Heiraten in Israel


Ich bin auf einen Artikel in der Sueddeutschen aufmerksam gemacht worden, worin geschildert wird, welche Klimmzuege israelische Paare machen muessen, wenn fuer sie eine orthodox-juedische Trauung nicht in Frage kommt.

Im Grossen und Ganzen ist die Beschreibung zutreffend. Das Fehlen einer standesamtlichen Trauung macht Brautpaaren, die nicht derselben Religionsgemeinschaft oder gar keiner angehoeren, das Leben schwer.

In Israel werden Ehen zwischen Juden und Nichtjuden vom Staat nicht anerkannt. Was tun? Am besten zur Hochzeit nach Zypern fliegen.

Der Untertitel ist faktisch falsch. Wie der Artikel selber ausfuehrt, gibt es in Israel keine standesamtliche Trauungen, sondern nur religioese Zeremonien, so dass Ehen zwischen Partnern, die verschiedenenen Religionsgemeinschaften angehoeren oder auch gar keiner, in Israel nicht geschlossen werden koennen. Andernorts geschlossene Ehen werden jedoch auch in Israel anerkannt. Das ist ja gerade die Grundlage des Heiratstourismus!

Für Ultraorthodoxe wären ihre Kinder keine Juden, sie würden gar als „Mamserim“, Bastarde, gelten.

Das ist falsch. Kinder einer nichtjuedischen Mutter sind keine Juden nach der Halacha. Mamserim aber koennen sie gar nicht sein. Mamser ist naemlich definiert als das Kind einer verheirateten, juedischen Frau aus einer ehebrecherischen Beziehung.

„Viele sind jüdisch genug fürs Militär – aber nicht, um heiraten zu dürfen“

Das ist verzerrend. Die Wehrpflicht in Israel basiert nicht auf Religionszugehoerigkeit, sondern auf der Nationalitaet. Auch drusische Soehne sind wehrpflichtig. Arabische Israelis sind nicht wehrpflichtig, koennen aber freiwillig dienen. Bekanntlich dienen gerade ultraorthodoxe Juden haeufig nicht in der Armee. Da muesste man dann formulieren „zu juedisch fuers Militaer“.

„Jeder Jude ist berechtigt, in das Land Israel einzuwandern“, heißt es im ersten Artikel des Rückkehrgesetzes von 1950. Die Interpretation dessen, wer genau sich denn nun jüdisch nennen darf, wurde damals noch sehr lax gehandhabt. Israel war ein winziges Fleckchen Erde in einem Minenfeld aus Staaten, die es vernichten wollten. Die Versuchung für einen Nicht-Juden, sich ins Land einzuschmuggeln, schien überschaubar zu sein.

Im Grunde ließ man jeden, der im Dritten Reich verfolgt worden wäre oder wurde, einwandern – selbst wenn er nach den Gesetzen der Ultraorthodoxen kein Jude war, sondern beispielsweise nur einen jüdischen Großvater hatte. So bekam auch Elena dank ihres jüdischen Vaters einen israelischen Pass.

Die Darstellung der israelischen Einwanderungsgesetzes ist faktisch falsch und tendenziell. Hier wird suggeriert, dass die Einwanderungspraxis anfangs laxer gehandhabt wurde als heute, um Kaempfer fuer Israels Kriege zu bekommen. Das trifft nicht zu. Dem Rueckkehrrecht wurde 1970 ein Ammendment beigefuegt, wonach Ehepartner, Kinder, Enkel sowie deren Ehepartner ebenfalls unter das Rueckkehrrecht fallen. Diese Bestimmung wurde bewusst parallel zu Rassengesetzen der Nazis gestaltet. Jeder der von den Nazis als Jude verfolgt worden waere, hat das Recht auf Einwanderung nach Israel. Dieses Gesetz wird nach wie vor genauso angewandt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Elena als eine Gefahr für das jüdische Volk angesehen wird

Das ist pure Hetze!

Die meisten seiner Kollegen sehen in Elena jedoch nur eins: eine Gefahr für den Fortbestand des Volkes. Denn auch Elenas Kinder wären „falsche“ Juden.

Elenas Kinder werden keine Juden sein, es sei denn, dass sie sich zur Konversion entschliessen, die ihnen relativ leicht gemacht wuerde. Dass Rabbiner nicht-juedische Frauen als Gefahr fuer das juedische Volk sehen, halte ich fuer schwer uebertrieben. Noch vor zwei Generationen gab es so gut wie keine Eheschliessungen zwischen Katholiken und Protestanten. Soweit ich weiss, laesst die kath. Kirche solche Ehen immer noch nicht zu. Sollte das auf Angst um den Fortbestand des Katholizimus zurueckgehen? Doch wohl eher nicht. Katholische und juedische und vermutlich noch jede Menge anderer Kleriker halten dafuer, dass die Religion eine wichtige Grundlage der Familie ist, so dass sie Heiraten zwischen Menschen mit unterschiedlicher Religion fuer problematisch halten. Die Ausnahme im Islam – Muslime duerfen christliche oder juedische Frauen heiraten – scheint mir nichts mit Toleranz zu tun zu haben, sondern die Rolle der Frau in der Ehe niedrig einzuschaetzen.

Bei einer orthodoxen Hochzeit gibt es beispielsweise einen Vertrag, nachdem der Bräutigam der Familie der Braut eine gewisse Summe für ihre Tochter zahlt. Aber ich will Noa nicht kaufen.

Das ist falsch. Die Summe, die in der Ketubba definiert wird, ist eine Abfindung, die an die Braut selber zu zahlen ist, wenn der Mann sich spaeter scheiden lassen will. Die Braut wird also nicht gekauft, sondern gegen ein Scheitern der Ehe abgesichert. In Zeiten, als es noch keine Unterhaltszahlungen gab, war das eine sehr frauenfreundliche Massnahme!

Die Leserkommentare in der SZ zeigen sehr deutlich, welche psychischen Beduerfnisse der Artikel befriedigt: Die Kommentatoren WM2000, roberto.o, Herr Rabe und MuahDib assoziieren sofort die Nuernberger Gesetze (nicht etwas katholische Trauungen!). Das lassen sie sich auch von Lally und Wurstwesen nicht ausreden und belegen damit ihren Antisemitismus.

Die Redaktion leistet genau diesen Assoziationen Vorschub. Das wird mE belegt durch den falschen Untertitel (die Redaktion, nicht der Journalist ist verantwortlich), durch die Hervorhebung der verzerrenden Behauptung „Viele sind jüdisch genug fürs Militär – aber nicht, um heiraten zu dürfen“ als Zwischentitel und last not least durch die hetzerische Aufforderung, den zweiten Teil zu lesen. Die Journalistin Sarah Stricker wuerde ich dagegen von diesem Vorwurf freisprechen, ihr sind ein paar kleinere Ungenauigkeiten unterlaufen, aber insgesamt hat sie eine zutreffende und nette Schilderung des israelischen Heiratstourismus vorgelegt.

Und warum haben es interkonfessionelle oder nicht konfessionelle Brautleute  so schwer in Israel?

Die Antwort liegt im israelischen Wahlrecht. Israel hat keine 5% Huerde. Die Huerde lag lange bei 0.5%, dann 1% und derzeit bei 1.5%. Das bedeutet, dass die Parteienlandschaft wild zersplittert ist und die grossen* Parteien haeufig auf Kleinstparteien angewiesen sind, um eine stabile** Koalition bilden zu koennen. Dadurch erhalten Kleinstparteien ueberproportionalen Einfluss. Davon profitieren seit der Staatsgruendung vor allem ultraorthodoxe und orthodoxe Parteien, die ihre Waehler jederzeit mobilisieren koennen und ihre Abgeordneten in straffer Disziplin halten. Auch Lieberman, der seinen Waehlern im letzten Wahlkampf die Zivilehe versprochen hat, konnte nur ein sehr abgespecktes Modell liefern. Shas wurde in der Koalition gebraucht und Israel Beitenu ist keine „Ein-Thema-Partei“, sondern willens Regierungsverantwortung fuer das ganze Land zu uebernehmen.

Die Loesung waere meiner Meinung nach eine Aenderung des Wahlrechts. Die Haelfte der Knessethabgeordneten sollten wie in Deutschland in Wahlkreisen gewaehlt werden. Das Prinzip des Wahlkreises (Winner takes it all) wuerde die Zersplitterung etwas mildern. Auch entstuende damit eine direkte Beziehung zwischen Waehlern und Abgeordneten, waehrend der Abgeordnete derzeit eigentlich nur dem Zentralkommitee seiner Partei verpflichtet ist.

* gross = maximal ein Viertel der Abgeordneten, haeufig aber auch weniger

**Ich habe, in den 15 Jahren, die ich in Israel lebe, nie erlebt, dass eine Koalition eine ganze Amtsperiode durchgehalten haette.

30 Antworten

  1. Ein äusserst spannender Blogeintrag, liebe Ruth.

    Mein Freund ist ein Cohen, uns bleibt also auch nichts anderes übrig, als im Ausland zu heiraten, denn nicht einmal eine Konversion würde da helfen.😉

    Ich finde es manchmal schwierig, Nicht-Israelis zu erkären, warum das so ist, weil oft die Reaktionen eben entsprechend sind. Aber gerade für einen Staat mit so vielen verschiedenen Religionen, find ich die israelische Lösung nicht schlecht (wenn auch noch nicht ganz perfekt): Alle heiraten entsprechend ihrer Religion.

  2. Danke,
    ein sehr interessanter Blogeintrag.
    @mia12: Was ist „ein Cohen“?

  3. Cohen ist ein Abkoemmling der Priesterkaste. Cohanim duerfen keine Witwe, keine Geschiedene und auch keine Konvertitin heiraten.

  4. … und keine Prostituierte.😉

    Ruth: Ich habe mal gehört, dass eine Konvertitin nicht als ehrbare Frau gilt, weil man sich über ihre Vergangenheit vor dem Giur nicht sicher sein kann.

    Weisst Du da mehr dazu? Eigentlich dürfen ja Konvertiten nicht in irgendeiner Weise ausgeschlossen oder von „gebürtigen“ Juden unterschieden werden. Ist das bei den Cohanim ein Sonderfall, weil sie theoretisch ins Allerheiligste des Tempels dürfen und es deswegen spezielle Vorschriften gibt?

  5. Cohanim sind ein Sonderfall wegen der rituellen Reinheit, die fuer den Tempeldienst verlangt war.

    Sie „duerfen“ sich ja auch nicht durch Tote verunreinigen, also theortisch nicht auf Beerdigungen gehen. Nur hat das Rabbinat da wenig Moeglichkeiten, das durchzusetzen.

    Die Konvertitin wird nicht als „nicht-ehrbare Frau“ betrachtet, genausowenig wie die Witwe oder Geschiedene. Fuer den Cohanim ist einfach die „reinste“ Frau vorgeschrieben.

  6. Aus einem weiteren Grund ist der Artikel schräg. Es wird nicht erwähnt, dass das Fehlen einer standesamtlichen Ehe ein Fortführung der osmanischen Praxis ist. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Israel nicht von seinen arabischen Nachbarn (wohl aber von der Türkei).

  7. Da hast Du Recht, Marriex,

    es koennte ja auch mal jemandem auffallen, dass die arabischen Israelis, Christen und Muslime, nie gegen das Fehlen einer Ziviltrauung protestieren.

  8. “gebürtigen” Juden unterschieden werden

    Das ist schon richtig, aber auch Witwen und Geschiedene sind geborene Juden und die dürfen Kohanim ja auch nicht heiraten. Ich kenne aber zwei Konvertitinnen, die Kohanim geheiratet haben, ohne das diese auf den Kohenstatus (dann geht es auch halachisch) verzichten mussten. Anscheinend gibt es doch Mittel und Wege.😉

    @beer

    dass diese Journalistin von Mamserim schreibt, wundert mich nicht, denn immer noch meinen viele Nichtjuden, Mamserim wären sog. Bastarde. Nur sind sie es eben nicht in dem Sinne, wie der Begriff Bastard verstanden wird.
    Allerdings sollte man von einer Journalistin, die sich mit religiösen Dingen beschäftigt, verlangen müssen, sorgfältig zu recherchieren. Irgendwie scheint dies in Deutschland in den letzten Jahren nicht mehr „in“ zu sein.

  9. @ Yael

    Mein Freund hat sich mal erkundigt, ihm wurde gesagt, dass er seinen Cohen-Status gar nicht abgeben darf, weil er diesen nicht allfälligen Kindern (die er gar nicht unbedingt will😉 ) vorenthalten darf.

  10. ‚Soweit ich weiss, laesst die kath. Kirche solche Ehen immer noch nicht zu.‘
    Doch, sie lässt. Nur muss das Paar katholisch getraut werden (es geht auch ökumenisch in einer katholischen Kirche) und sich vertraglich verpflichten seine Kinder katholisch zu erziehen.

  11. „Und warum haben es interkonfessionelle oder nicht konfessionelle Brautleute so schwer in Israel?“

    Jetzt drückst Du Dich meines Erachtens unscharf aus. Das israelische Familienrecht ist durchaus diskriminierend. Da Israel meines Wissens keine geschriebene Verfassung hat, sind bestimmte Dinge nicht gesetzlich festgelegt, aber diskriminierend bleiben sie dennoch.

  12. Jetzt drückst Du Dich meines Erachtens unscharf aus. Das israelische Familienrecht ist durchaus diskriminierend.

    Wer genau wird diskriminiert? Letztlich alle, zumindest „demokratisch“ alle Paare, bei denen a) mindestens ein Partner nicht gläubig ist oder b) die Partner einer unterschiedlichen Religion anhängen… also eine Mehrheit der israelischen Gesellschaft – können Mehrheiten diskriminiert werden!? Im Übrigen wurde schon oben geschrieben, daß es sich um ein übernommenes osmanisches Gesetz handelt … das, wie so manch andere (ackerbaulich genutztes Land, bewohnte Häuser), gerne so benutzt wird, daß Israel möglichst schlecht dasteht. Diese alten Gesetze abzuschaffen wäre natürlich mal wieder ein Verbrechen der Zionisten – vermute ich mal. Zumal gerade Lieberman & Co. Solches fordern…

  13. @mia 12

    theoretisch dürfen Gerim ja auch keine Kohanim heiraten, trotzdem scheint es zu klappen (keine Ahnung wie die 2 Paare, die ich vom Sehen kannte, es geschafft haben), aber möglich scheint mehr zu sein, als es eigentlich darf.
    Aber da „nur“ circa 13 Prozent der Juden Kohanim sind, ist die Möglichkeit sich in einen solchen zu verlieben, nicht sehr groß. Außerdem wie will man nachweisen, das jemand ein Kohen ist, wenn er es nicht angibt? Überprüft werden Kohanim, wenn sie in der Synagoge behaupten, solche zu sein, auch nicht. Man glaubt ihm einfach.😉

  14. @willow: Natürlich können auch Mehrheiten diskriminiert werden. Sogar in Demokratien. Komische Frage😉

    Meine five Cents dazu: Die Ehe ist ein religiöses Sakrament und ich finde es irgendwie sympathisch, dass der israelische Staat sich dieses Sakramentes nicht bemächtigt hat wie anderswo. Viele Probleme, die Gläubige vor allem mit der „Homo-Ehe“ haben, ist ja gerade, dass in ihren Augen ein Sakrament „entweiht“ wird, was m.E. nicht sein müsste.

    Was ich dem israelischen Staat als Bürger vorwerfen würde (genauso wie jedem anderen Staat, der dies tun würde), ist dass sie Alternativen nicht zulassen und der Religion Privilegien gewähren.

    Das klingt jetzt verrückt, aber ich bin für „marktwirtschaftliche Ehen“ (bloss dass die dann nicht unbedingt „Ehen“ heissen würden, sondern irgendwie anders und dass es vlt. einen minimalen staatlichen Ordnungsrahmen geben sollte, cf. hierzu Julia Seeliger von den Grünen).

    Was zunächst wie eine libertäre/“anarchokapitalistische“ Spinnerei klingt, macht bei näherem Nachdenken durchaus Sinn. Wieso wollen Atheisten denn „heiraten“? (Jetzt mal abgesehen von der symbolischen Wirkung, dem Liebesbeweis und den Steuerprivilegien.)

    Aus wichtigen Gründen wie der medizinischen Verantwortung für den Lebenspartner, falls dieser bspw. schwer krank wird, für die gegenseitige Absicherung von Rechten und Pflichten aller Art usw. Glaubt hier irgendjemand, die Menschen wären nicht in der Lage für dergleichen eigene Lösungen zu finden und einen Vertrag abzuschliessen, der notariell beglaubigt wird?

    Der Staat diskriminiert mit jedem Privileg welches er einer Gruppe vergibt. Die Gruppe selbst aber nicht. Es ist das gute Recht der Kirche, Synagoge oder Moschee ihre „Klubregeln“ aufzustellen und selber zu bestimmen wer getraut wird oder nicht. Dass der Staat ihnen jedoch ein Monopol/Oligopol zum Leidwesen der angesprochenen Gruppen gewährt, ist hingegen aus liberaler Sicht sein Fehler, wenngleich ich verstehen kann, dass Ben Gurion das getan hat um zu seiner Zeit das Volk zu einen. Es ist aber heute wohl nicht mehr zeitgemäß.

    Der Markt bzw. die Zivilgesellschaft würde das m.E. alles von selbst lösen, man muss die Menschen nur machen lassen.

    So, das war jetzt mal ne ganz verrückte Meinung zu dem Thema und ich meine das durchaus ernst, wohlwissend dass Partnerschaftsverträge zwar nicht sehr romantisch sind, aber in unserer Zeit durchaus gescheit, wie ich finde.

    Ansonsten nehmt es mir nicht übel, ist nicht bös gemeint, aber irgendwie empfinde ich eure Diskussionen als „aus einer ganz eigenen Welt“, die ich irgendwie ziemlich abgedreht finde, wieso ich jetzt auch mich mal getraut habe, meine Meinung „aus meiner ganz eigenen Welt“ reinzuposten 😉

    Liebe Grüsse an alle, CK.

  15. Medbrain,

    ich kann nicht sehen, dass das israelische Familienrecht diskriminiert. Das Familienrecht wurde ja gerade geschaffen, um der Diskriminierung der Frauen in den jeweiligen religoesen Familienrechten soweit moeglich entgegenzuwirken. Wenn sich nun ein juedisch-israelisches Paar scheiden lassen will, setzt ein Wettrennen ein: Die Frau zum Familiengericht und der Mann zum Rabbinat. Wer zuerst ankommt, hat in Sachen Vermoegensteilung und Unterhalt das fuer sie/ihn guenstigere Gericht erwischt. Ich muesste mal nachfragen, ob das bei muslimisch-israelischen und christlich-israelischen Paaren auch so ist… Die Diskriminierung gegen die Frau und gegen Menschen anderer Konfession geht von den Religionen aus und nicht vom Staat.

    CK

    Die „vertragliche Ehe“ (beim Notar) gibt es in Israel sehr wohl. Sie wird auch juedischen Paaren empfohlen. Ein Ehevertrag vor der religioesen Trauung kann die Diskriminierung der Frau mildern oder sogar aufheben. Z.B. kann bereits stipuliert werden, dass die materiellen Aspekte einer etwaigen Scheidung vor ein Familiengericht kommen. Oder auch, dass nach X Monaten, sollte der Mann seine Frau verlassen, eine Scheidung in Kraft trifft. Die „gefesselte Frau“ (Aguna) ist ein brennendes Problem. Da der Mann in der religioesen Scheidung den Scheidbrief uebergeben muss, ist keine Scheidung moeglich, wenn der Mann verschwindet oder sich weigert. Im Fall eines solchen Vertrags, muss er den Scheidungsbrief im voraus schreiben lassen und einen Stellvertreter ernennen, der ihn unter genau definierten Umstaenden uebergibt.

    Es gibt natuerlich auch das Zusammenleben ohne Trauschein. Das heisst „jedua b’zibor“ (in der Oeffentlichkeit bekannt). Partner aus solchen wilden Ehen sind bei Rentenanspruechen und Erbfaellen Ehepartnern aus offiziellen Ehen gleichgestellt.

    Ich sehe kein Problem mit dem Oligopol an die verschiedenen Religionsgemeinschaften, nur sollte man sozusagen noch die Religionsgemeinschaft „nicht-religioes“ hinzufuege. Dann kann sich wirklich jeder aussuchen, was er oder sie haben mag, auch ohne die Reise nach Zypern.

  16. @ beer 7

    „Ich muesste mal nachfragen, ob das bei muslimisch-israelischen und christlich-israelischen Paaren auch so ist…“

    Zu Frage eins dürfte man hier fündig werden:

    http://www.amazon.com/Women-Islamic-Law-Non-Muslim-State/dp/0765809834

    Habe leider momentan keine Mußestunde.

  17. Gefährliche Dummheit: Wie die Nürnberger Gesetze nach Zypern kamen

    Es gibt Artikel, da geht schon aus der Titelzeile hervor, dass nichts Gescheites folgen wird. So auch am 8. August 2009, als die Süddeutsche den Artikel „Jawort ohne Jahwe“ brachte. Trotzdem hat unser Autor weitergelesen. Offensichtlich wurde es irgendwann auch der Online-Redaktion der Süddeutschen Zeitung zu bunt. Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der Reportage von Sarah Sticker über standesamtliche Trauungen israelischer Paare auf Zypern wurde die Kommentarfunktion abgeschaltet…

    http://www.hagalil.com/archiv/2009/08/13/heirat/

  18. Danke fuer den Link, Yael.
    Janis Pelachis geht mit der Autorin strenger um als ich, entschuldet aber staerker die Redaktion, der ich unterstelle, mit den Naziassoziationen mehr oder weniger bewusst zu spielen. Ansonsten ist sehr klar, was von dem Artikel zu halten ist.

  19. @Beer 7:
    „Ich sehe kein Problem mit dem Oligopol an die verschiedenen Religionsgemeinschaften, nur sollte man sozusagen noch die Religionsgemeinschaft “nicht-religioes” hinzufuege. Dann kann sich wirklich jeder aussuchen, was er oder sie haben mag, auch ohne die Reise nach Zypern.“

    Und so lange das nicht so ist, ist das juedische Familienrecht diskriminierend – es zwingt seine Staatsbürger, für zivilrechtliche Ehen ins Ausland zu reisen.

    Und ja, Willow, auch eine Mehrheit kann diskrimineirt werden, CK hat das ja sehr sachlich erläutert.

  20. „Dass der Staat ihnen jedoch ein Monopol/Oligopol zum Leidwesen der angesprochenen Gruppen gewährt, ist hingegen aus liberaler Sicht sein Fehler, wenngleich ich verstehen kann, dass Ben Gurion das getan hat um zu seiner Zeit das Volk zu einen. Es ist aber heute wohl nicht mehr zeitgemäß.“

    „Der Grund dafür, dass in Israel das Eherecht (was neben Hochzeiten auch die Scheidungen betrifft) exklusiv den Religionsgemeinschaften übertragen wurde, ist keineswegs nur einem Kompromiss der Zionisten mit der jüdischen Orthodoxie geschuldet. Mit seinem im Artikel erwähnten Status-quo-Brief vom Juni 1947 hat David Ben Gurion nicht nur das Eherechts-Monopol der Orthodoxen, sondern auch das der Muslime und der christlichen Konfessionen bestätigt, das schon im Osmanischen Reich und unter britischen Mandat zur Erhaltung des Religionsfriedens im „heiligen Land“ galt.“

    http://www.hagalil.com/archiv/2009/08/13/heirat/

  21. […] auf die Welt – von Beer Sheva aus“. in einem post hat sich ruth mit dem thema “heiraten in israel” beschaeftigt. es geht um einen artikel aus der sueddeutschen zeitung. weitere kommentare vom […]

  22. „Die Diskriminierung gegen die Frau und gegen Menschen anderer Konfession geht von den Religionen aus und nicht vom Staat.“

    Das war schon immer so, wieso man sich als Frau oder überhaupt als Mensch auch überlegen kann inwiefern man noch was mit Religion zu tun haben will, solange das Mitmachen freiwillig ist. Wobei es natürlich besonders schlimm wird, wenn diese beiden Institutionen Staat und Religion sich zusammentun wie in islamischen Gottesstaaten (vor allem Saudi-Arabien und Iran.) Dass es im Judentum heute noch ein Vorteil für den Mann ist vom Rabbinat geschieden zu werden, wusste ich auch bis gestern nicht.

    „Die “vertragliche Ehe” (beim Notar) gibt es in Israel sehr wohl.“

    Noch etwas was ich nicht wusste. Und ein Beweis dafür, dass gerade das Weglassen von Informationen ein falsches Bild in Zeitungen zeichnet. In dem Fall würde ich mich natürlich nicht beschweren, weil alles Andere mich gar nicht interessiert. Es gibt auch m.E. keinen Anspruch darauf, religiös heiraten zu dürfen, genauso wenig wie es einen Anspruch auf Zutritt zu einem Golfclub gibt, welcher nach strengen Kriterien seine Mitglieder aussucht. Ich kann verstehen, dass dies für „Misch-Ehen“, wo die Partner Wert auf eine Trauung in einem Gotteshaus legen, bitter ist, aber es gibt nun mal „Klubregeln“, denen man sich freiwillig verpflichtet hat, wenn man demselben beitritt. Ein vom Staat erzwungenes „Recht auf eine religiöse Trauung“ wäre kein Recht mehr, sondern eine Rechtsverletzung, nämlich eine Verletzung des Eigentumsrechts der Kirche durch den Staat. Die Kirche muss schon freiwillig zustimmen.

    „Partner aus solchen wilden Ehen sind bei Rentenanspruechen und Erbfaellen Ehepartnern aus offiziellen Ehen gleichgestellt.“

    Wieder etwas was man unbedingt hätte im SZ-Artikel erwähnen müssen, weil es viele Agnostiker und Atheisten wie mich gibt, denen es genau um solche Dinge geht, wenn sie an „Heiraten“ denken und eben nicht um das heilige Sakrament der religiösen Ehe, welches ich als Ungläubiger aus Respekt vor den Gläubigen gar nicht entweihen möchte. Ich kann auch Homos nicht verstehen, die sich einen Segen von der Kirche holen wollen, ein Unsinn sondergleichen. Wichtig sind allein Grundrechte und Vertragsfreiheit. Der Rest erledigt sich von selbst. Laisser-faire rocks😉

    „Ich sehe kein Problem mit dem Oligopol an die verschiedenen Religionsgemeinschaften, nur sollte man sozusagen noch die Religionsgemeinschaft “nicht-religioes” hinzufuegen.“

    Vollkommen Deiner Meinung.

    @yael1: Ja, habs gelesen. Aber was ich da nicht ganz begreife: wäre es nicht sogar gerade für den Religionsfrieden von Vorteil wenn es möglichst viele Mischehen gäbe?

  23. „@yael1: Ja, habs gelesen. Aber was ich da nicht ganz begreife: wäre es nicht sogar gerade für den Religionsfrieden von Vorteil wenn es möglichst viele Mischehen gäbe?“

    Aus jüdischer Sicht definitiv nein. Das Problem vor allem ist, wenn die Frau keine Jüdin ist bzw. nicht jüdisch wird, sind es die Kinder dann wiederum nicht und so gehen diese dem Judentum verloren. Da wir im Gegensatz zum Islam und Christentum nur wenige sind, sind diese Verluste sehr einschneidend.
    Religionsfrieden bedeutet ja nicht zwangsläufig, untereinander zu heiraten. Ich denke, die Probleme, die manche mit anderen haben, liegt selten an der Religion.

  24. Vielen, vielen Dank, Ruth! Dein Artikel so wohltuend aufklärend über den Schundjournalismus der Süddeutschen, es ist befreiend.

  25. Sehr schön geschrieben. Allerdings erkennt die kath. Kirche Mischehen zw. Protestanten und Katholiken mittlerweile an😉 Unter bestimmten vorraussetzungen, natürlich.

  26. […] ich bisher meinte seriösen deutschen Tageszeitung wiederzufinden hat mich dann doch schockiert.  Hier erklärt Dir eine geschätzte Mitbloggerin, wie tief Du Dich da in den braunen Sumpf verlaufen […]

  27. yael1:

    Wow, ich suche seit geraumer Zeit nach jemandem der vielleicht eine Antwort für uns hat!!
    Ich wohne seit nun bald 5 Jahren in New York, wo ich vor 4 Jahren die Liebe meines Lebens kennenlernte: er Kohanim, ich Katholikin. Wir haben uns damals wegen des Druckes getrennt und waren die längste Zeit einfach nur Freunde. Nun haben wir uns als Paar wiedergefunden, eine Lösung gibt es aber doch „noch nicht“. Ich würde auch konvertieren, keine Frage!! Doch seine Eltern sind sehr konservativ und würden mich wohl nie akzeptieren. Ich hasse es ihn in so einer misslichen Lage zu sehen.
    Und da stosse ich auf Deinen Kommentar, von wegen, es sei möglich, dass wir zusammen sein können, bzw. heiraten UND er seinen Kohanim-Status beibehalten könnte?!
    Kannst Du uns weiterhelfen?
    1000 Dank
    Lea81

  28. @ lea81

    ich würde dir und deinem freund empfehlen, doch noch einmal ganz genau zu schauen, ob ihr tatsächlich heiraten wollt. wenn ja, tut es, auch wenn es der familie vielleicht schwer fällt. aber ehrlichkeit macht sich vermutlich am ehesten und längsten bezahlt und die familie wird sich schon gewöhnen…
    wenn sich herausstellt, dass ihr gerne einen jüdische familie gründen wollt und in irgendeiner form jüdisch leben möchtet, dann konvertiere. auf den cohen-status allerdings wird dein freund so oder so verzichten müssen. ich persönlich kenne niemanden, der eine gioret geheiratet hat (oder gar eine nichtjüdin) und dies nicht getan hätte und kenne einige, die auf den cohen-status verzichten mussten. davon ist die welt keineswegs untergegangen. die aussage, dass man den cohen-status seinen kindern nicht vorenthalten soll… klingt abstrus. mit einer nichtjüdischen mutter sind die kinder ohnehin nicht jüdisch und der cohen-status vollkommen irrelevant. ist die mutter konvertiert, so werden die kinder ihren status verlieren, zumindest in der orthodoxie. wie das in den anderen strömungen ist, weiss ich nicht, reform berücksichtigt den cohen-status, glaube ich, überhaupt nicht mehr.
    man kann eben nicht immer alles haben😉.

    alles gute und ich hoffe, ihr kommt zu einer für euch guten lösung.

  29. @ lea81

    nein, ich kann dir leider nicht helfen.
    Ich kenne das Ehepaar aus Hamburg und kann garantieren, dass er weiterhin ein Kohen blieb und seine Frau eine Gioret.
    Ich weiß aber nicht, wie sie das geschafft haben, denn fragen wollte ich sie nicht danach.

  30. […] […]

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