascht mich leider überhaupt nicht, dass Lieberman so schlecht wegkommt.

  2. @Ruth:

    Kennst du diesen hier schon? Avnery im Haaretz über Lieberman…

    http://www.hagalil.com/archiv/2009/05/04/liberman-3/

    iss das peinlich!?

  3. Natuerlich ist der Mann peinlich!

    Avnery schreibt immer, was deutsche Antizionisten gern hoeren wollen. Warum ihm die Macher von HaGalil ein Forum bieten, habe ich nie verstanden.

    Auch er klappert einfach „ein erklaerter Rassist“, erklaert aber nicht, worauf seine Einschaetzung beruht.

  4. „Gemäßigt, kompromissbereit, pragmatisch“ würde Avigdor Lieberman von den Mainstream Medien bezeichnet werden, wenn er Palästinenser wäre. Darauf weist Gideon Böss in seinem Blog hin:
    http://debatte.welt.de/weblogs/4881/boess+in+berlin/118898/der+gemaessigte+avigdor+lieberman

  5. Dazu gehoert nur leider gar zu wenig.

    Im Iran gilt ja schon Aufhaengen an Baukraenen als „gemaessigt“, verglichen mit Steinigung.

  6. […] erträglich, und alles andere höchst contre coeur. Aber nicht jeder Vorwurf wird dadurch richtiger, daß er pausenlos wiederholt […]

  7. […] Avigdor Lieberman ist ein beliebter Buhmann von Linken, in Israel und im Ausland. Trotzdem waere es angebracht, dass die NZZ korrekt, anstatt irrefuehrend ueber ihn berichtet. Im Artikel Anklage gegen Israels Ex-Aussenminister Lieberman lesen wir: […]

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