Archaeologie und Politik


In Arutz Sheva lese ich heute, dass der World Archeology Congress (WAC) Israel nicht zur gerade stattfindenden Zwischenkonferenz in Ramallah eingeladen habe. Der WAC veranstaltet alle vier Jahre eine Konferenz und dazwischen anscheinend mehr oder regelmaessig Zwischenkonferenzen.

In einem Update vom 5. August schreibt der WAC:

Participation Issues

The world is a complex place, and due to Israeli government regulations, it appears that some Israeli archaeologists who may have wished to attend WAC Ramallah may be unable to do so. We regret the situation. We are trying to arrange for a screening of the proceedings that will be available in East Jerusalem. More specific information will be available as soon as possible. Other potential attendees are even less fortunate because they simply cannot afford the travel to Ramallah. We will therefore make the proceedings, including the talks, roundtables and dicussions, available on this website soon after the intercongress. In this way, we hope to open a longer term dialogue.

Nun ist es zweifellos richtig, dass der Staat Israel israelischen Staatsbuergern nicht unbedingt erlaubt, Hoheitsgebiet der PA zu betreten. Ein bisschen stutzig macht mich aber der schnoddrige Eingangssatz, mit dem suggeriert wird, der oder die Israelis, die sich beschwert haben, seien zu doof, um komplexere Zusammenhaenge zu begreifen.

Im Artikel von Arutz Sheva kommt Dr. Uzi Dahari ausfuehrlich zu Wort, der dem WAC vorwirft, sich politisch mit den Palaestinensern zu identifizieren. Seine Ausdrucksweise ist alles andere als diplomatisch. Entweder handelt es sich um einen Hitzkopf, der wegen fachlicher Qualitaeten die Stelle des Vizedirektors der Israeli Antiquities Authority erhalten hat, und nicht recht kontrolliert werden kann. Oder Dr. Dahari weiss sehr genau wovon er spricht, was auf fruehere Erfahrungen schliessen laesst.

Und presto, was finde ich? Folgende Pressemitteilung der Praesidentin der WAC vom Januar 2004. Darin wird in oberflaechlichster Weise Israel unterstellt, gezielt palaestinensische archaeologische Staetten zu zerstoeren.

Dr. Dahari erwiderte in deutlich wissenschaftlicherem und sachlicherem Ton sowohl auf diese Presseerklaerung wie auch auf die anscheinend dahinter stehenden Vorwuerfe von Dr. Najat El Hafi. Seine Aussage ist, dass nicht zwischen palaestinensischen und israelischen archaeologischen Staetten unterschieden werden koenne, die Geschichte des Landstrichs kann nicht nach nationalen Narrativen aufgespalten werden. Er fuehrt einige Beispiele an, wo israelische Archaeologen islamischen Staetten ausgegraben haben, die vorher nicht bekannt waren, ohne sich zu fuerchten, dass damit der juedische Anspruch auf das Land untergraben wuerde.

Dr. Najat El Hafi scheint palaestinensischer Herkunft zu sein. Studiert hat sie in England und gegenwaertig lebt sie in Luxembourg. Der Titel eines Beitrags, den sie fuer die Anthologie „Our Precious Past“ verfasst hat, laesst deutlich erkennen, worum es ihr geht:

Palestine’s Archaeology: How to Promote One’s Own Political Agenda

Bemerkenswerterweise wird Dr. El Hafi auf der Pressemitteilung vom Januar 2004 noch als WAC Mitglied des WAC-Rats direkt nach Dr. Smith aufgefuehrt. Inzwischen aber kann ich ihren Namen auf der Seite des WAC nirgends finden.

Mein Befund: Der in akademischen Kreisen so modische Antisemitismus hat laengst auch den WAC angesteckt. Wohl bekomm’s!

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Eine Antwort

  1. […] Nicht mal die Archäologie ist mehr vom Antisemitismus unberührt. […]

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