Wie man sich die Welt zurechtluegt (Beispiel FAZ)


Hans-Christian Roessler berichtet vom Fatahkongress in Bethlehem. Dabei will er uns weismachen, dass die Fatah seit 15 Jahren auf friedliche Verhandlungen mit Israel setze. Nur die Enttaeuschung ueber die ausbleibenden Resultate der Verhandlungen, loese Ungeduld bei der jungen Garde aus und deswegen sei von „Widerstand“ die Rede:

Im Gespräch mit jüngeren Fatah-Aktivisten kommt dabei ein Begriff immer häufiger vor: „Widerstand“ – wenn nötig, auch wieder mit der Waffe in der Hand. Nach mehr als 15 Jahren Verhandlungen mit Israel wächst die Ungeduld. Nicht nur innerhalb der Fatah nehmen die Forderungen an die palästinensische Führung zu, die bisherige friedliche Strategie zu überdenken.

Die bisherige „friedliche Strategie“ der letzten „mehr als 15 Jahre“ schliesst notwendig auch die Jahre 2000 bis 2005 ein. In dieser Zeit fuehrte die PA einen Terrorkrieg gegen Israel, der unter dem Namen „2. Intifada“ verharmlost wird.

In diesen Jahren wurden 147 Selbstmordattentate (pdf Datei, S. 12 f) erfolgreich durchgefuehrt, und zwar von den folgenden Organisationen:
Hamas: 58 Sekbstmordattentate: 40%
Palestinian Islamic Jihad: 39 Selbstmordattentate: 27%
Fatah: 33 Selbstmordattentate: 23%
Popular Front for the Liberation of Palestine: 8 Selbstmordattentate: 5%
Kooperationen zwischen zwei oder mehr Organisationen: 8 Selbstmordattentate: 5%

In der Studie „Suicide bombing terrorism during the current Israeli-Palestinian confrontation“ findet sich auf S. 17f auch ein Schreiben von Jibril Rajoub an Arafat, in der dieser ueber die Sitzungen zur Befoerderung von Selbstmordattentaten in Damaskus unterrichtet wird.

Irgendwie sehe ich da einen gewissen Widerspruch zur „friedlichen Strategie“, es sei denn, dass auch in dieser Begriff einen Bedeutungswandel erlebt hat, wie „Friedensprozess“ immer mehr „Aufloesung Israels“ bedeutet.

7 Antworten

  1. Die FAZ entwickelt sich seit einigen Jahren, möglicherweise seit 2005, ungünstig. Da schreiben jetzt Leute mit abwegigen Meinungen, neben politischen Gründen mag auch der allgemeine Verfall auf dem Zeitungsmarkt dazu geführt haben, dass in der ehrwürdigen FAZ mittlerweile gezielt für die politische „Mitte“ geschrieben wird.

  2. Wie wäre es mit einem bescheidenen Leserbrief zum Thema an die hochverehrte FAZ?

  3. Hehe, ich erinnere mich noch, wie Du, Ruth, Rössler hier in Schutz genommen hast😉

    Ein Leserbrief hätte m.E. übrigens sogar Chancen abgedruckt zu werden.

  4. Du hast ja so Recht, Mr. Moe.

    Ich habe den Text an die Redaktion geschickt. Mal schauen, ob sich jemand meldet.

  5. Du kannst ja darüber berichten, es würde mich und sicherlich auch andere interessieren. Im Allgemeinen erscheint mir die F.A.Z. recht kommunikativ, in Folge mehrerer hartnäckiger Leserbriefe rief eines Tages sogar mal Klaus-Dieter Frankenberger (Chef der Auslandsberichterstattung) bei mir an😉 (er räumte sogar einen Fehler ein; es ging um den Abdruck eines Kommentars vom iranischen Außenminister Mottaki)

  6. […] beer7: Wie man sich die Welt zurecht lügt beer7: Die gemässigte Fatah MedienBlackSpin: Warum man sich vom Parteitag der Fatah nichts versprechen sollte Shaul Rosenfeld: No moderate Palestinians […]

  7. […] Hans-Christian Roessler, FAZ (zum wiederholten Mal) – er lässt sich von Fatah-Leuten erzählen, sie hätten in den letzten 15 Jahren eine friedliche Strategie gegenüber Israel verfolgt. Und übernimmt das als wahr! Beer7 hat ein wenig Statistik zu dieser friedlichen Strategie (und damit der Idiotie des Qualitäts-Journalisten). […]

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