Mengenlehre mit Obama


Gestern behauptete Obama noch in einem Interview mit franzoesischen Fernsehsender Canal Plus, die USA sei eines der groessten muslimischen Laender der Welt.

Das ist eindeutig Bloedsinn.

Heute in Kairo setzt Obama die muslimische Bevoelkerung in den USA mit knapp 7 Millionen an. Das ist ein Mehrfaches der Anzahl der Muslime in den USA, 1.8 Millionen, wie die CIA eruiert hat, oder der 2.4 Millionen, die der PEW Report feststellt (beide von 2007).

Es ist richtig, dass die Schaetzung der Muslime in der US-Bevoelkerung stark divergieren:

The following are a few of these disputed estimates:

Bemerkenswerterweise haelt sich Obama an die Zahl, wie sie von muslimischen Organisationen vorgegeben wird. Die Newsweek hat keine eigene Untersuchung durchgefuehrt, sondern uebernimmt ihre Zahlen auch aus muslimischen Quellen. Die Britannica bildet offensichtlich den Durchschnittswert: (7+2.4)/2=4.7

Daniel Pipes ist das auch aufgefallen:

Barack Obama’s mention of „seven million American Muslims“ in the course of his rambling and complex six-thousand-word address to the Muslim world from Cairo symbolizes the whole message.

Study after study has found that demographic figure about three times too high. But Islamist organizations like the Council on American-Islamic Relations and the Islamic Society of North America relentlessly promote the notion of seven or even ten million American Muslims. Obama’s accepting their version amounts to a giveaway, a cheap way to win the approbation of Islamists who so widely influence Muslim opinion

(Hattip Heplev)

Ich denke, es ist kein Zufall, dass diese Zahl gewaehlt wurde, da sie knapp ueber der geschaetzten groessten Zahl von Juden in der US-Bevoelkerung liegt: 5.5 bis 6.5 Millionen.

Als aehnliche Zahl werden in der Rede die 6 Millionen Juden genannt, die im Holocaust getoetet (im Gegensatz zu ermordet?! killed -murdered) wurden. Im naechsten Satz wird erwaehnt, dass die Zahl der Juden in Israel sogar noch darunter liegt.

Vielleicht sollte ich froh darueber sein, dass Obama in Kairo so der Leugnung des Holocausts entgegentrat. Aber die hatte in arabischen Laendern schon immer ein besonders Flair: „Der Holocaust ist eine boeswillige Erfindung der Juden, um die Welt zu erpressen“ und „Schade, dass Hitler den Job nicht beendet hat“ sind im selben Atemzug moeglich.

Ich finde es auch eigenartig, dass Obama einen Vers aus dem Koran zitiert, der im Kontext mit dem darauffolgenden Vers eine Lizenz darstellt, Juden zu toeten.

Ist Obamas Redenschreiber wirklich so inkompetent, dass er das Koranzitat nicht nachgeschlagen und die Verse davor und danach gelesen hat? Oder handelt es sich um einen bewussten Wink an Muslime, in der Hoffnung, dass Nicht-Muslime ihn uebersehen?

9 Antworten

  1. Vielleicht sollte ich froh darueber sein, dass Obama in Kairo so der Leugnung des Holocausts entgegentrat..

    So argumentiert ja etwa Jeffrey Goldberg, und auch bei Yaacov Lozowick klingt dieser Gedanke an. Allerdings ist es schwierig, denn auch wenn das Entgegentreten natürlich zu begrüßen ist, so handelt es sich dabei doch um einen zivilisatorischen Mindeststandard, der eigentlich mehr als selbstverständlich sein sollte.

  2. Obama zeigt sein wahres Gesicht. Sein eigener familiärer Hintergrund macht ihn zu einem natürlichen Kollaborateur der muslimischen Welt, Loyalitäten zu alten Verbündeten stehen da doch nur im Weg:
    http://klarseher.wordpress.com/2009/06/05/die-wahrheit-uber-„barack-obama“/

  3. Bemerkenswerterweise haelt sich Obama an die Zahl, wie sie von muslimischen Organisationen vorgegeben wird. Die Newsweek hat keine eigene Untersuchung durchgefuehrt, sondern uebernimmt ihre Zahlen auch aus muslimischen Quellen. Die Britannica bildet offensichtlich den Durchschnittswert: (7+2.4)/2=4.7

    Politblogger recherchiert zum Thema wieder mal gewohnt halbherzig. Er verweist zwar anfangs auf unterschiedliche Größen, verlässt sich dann aber doch allein auf die „politisch korrekte“ Newsweek. Na ja, der Mann hat’s eben immer eilig….
    http://www.politblogger.net/stefan-herre-fuehrer-von-klein-bildungstan/

    Gut, dass du die Zahlen sorgfältig aufgelistet hast!

    Ich habe die komplette Rede gestern in Deutsch durchgelesen und mir ist auch aufgefallen, dass Obama einen sehr weichgespülten Islam gezeichnet hat. Unter anderem sagt er:

    […] an dem Jerusalem die sichere und ständige Heimat von Juden, Christen und Muslimen ist und ein Ort, an dem alle Kinder Abrahams friedlich zusammenkommen können wie in der Geschichte der Al-Isra, als Moses, Jesus und Mohammed – möge der Friede mit ihnen sein – gemeinsam beteten.

    Gleich zwei dicke Fehler auf einmal, die einem Christen nicht passieren sollten: Er behauptet, dass Moses, Jesus und Mohammed in der Al-Isra (Der nächtlichen Reise) gemeinsam beteten, und er nimmt nur den Koran als Bezugsquelle, wohl, um seinen Gastgebern zu schmeicheln, was einen besonders irritierenden Eindruck hinterlässt. Dass es dazu keine jüdischen und christlichen Hinweise gibt – geschenkt. Das anschließende „Möge der Frieden auf ihnen sein“ ist auch nichts anderes als eine Vermengung von Personen in einem Akt heiliger Versammlung und einer islamischen Gebetsfloskel.

    (Als Segen fasse ich diese Floskel wegen ihres inflationären und dahingenuschelten Gebrauchs sowieso nicht auf – eher als Rückversicherung gegenüber dem Zorn Allahs).

    Weiter oben sprach er davon, dass er die Wahrheit ansprechen wolle. Wenn diese Aussagen die Wahrheit verkörpern, dann gute Nacht.

  4. Der Redenschreiber ist in diesem Fall eine Redenschreiberin, eine junge moslemische Frau mit Schleier – hast Du das nicht im Fernsehen gesehen? Ich glaube, Ehud Yaari hatte ein bißchen Hintergrund über sie, Daliyya mit Vornamen, Nachnamen hab ich vergessen. Klang ganz interessant.

  5. Hm, ich finde nichts dazu online, sollte ich mich verhört haben? Vermutlich ist es sowieso ein team effort gewesen.

  6. Okay, hier ist sie. Dalia Mogahed.
    http://www.islamonline.net/servlet/Satellite?c=Article_C&cid=1239888438065&pagename=Zone-English-News/NWELayout

    Ich habe mich aber tatsächlich verhört, sie ist nur im Beraterteam, hat aber an der Rede keinen direkten Anteil.

    http://www.thedailynewsegypt.com/article.aspx?ArticleID=22187

    Before his Turkey trip, Mogahed highlighted what Obama’s speech should cover, and he used “four out of five” suggestions.

    Immerhin, interessant.

  7. Die Reden von Obama sollen im Team entstehen. Zur Mitarbeiterin von Obama ist in der NZZ zu lesen:

    Dalia Mogahed

    Beraterin Obamas mit ägyptischen Wurzeln

    ber. (Kairo) Bei der Rede des amerikanischen Präsidenten Obama in Kairo fiel Dalia Mogahed höchstens durch Pünktlichkeit und Bescheidenheit auf. Die Beraterin Obamas war als eine der Ersten in der Kairo-Universität. Die 44-Jährige setzte sich auf einen Stuhl am Rande des Saals, von wo aus sich Obama an die Bewohner des Nahen Ostens wandte. Wie immer trug Mogahed einen Kopfschleier. «Meine Eltern sind Ägypter, und ich bin als gläubige Muslimin in den USA aufgewachsen», sagt die Meinungsforscherin nach der Rede im Gespräch. Für ihren Job bei der amerikanischen Regierung sei das Kopftuch kein Nachteil; schliesslich berate sie Obama in Fragen des Islams. Ausserdem lehne der Präsident Menschen ab, die Frauen mit Kopftuch als minderwertig bezeichneten.

    Ein Star im Nahen Osten

    Im März hatte Obama angeordnet, einen 25-köpfigen Beraterstab mit dem Namen «Office of Religious Partnership» einzurichten. Auch Mogahed wurde ernannt. Manche möchten, dass die kluge, charismatische Frau Chefin des neuen Gremiums wird, andere lehnen sie wegen ihres Kopftuchs ab. Obama wählte Mogahed vor allem deshalb aus, weil sie sich in den USA einen Namen als unbestechliche Wissenschafterin und hervorragende Autorin gemacht hat. In Washington, wo sie mit ihrem Mann und zwei Söhnen lebt, leitet Mogahed, die Chemie studiert hat, das Gallup-Institut. Dort wird den Meinungen und dem Verhalten der Öffentlichkeit nachgespürt.

    Bei der Nahostreise Obamas habe sie als Mentorin viel zu tun gehabt, berichtet Mogahed. Vor allem habe sie beim Schreiben der Kairoer Rede mitgeholfen. Diese war mit mehreren Zitaten aus dem Koran gewürzt. Mogahed stimmt mit Obama überein, dass sich der Islam durch die Anerkennung der Vielfalt auszeichne; um das zu unterstreichen, wählte Mogahed den Vers aus: «Wir haben euch (. . .) zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt.» Dahinter steckt die Erkenntnis, dass es nicht nur eine einzige Religion gibt und sich die Nationen Wissen voneinander aneignen können. Während Mogaheds Ernennung in den USA teilweise auf Befremden stösst, hat sie im Nahen Osten grossen Erfolg. Viele arabische Medien interviewten sie, und sie waren von Mogaheds Beherrschung des ägyptischen Dialekts tief beeindruckt. «Ich war erst vier, als meine Eltern in die USA zogen, aber wir haben daheim Arabisch gesprochen», sagt Mogahed. Sie kennt die amerikanische und die orientalische Mentalität. «Den Job habe ich angenommen, weil ich Obama dabei unterstützen möchte, den Arabern ihre Würde zurückzugeben», sagt Mogahed. Genau wie der Präsident findet Mogahed, die Bewohner des Nahen Ostens und Muslime seien vom westlichen Ausland zu lange nur als religiöse Fanatiker und potenzielle Terroristen wahrgenommen worden.

    Das arabische Potenzial anzapfen

    «Hinter dem Wunsch, das zu ändern, stehen auch praktische Gedanken», fährt Mogahed fort. Obama wisse, dass er die Konflikte in der islamischen Welt nur mit Hilfe der dortigen Bewohner lösen könne. Frieden dort sei aber für die globale Sicherheit unabdingbar. Weiter wollten die USA das grosse menschliche Potenzial des Nahen Ostens anzapfen und die wirtschaftlichen Möglichkeiten ausschöpfen. «Dazu braucht es die Kenntnis der Region und ihrer zumeist muslimischen Bewohner», meint Mogahed, ohne sich selber zu erwähnen. Sie ist eben bescheiden.

  8. Elder of Ziyon hat mehr Informationen ueber Dalia Mohahed. Die passen aber nicht so gut in die Hagiographie der NZZ:

    Mogahed works for the Gallup organization, and last year co-wrote a book called „Who Speaks for Islam? What a Billion Muslims Really Think.“ As I noted in my Amazon review, the book is an opinion piece masquerading as science. She knowingly and deceptively cooked the numbers to make it appear as though a much smaller percentage of Muslims support terror and justified 9/11. She wrote articles claiming that her research showed that „only“ 7% of Muslims were „radical“ when her own numbers showed that over one third of Muslims found 9/11 to be either completely, mostly or partially justified.

  9. […] Naivität des derzeitigen US-Präsidenten und seiner Getreuen – und deren Folgen. (in Englisch) – Mengenlehre mit Obama – die seltsamen Zahlenspiele des Superpräsi in Kairo sind schon recht interessant. – Obamas […]

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