Le Monde Diplomatique und seine Alibijuden


Ein Bekannter hat mich auf einen Artikel in der deutschen Le Monde Diplomatique aufmerksam gemacht: Araber sein in Israel

Als Autoren zeichnen Joseph Algazy und Dominique Vidal. Beide identifizieren sich als Kommunisten. Le Monde Diplomatique sieht sich selbst als Instrument fuer linke Weltverbesserung:

Pourfendeur dès 1995 de la « pensée unique », porteur d’une « manière de voir » particulière, Le Monde diplomatique est, grâce à ses analyses approfondies et à ses points de vue engagés, un journal de référence pour tous ceux qui veulent comprendre, mais aussi changer, le monde actuel.

Seit 1995  das „Einheitsdenken“ angreifend und als Vertreter einer besondern „Sichtweise“ ist Le Monde Diplomatique dank seiner tiefschuerfenden Analysen und seiner engagierten Blickpunkte die fuehrende Zeitschrift fuer alle diejenigen, die die reale Welt nicht nur verstehen, sondern auch veraendern wollen. (Uebersetzung von mir)

Bei dieser Selbstdarstellung sollten alle Warnlichter zu blinken beginnen. Bekannterweise widersprechen sich objektive Berichterstattung und Engagament fuer Weltverbesserung gelegentlich. Le Monde Diplomatique laesst keinen Zweifel daran, dass das Engagement weit ueber jedem Anspruch auf objektive Berichterstattung steht, der in dieser Selbstdarstellung nicht einmal erhoben wird.

Wer Bestaetigung seiner Sichtweise sucht und ideologisch den Machern von Le Monde Diplomatique nahe steht, ist an der richtigen Adresse. Alle diejenigen, die ernsthafte Argumente suchen, ohne dass sie sich bereits ein festes Bild gezimmert haben, sollten sich klar machen, dass sie wertlose Propaganda vorgesetzt bekommen.

Der oben verlinkte Artikel beginnt denn auch gleich im Untertitel mit einer glatten Luege:

Anlass zur Unruhe haben aber vor allem die arabischen Bürger Israels. Nachdem der Versuch, ihnen das Wahlrecht zu entziehen, vor Gericht gescheitert ist, (…)

Es gab keinen Gesetzesentwurf in der Knesseth, der arabischen Israelis das Wahlrecht nehmen wollte und drei Lesungen passiert haette, so dass er vom Obersten Gericht gekippt werden musste. Das ist pure Erfindung, vermutlich ist die Redaktion (Dominique Vidal) verantwortlich. Im Text selber ist Joseph Algazy zwar sehr selektiv und tendenzioes, leistet sich aber keine so leicht nachweisbaren Unwahrheiten.

2006 und 2007 zeigten Meinungsumfragen, dass 78 Prozent der Israelis eine Regierungsbeteiligung arabischer Parteien ablehnen, 75 Prozent wollen nicht mit Arabern im selben Haus wohnen, 75 Prozent glauben, die Araber neigten zur Gewalt, 68 Prozent fürchten eine neue Intifada, 64 Prozent sehen im arabischen Bevölkerungswachstum eine Gefahr, 56 Prozent sind überzeugt, dass „die Araber niemals den kulturellen Entwicklungsstand der Juden erreichen können“. 55 Prozent sind der Ansicht, die Regierung solle die Araber zur Auswanderung bewegen, 50 Prozent sprechen sich für einen „Bevölkerungstransfer“ aus, und 42 Prozent meinen, man solle den Arabern das Wahlrecht entziehen.(10)

Der Link bei den Anmerkungen fuehrt ins Nichts, aber mir ist es gelungen, den richtigen Bezug zu finden.

In seiner Paraphrase verzichtet Algazy auf jeden Kontext, waehrend er in der Studie betont wird: Der Krieg gegen Hisbollah im Sommer 2006, waehrendessen sich arabische Israelis offen mit Hisbollah identifizierten. Nota bene haben auch die Konrad-Adenauer-Stiftung und die Tel Aviv University eine linke Tendenz. Bevor ich die Ergebnisse 1:1 akzeptiere, wuerde ich gern die tatsaechliche Umfrage sehen, leider finde ich sie jedoch nicht on-line.

Heute morgen im Radio habe ich schon vom aktuellen Gegenstueck gehoert:

Nur 41% der arabischen Israelis gestehen Israel das Recht zu, als juedischer und demokratischer Staat zu existieren. 22% gestehen Israel ueberhaupt kein Existenzrecht zu.
40% der arabischen Israelis meinen, dass es den Holocaust nie gegeben hat.
41% der arabischen Israelis nahmen im vergangenen Jahr an einer Protestveranstaltung statt.
47% der arabischen Iraelis moechten keinen juedischen Nachbarn.

Die Krise zwischen den beiden Bevoelkerungen ist offensichtlich. Die klare Schuldzuweisung an Israel ist aber eine Interpretationsfrage. Le Monde Diplomatique in ihrem paternalistischen Tier-Monde-Ansatz spricht der arabischen Bevoelkerung natuerlich jede Verantwortung ab, sie koenne allenfalls reagieren.

Ein kleines Wort zur Nachbarschaftsfrage: Bei juedischen Israelis wird davon ausgegangen, dass sie einen gesellschaftlich hoeheren Status haben. Die Frage nach juedischem/arabischen Nachbarn ist also auch die Frage, ob jemand in einem besseren/schlechteren Wohnviertel leben moechte. (Nicht jeder, der in den USA lieber nicht einem ueberwiegend schwarzen Viertel in der City leben moechte, ist deswegen Rassist.)

Zwei verschiedene Zitate im Text stehen in direktem Widerspruch zueinander:

Der Rechtsanwalt Taufik Abu Ahmad ist ein erklärter Anhänger der islamistischen Bewegung und hat auf der Vereinigten Arabischen Liste (Raam/Taal) für die Knesset kandidiert. In seinem Büro in Nazareth – der überwiegend von Arabern bewohnten Hauptstadt der Provinz Galiläa – erklärt Abu Ahmad, mit ihren antiarabischen Parolen wolle die israelische Rechte und die extreme Rechte den Juden in Israel zeigen, dass sie ihre Interessen schütze: „Sie bauen sich einen inneren Feind auf, den sie bekämpfen können, um damit Stimmen zu gewinnen.“ Anstatt die Bürgerrechte der israelischen Araber von deren Staatstreue abhängig zu machen, solle die israelische Führung endlich begreifen, „dass es andersherum funktioniert: Nur wenn sie die uneingeschränkte Staatsbürgerschaft erhalten – also gleiche Rechte -, werden sie sich loyal verhalten.

Am Vorabend der Wahlen von 2009 erklärte Präsident Schimon Peres angesichts der neuen antiarabischen Welle: „Als Staatsoberhaupt bin ich beunruhigt über die Aufrufe zur Gewalt gegen einen Teil der Wählerschaft. Die Araber haben die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Bürger des Landes.“

Was denn nun? Haben arabische Israelis die gleichen Rechte und Pflichten, also volle Buergerrechte oder nicht? Wem wollen wir glauben, dem Praesidenten Shimon Peres, dessen Name untrennbar mit dem Osloprozess verknuepft ist oder dem Islamisten Taufik Abu Ahmad, der als Islamist den Staat Israel in jeder Erscheinungsform ueberwinden will? Le Monde Diplomatique und Algazy faellt die Wahl nicht schwer. Ihre kommunistische Grundhaltung scheint ihnen eher mit militantem Islam vereinbar zu sein, als mit der weicheren, sozialistischen Grundhaltung von Shimon Peres. Damit stehen sie nicht allein.

Wie selektiv die Darstellung ist, laesst sich auch an diesem Beispiel festmachen:

Der Bäcker sitzt im Stadtrat von Akko, wo 17 000 der 53 000 Einwohner Araber sind. Akko ist noch immer von den gewaltsamen Auseinandersetzungen im vergangenen Oktober gezeichnet. Damals zogen einige hundert aufgebrachte Juden durch die Stadt, zerstörten oder beschädigten dreißig Häuser, achtzig Geschäfte und hundert Autos.(12)

Was im letzten Herbst in Akko geschehen ist, kann nur dann als Pogrom von Juden gegen Araber beschrieben werden, wenn keinerlei Anspruch auf Wahrheitstreue und Objektivitaet erhoben wird. Unleugbar kam es naemlich auch zu Gewalttaetigkeiten von Arabern gegen juedisches Eigentum. Mein Eindruck damals war, dass arabische Politiker den Aufruhr anheizten.

Es macht wenig Sinn, den Artikel Absatz fuer Absatz zu analysieren. Auf der Hand liegt, dass die Autoren und Le Monde Diplomatique schon im voraus genau wissen, was sie belegen moechten. Dementsprechend halten sie sich ausschliesslich an Interviewpartner und Quellen, die ihnen das Gewuenschte zu liefern versprechen.

Ein einziges Mal werden sie darin enttaeuscht, was im Text mit „erstaunlicherweise“ quittiert wird.

Hanin Zoabi interpretiert die Haltung Liebermans erstaunlicherweise als eine Art „quid pro quo“ nach der Formel: „Ich ziehe mich aus den besetzten Gebieten zurück, dafür muss ich mich auf eure Loyalität verlassen können.“ Folglich müsse man „die israelischen Palästinenser daran erinnern, dass sie in einem jüdischen Staat leben und diesen als solchen zu akzeptieren haben“.

Wie schon oben formuliert. Le Monde Diplomatique bietet Propanda zur Bestaetigung von Vorurteilen. Wohl bekomm’s!

3 Antworten

  1. Beer7,

    Es könnte sich um diese Meldung v. 13.01.2009 gehandelt haben:

    …Das Zentrale Wahlkomitee hat zwei arabische Listen von den Knesset-Wahlen im Februar ausgeschlossen, weil sie unter anderem einen bewaffneten Konflikt gegen Israel befürworteten. Daraufhin sprachen israelisch-arabische Abgeordnete von einer “rassistischen Entscheidung”…

    http://www.hagalil.com/archiv/2009/01/13/balad/

    Es handelte sich um die Parteien Balad un Vereinigte Arabische Liste, die auch le monde diplomatique erwähnt.

    Der oberste Gerichtshof hob diese Entscheidung, wie aber auch erwartet, am 22.01.2009 wieder auf (siehe Link weiter unten).

    Aber nix von wegen Wahlrecht entziehen…

  2. Das waere auch eine glatte Luege. Zwischen dem Verbot einer Partei wegen Anstiftung zur Gewalt und dem Entzug des Wahlrechts fuer eine ganze Minderheit besteht ja ein klarer Unterschied.

    Im Text selber wird dann uebrigens positiv vermerkt, dass es ein solches Verbot bereits gegen die juedische Kach-Partei gegeben hatte. Und faelschlich insinuiert, dass die Standards gesunken sind, weil Feiglin nicht gesperrt wurde. Feiglin steht aber keiner eigenen Partei vor, sondern einer Gruppierung innerhalb des Likuds und diese Gruppierung wurde bereits von der Parteifuehrung mit Netanyahu an der Spitze marginalisiert.

  3. […] kann mit einem Beispiel aufwarten, wie das in Frankreich betrieben wird – es gibt kaum Hemmungen schlicht zu lügen. Fazit dort: Le Monde Diplomatique […]

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