Wie man sich die Welt zurechtluegt (Beispiel NZZ)


Victor Kocher gehoert zu den Journalisten, die sich emotional mit den Palaestinensern identifizieren, jedenfalls wenn Israel sich auf der anderen Seite befindet.

In seinem Bericht zum Fatahkongress erklaert Kocher daher wieder einmal der Welt, wie moderat doch die Fatah und wie boeswillig Israel ist.

Dabei persfliert er sich fast schon selber. Ich hatte sarkastisch geschrieben:

Jeder aufrechte Antizionist weiss, dass die Palaestinenser nur ihr voelkerrechtlich garantiertes Recht auf Widerstand gegen die Besatzung (…) ausueben

und Kocher:

allerdings hält sie daneben am völkerrechtlich legitimen «Widerstand mit allen Mitteln gegen die Besetzung» fest

Das Voelkerrecht legitimiert natuerlich keineswegs Widerstand mit allen Mitteln, sondern nur mit Mitteln, die KVG konform sind, Attentate auf Zivilisten gehoeren nicht dazu.

Ich bin ja schon gewohnt, dass Terrororganisationen als gemaessigt beschrieben werden, waehrend Israel sogar dann „extremistisch“ sein soll, wenn Gerichtsurteile umgesetzt werden, aber diese Beschreibung von Abbas schlaegt dem Fass doch den Boden aus:

huldigte sie im Konsens dem notorischen Pazifisten Mahmud Abbas.

Seinen notorischen Pazifismus hat Abbas nicht nur unter Beweis gestellt, als er die Finanzierung des Attentats auf die israelischen Sportler bei den Olympischen Spielen in Muenchen uebernahm, er betonte ihn auch letztes Jahr in einem Interview mit der jordanischen Tageszeitung al-Dustur:

„I had the honor of firing the first shot in 1965 and of being the one who taught resistance to many in the region and around the world; what it’s like; when it is effective and when it isn’t effective; its uses, and what serious, authentic and influential resistance is,“ Abbas said.

„It is common knowledge when and how resistance is detrimental and when it is well timed,“ he added. „We (Fatah) had the honor of leading the resistance and we taught resistance to everyone, including Hizbullah, who trained in our military camps.“

Da koennten die Quaker sich noch eine Scheibe abschneiden und Ghandi hat seinen Erben gefunden, nicht wahr?

Kocher haelt nichts von irgendwelchen Gewaltenteilungen und gegenseitigen Kontrollen, damit verzettelt man sich nur beim voelkerrechtlich legitimierten Widerstand.

Damit gilt auch, was Abbas immer wieder als Politik der Autonomiebehörden skizziert hat: Der Widerstand ist eine Sache der Autonomieregierung, nicht einzelner Splittergruppen; er muss zentral und unter Einsatz aller intellektuellen und politischen Ressourcen strategisch geplant und geführt werden. Die verzettelten Kampfaktionen der Hamas und auch Fatah-interner Gruppen wie der Aksa-Brigaden lehnte er immer als kontraproduktiv ab. Und Terroranschläge gegen Israel hat er durchs Band verurteilt. Abbas vereinigt nun in seiner Hand alle höchsten Ämter der Palästinenserbewegung, den Vorsitz der PLO, der Fatah und der Autonomieverwaltung. Damit ist er gegen innere Anfechtung weitgehend immun geworden.

Abbas Versuchen, die Macht moeglichst zentral auf sich zu buendeln, kann Kocher daher nur applaudieren. Schliesslich ist der „Widerstand“ die Hauptsache, wo kaemen wir hin, wenn die Palaestinenser am Ende gar demokratische Institutionen in Vorbereitung ihres Staates aufbauen wuerden!

In Kochers Parallelwelt ist ganz klar, dass Abbas‘ „Friedensstrategie“ allenfalls „ideologische Zugkraft“ eingebuesst hat, weil die Israelis schamlos weitere Wohnungen in Jerusalem und innerhalb bestehender Siedlungen bauen. Mit irgendwelcher Korruption, den verlorenen Wahlen von 2006 oder gar der klaeglichen Niederlage gegenueber Hamas im Gazastreifen 2007 kann das gar nichts zu tun haben!
Deswegen muessen Obama und die europaeischen Staaten an die Front, um mit den Palaestinensern zusammen Widerstand gegen Israel zu leisten:

Ob damit die ideologische Zugkraft der Bewegung wiederhergestellt ist, steht auf einem anderen Blatt, denn Abbas‘ Friedensstrategie ist durch die Rückschläge von Oslo schwer belastet und kann nur Früchte tragen, wenn Präsident Obama und die europäischen Staaten die Palästinenser beherzt gegen Israel unterstützen.

Wann trennt sich die NZZ von Victor Kocher?

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