Elefanten weghalluzinieren


Der erste Elefant im Zimmer des „Friedensprozess“ Nahost ist die Hamas. Alle Welt trompetet herum, die israelischen Siedlungen in der Westbank verhinderten den Frieden. Derweil wird erstaunlich ausdauernd darueber geschwiegen, dass in den letzten, halbwegs freien Wahlen Hamas die Mehrheit erhielt. Unleugbar ist die Vernichtung Israels und der bewaffnete Kampf in diese Richtung ein zentraler Punkt des Hamasprogramms. Seit der Machtuebernahme per Putsch im Gazastreifen exerzierte Hamas vor, dass sie ihr eigenes Programm ernst nimmt. Selbst im Fall, dass Israel alle Siedlungen schleift und Ostjerusalem judenrein macht, koennte im guenstigsten Fall mit der Fatah im Westjordanland ein Abkommen geschlossen werden, an das sich Hamas im Gazastreifen nicht gebunden fuehlte.

Wie der Elefant Hamas weghalluziniert wurde, laesst sich leicht zurueckverfolgen. Zunaechst wurde von linker Seite Wunschdenken als Analsyse praesentiert. Hamas sei nur als Protest gegen die korrupte Fatah gewaehlt worden, sie werde sich in der Regierungsverantwortung maessigen, usw. Die Wirklichkeit hielt sich leider nicht an diese Vorgaben.

Der zweite Elefant ist die Tatsache, dass die Fatah sich vornehmlich in der Taktik, aber kaum im angestrebten Ziel von Hamas unterscheidet, also auch kein Friedenspartner ist. Auch dieser Elefant wird angestrengt weghalluziniert. Ich gehe davon aus, dass auch ueber Rafik Natshehs eindeutige Aussage in der deutschsprachigen Medien nicht berichtet werden wird.

Natsheh’s remarks came days before Fatah’s general assembly that is slated to take place in Bethlehem on August 4.

The assembly, the first in two decades, is expected to bring some 1,500 Fatah delegates together to discuss ways of reforming the faction and holding internal elections.

One of the topics on the conference’s agenda is whether Fatah should formally abandon the armed struggle and recognize Israel’s right to exist.

„Fatah does not recognize Israel’s right to exist,“ Natsheh said, „nor have we ever asked others to do so.“ His comments, which appeared in an interview with Al-Quds Al-Arabi, came in response to reports according to which Fatah had asked Hamas to recognize Israel as a precondition for the establishment of a Palestinian unity government.

„All these reports about recognizing Israel are false,“ Natsheh, who is closely associated with PA President Mahmoud Abbas, said. „It’s all media nonsense. We don’t ask other factions to recognize Israel because we in Fatah have never recognized Israel.“

Asked about calls for dropping the reference to armed struggle from Fatah’s charter, Natsheh said: „Let all the collaborators [with Israel] and those who are deluding themselves hear that this will never happen. We’ll meet at the conference [in Bethlehem].“

Wir muessen uns wieder einmal vor Augen halten, dass „Friedensprozess“ zum Synonym fuer die Aufloesung Israels geworden ist. Die Scharade wird offensichtlich immer weniger gebraucht. Signifikante Bevoelkerungsgruppen koennen ihren Antisemitismus anscheinend besser mit ihrem Selbstbild vereinbaren. Und dazwischen gibt Leute, die sich was auf ihren Mut und ihre Differenzierungsfaehigkeit einbilden, waehrend sie im Strom mitschwimmen.

Dieses Jahr werde ich zu Tischa B’Av definitiv fasten.

9 Antworten

  1. Das hier sagt wohl alles, nur will es von den Friedenshetzern keiner hören (http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3750930,00.html):

    Rafik al-Natsheh in der Vorbereitung der Führungs-Konferenz der Fatah (und das ist ein „Moderater“!): Wir werden Israel nicht anerkennen. Und: Wir werden die Widerstands-Option in all ihren Formen beibehalten und wir werden Israel nicht anerkennen. Wir verlangen nicht nur von jedermann Israel nicht anzuerkennen; wir selbst erkennen Israel nicht an. Von der Regierung der palästinensischen Autonomie ist allerdings verlangt es anzuerkennen, andernfalls wird sie nicht in der Lage sein dem palästinensischen Volk zu dienen. Mit anderen Worten: Die Fatah redet mit gespaltener Zunge. Und wenn die „Regierung“ in Fatahstan Israel anerkennen sollte (was ja noch in den Sternen steht), dann ist das null und nichtig, weil nur die Regierung und sonst niemand das tut. Fortschritt zum Frieden: Alle werden jubeln und das Paradies erkennen, sollte die „Regierung“ Israel „anerkennen“ – und ausblenden, dass alle anderen das nicht tun.

  2. Gehst Du nicht etwas zu dogmatisch an die Sache heran?
    Was fordert denn die Hamas? nicht etwa die Grenzen Israels vor dem 6 Tage Krieg von 1967?
    Erstens wenn ich so etwas lese denke ich immer gleich : das Land gehört den Juden. Die Palästinenser leben nur dort, weil die Juden so tolerant sind und nicht, weil sie es de facto seit Jahrhunderten tun oder? Das geht soweit, dass sich viele Israelis scheuen, überhaupt von „Palästinensern“ zu sprechen und somit eine lokale Zugehörigkeit in Anschlag zu bringen. Sie ziehen ein generalisierendes „die Araber“ vor. Das impliziert eine weitere Scheinheiligkeit: Israel präsentiert sich dem Westen
    und sich selbst als „einzige Demokratie im Nahen Osten“. De facto ist es eine Diktatur einer Ethnie. Denn egal,
    welche Ethnie auf diesem Boden in welcher Proportion lebt: das Sagen sollen immer die Juden haben.
    Das zweite Überzeugung lautet: die nebulöse Masse namens „Araber“ sind die Feinde der Juden. Es ist völlig gleichgültig, welche Friedensvorschläge von welcher Seite kommen, ob die Hamas indirekt das Existenzrecht Israels akzeptiert wie so oft ob 1997 oder 2006 . Der Nenner läuft immer auf dasselbe hinaus: „die Araber sind unsere Feinde. Punkt.“
    Die dritte Überzeugung geht dahin, dass die Besatzung nur vorübergehend ist. Tatsächlich soll sie eine dauerhaften Kontrolle über alle Palästinenser weichen.

  3. Was fordert denn die Hamas? nicht etwa die Grenzen Israels vor dem 6 Tage Krieg von 1967?

    Fuerwahr nicht. Mach‘ Dich mal schlau zu diesem Punkt und komm dann wieder.

  4. Fatah-Vertreter: Keine Anerkennung Israels

    Im Vorfeld der Zusammenkunft der Fatah-Führungsspitze am 4. August hat ein hochrangiger Vertreter der Palästinenserorganisation, Rafik al-Natsheh, angekündigt, dass die Veranstaltung dazu genutzt werden würde, die Verpflichtung der Fatah gegenüber dem bewaffneten Kampf gegen Israel zur Schau zu stellen.

    „Wir werden die Widerstandsoption aufrechterhalten, und wir werden Israel nicht anerkennen“, so al-Natsheh. „Wir bitten nicht nur darum, dass niemand Israel anerkennt; wir erkennen Israel selber nicht an. Der Regierung der Palästinensischen Autonomiebehörde ist es jedoch geboten, dies zu tun, da sie sonst nicht dem palästinensischen Volk dienen könnte.“

    Der Fatah-Vertreter fügte noch hinzu; „Ich bin sicher, dass wir allen Verrätern Einhalt gebieten werden werden, die die Widerstandsoption aus der Charta der Bewegung hinauszunehmen wünschen.“

    (Yedioth Ahronot, 22.07.09)

    Hamas hat Israel in den Grenzen 1967 anerkannt?

    Ich lach mich echt schlapp.

  5. na klar hat Sie das:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-423956,00.html

    „Der von allen Seiten bedrängte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat Grund zur
    Zufriedenheit. Premier Ismail Hanija, sein Widersacher von der radikal-islamischen Hamasbewegung, will
    das Dokument unterschreiben, das seit Wochen im Zentrum eines inner-palästinensischen Machtkampfs
    gestanden hatte. Der Zwist zwischen Abbas und Hanija habe sich nun in Minne verwandelt, behaupten
    Politiker in Gaza. Auch Israel könne zufrieden sein: Das von der Hamas unterzeichnete Papier sehe einen
    Palästinenserstaat lediglich auf der Westbank und im Gaza-Streifen vor, anerkenne also implizit Israel.“

    war allerdings schon im Sommer 2006

    Und noch schöne Grüße nach Beer Sheva

    yael1 du bist ziemlich schlapp

  6. Der Text stammt von 2006. Wie sehr sich der „Zwist“ zwischen Hamas und Fatah in „Minne“ verwandelt hatte, konnten wir seit drei Jahren verfolgen. Hier nur das Beispiel von heute: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3751923,00.html

    Moeglicherweise hat das Papier auch in anderer Hinsicht nicht allzu viel mit der Realitiaet zu tun?

    Danke fuer das aktuelle Beispiel, wie Elefanten weghalluziniert werden!

  7. Seien Sie froh, dass ich mich über Leute, die Ihre Ahnungungslosigkeit vor sich hertragen, nur schlapp lache.
    Sie sind so ein Paradebeispiel der Naivität.

  8. […] „Friedensprozess“ ist zum Synonym für die Auflösung Israels geworden. Beer7, 23.07.09 […]

  9. Dahlan to Hamas: Never recognize Israel

    Former Fatah security commander Muhammad Dahlan on Tuesday called on Hamas not to recognize Israel’s right to exist, pointing out that Fatah had never recognized it.

    This was the first time since the beginning of the peace process 15 years ago that a senior Fatah official has said that his faction does not recognize Israel’s right to exist.

    Dahlan’s remarks were made in an interview with the Palestinian Authority’s official Palestine TV station.

    Dahlan, who has kept a low profile ever since the Hamas takeover of the Gaza Strip in 2007, resurfaced during Operation Cast Lead. Since then, he has made several public appearances, the latest being last Friday when he was seen praying next to PA President Mahmoud Abbas in a Ramallah mosque.

    http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1237114855755&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

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