Noten fuer die Gleiche Gesellschaft


Unsere Grosse wurde vor drei Jahren in einem landesweiten Screening als „hochbegabt“ eingestuft und erhaelt seither besondere Foerderung. In diesem Zusammenhang bin ich sensibler dafuer geworden, wie Begabtenfoerderung angegriffen wird. Eine Gesellschaft, die dem Ideal der „Gleichheit“ (nicht etwa Gleichheit vor dem Gesetz und soweit moeglich Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit) hinterherjagt, kann schlecht akzeptieren, dass manche Menschen von Geburt an begabter sind als andere. So wird nach Wegen gesucht, diese Unterschiede moeglichst zu nivellieren.

In Ha’aretz von heute habe ich das neueste Beispiel gefunden:

It is unacceptable that a student can flout studies all year, not do his homework, yet get a 90 on the final and be happy. From now on, the final grade will reflect not only test results but other parameters, too,“ she [Mitglied des relevanten Ausschusses des Erziehungsministeriums] said.

Warum kann das eigentlich nicht akzeptiert werden? Wenn ein Schueler das Unterrichtsmaterial voll beherrscht, auch ohne Hausaufgaben zu machen und fuer Klassenarbeiten zu leren, warum soll sein Wissen weniger gelten? Umgekehrt, wenn ein Schueler trotz aller Anstrengungen das Unterrichtsziel einfach nicht erreicht, warum kann ihm nicht zugemutet werden, seinen Fehlschlag zu ertragen?

Meines Wissens werden Mitarbeit und Erledigen der Hausaufgaben uebrigens auch heute schon in den Noten beruecksichtigt, allerdings wohl nicht mit 15-20% der Gesamtnote!

Als ich in Deutschland arbeitete, war der Code fuer Arbeitszeugnisse so, dass „bemuehte sich sehr“, „gab sich viel Muehe“, „unternahm grosse Anstrengungen“ im Klartext bedeutete, dass der oder die Betreffende keinerlei Leistungen und Begabungen vorzuweisen hatte.

Schon heute ist die „Bagrut“ (israelisches Abitur) ziemlich irrelevant, wenn es darum geht, einen Studienplatz zu bekommen. Die Universitaeten verlangen fast immer zusaetzlich pyschometrische Pruefungen. Ich halte es fuer sehr wahrscheinlich, dass der Reichtum der Eltern beim Ergebnis der psychmetrischen Pruefungen mehr Signifikanz hat als bei der Bagrut. Wer vorher mit Nachhilfelehrern gezielt und systematisch pauken kann, ist eindeutig im Vorteil gegenueber denjenigen, die sich das aus finanziellen Gruenden nicht leisen koennen.

Wie so oft, werder derart „progressive“ Ideen genau denjenigen schaden, denen sie angeblich nuetzen sollen.

16 Antworten

  1. Und solche für Gleichmacherei einstehenden „progressiven“ Leute haben in der Regel noch die Dreistigkeit Vokabeln wie „Differenzierung“, „Indiviualisierung“ usw. dafür anzuführen, wenn sie alle über denselben Kamm scheren wollen. Und sie beklagen Vermassung, sind aber für Schulsysteme, die sich nur mit Riesenschulen machen lassen, in der sich Masse nicht einmal ansatzweise vermeiden lässt.

  2. @beer7: „Dass manche Menschen von Geburt an begabter sind als andere.“

    Hmm, gibt es das überhaupt? Das hängt doch davon ab, worum es geht. Es gibt sicherlich geistig hochbegabte Menschen (vlt. zählt Deine Tochter da dazu), die dann auch irgendwann grosse Sachen entdecken, erfinden, erforschen usw., aber dafür sind die vielleicht nicht gut in Musik oder in Sport. Wiederum ein Anderer spielt vielleicht göttlich Basketball, hat aber wenig Hirn. Jeder Mensch hat bekanntlich seine Stärken und Schwächen und jeder sollte sich nach seinen Fähigkeiten entfalten dürfen und gefördert werden.

    Das Schöne an einer möglichst freien und vielfältigen Marktwirtschaft ist, dass normalerweise jeder irgendwo nachher seinen Platz im Arbeitsleben findet und zu etwas kommen kann.

    Das Hässliche jedoch am heutigen quasi-staatsmonopolistischen Bildungssystem (weiss nicht wie es in Israel dbzgl. aussieht), ist jedoch dass Bildungsfreiheit und -vielfalt auf der Strecke bleiben und genau dies nicht passiert.

    Nicht mal ein Voucher-System haben wir (übrigens auch wieder etwas, was der ach so progressive Obama in den USA abschaffen möchte.) Die Sozis wollen alles gleich machen, alle in die Gesamtganztagsschulen und „Bürgerliche“ wollen am starren, unflexiblen und in der Tat sozial tradierendem „Klassen“-system festhalten.

    „Warum kann das eigentlich nicht akzeptiert werden?“

    Ja, das frage ich mich auch. Leider kann man davor nicht weglaufen, weil es kaum Alternativen gibt, bzgl. Abschlüsse sowieso und Autodidakten sind ja leider nichts mehr wert. Dieses zentralistische, autoritäre, paternalistische Schulsystem ist unerträglich. Wenn man heute etwas von den Bürokraten befreien muss, dann das Bildungssystem.

    @heplev: Du sagst es. Als Ex-Linker kann ich über solche Sozis immer nur den Kopf schütteln. Freiheit und Vielfalt statt Gleichmacherei!

    http://lforliberty.wordpress.com/2009/04/19/bildungsfreiheit-braucht-das-land/

    http://lforliberty.wordpress.com/2009/06/18/wenn-bei-wohlstandskindern-die-bildung-streikt/

  3. Diese IQ-Tests oder „Screenings“ sind naturgemäss Befähigungstests, bei denen der Ersteller und Verwalter dieser Tests bestimmt, was „Befähigung“ (oder sogar „Intelligenz“) ist.
    Das baer nur ganz nebenbei…
    Beste Grüße!

  4. @CK:
    „Ex-Linker“? Hätte ich Dir nicht zugetraut, werde nie verstehen, wie man links (oder rechts) sein kann.

  5. Ui, wieso ist der letzte Link von mir denn jetzt gleich als Video hier reingestellt worden? Da habe ich wohl in der Eile gestern nicht aufgepasst.

    Aber wer auch immer sich dieses Video nun ansieht, sieht meine „Traumfrau“ in der Politik. Nahezu alles, was Sabine Herold sagt, egal zu welchem Thema, nicht nur bzgl. Bildung, deckt sich zu nahezu 100% mit meinen Ansichten, es ist wie Seelenverwandschaft🙂

    @webbaer: Naja ich war nie „links“ im Sinne von „linksextrem“, ich war also nie Kommunist/Marxist oder Staatssozialist, aber ich habe in der Tat eine „sozialdemokratische“ Vergangenheit, genauer gesagt eine grüne, denn ich war mal- wenn auch nur passives Mitglied- in deren Jugendorganisation während meiner Studentenzeit. Dies sehe ich heute als „Verirrung“ an und vertrete längst in vielem diametrale Ansichten zu dem, was ich früher vertrat. Man wird ja erwachsen, vor allem aber liest man ja auch immer wieder Neues, lernt plötzlich große liberale Denken kennen und so fängt man an nachzudenken, sieht plötzlich Dinge, die man vorher nicht sah, hat neue Erkenntnisse …

    Es ist ja auch, u.a. bei unserem Bildungssystem, überhaupt nicht verwunderlich, dass soviele Liberale nicht von Anfang an Liberale waren, oder? In der liberalen Bloggersphäre gibt es ja überhaupt viele Ex-Linke, denk nur mal an die Achse des Guten bspw.

  6. Die Besten lassen sich vom Bildungssystem nicht beeinflussen. Ex-Linken traue ich auch deutlich weniger, vgl. Zettel u.a., aber klar, man lernt hinzu, no prob.

  7. Ach so, Posener und Stein fallen mir da noch ein, siehst Du, da man muss man aufpassen, H.Stein scheibt auch nix mehr (aus „Solidarität“).

  8. @webbaer: Neben dem Bildungssystem gibt es dann noch die Medien, die Freunde, das soziale Umfeld (vor allem Familie). War zwar immer ein Querdenker, aber wirklich liberal wurde ich erst mit zunehmendem Alter halt. Respekt, wenn das bei Dir anders war.

    Was ist mit Zettel? Kenne den nicht.

    Posener war im Gegensatz zu mir wirklich bei den Kommies. So links wie der war ich nie. Aber Broder, Maxeiner und Miersch sind tolle Liberale und kommen alle drei von links her.

  9. „Zettels Raum“ (oder so ähnlich), eigentlich eine Standardreferenz, bin auf den Kollegen aber nicht sonderlich gut zu sprechen; war auch ein Linker.
    Das Bildungssystem ist natürlich grausam, hatte dort auch einige Fehleinstellungen, bspw. bzgl. Israel oder den amer. Republikanern, entwickelt. Dort wird ja teilweise grotesk desinformiert, am schlimmsten sind die Lehrer, LOL.

  10. Irgendwie haben „linke“ Schulmodelle die Tendenz, sich hauptsächlich um die lernschwachen Schüler zu kümmern – was ziemlich zwangsläufig dazu führt, daß die potentiell leistungsstarken Schüler ausgebremst werden. Aber „Leistung“ ist ja verdächtig, Gleichmacherei das erklärte Ziel… zumindest für „die Anderen“, für die eigenen Kinder gibt es ja zum Glück Waldorf-, Montessori und Privatschulen.

    Die eigentliche Herausforderung müßte doch darin bestehen, sowohl den Schülern mit Lernproblemen als auch den schulisch Hochbegabten soviel wie irgend möglich „mitzugeben“. In diesem Sinne kann ein gegliedertes Schulsystem durchaus Vorteile haben…

  11. @webbaer: Jaja, die guten Pauker, erzähl mir da nichts😉

    Wenigsten hatten wir in Französisch mal ne attraktive Lehrerin, Mitte Vierzig, aber selbst für einen Jugendlichen wie mich damals heiss, die hat sich tierisch über die Taliban in Afghanistan aufgeregt. Die war politisch wenigstens noch vernünftig und hat nicht Frankreich, die USA oder Israel zu Feinden erklärt.

    @willow: Abgesehen von Deinem Namen, der mich an eine kultige Trashserie für Teenies erinnert, die ich mir auch immer gerne ansah, finde ich auch Deine Beiträge immer wieder richtig gut. Hut ab.

    Ypsilanti predigte ja auch diese SPD-Bildungspolitik, aber das eigene Kind wurde auf ne Privatschule geschickt😉
    (Von Waldorf halte ich allerdings wenig bis nichts.)

  12. und wenn ich *so* aussehen würde!?

    😉

    PS: Waldorfschulen sind ein ziemlich elitärer Haufen (keine Unterschichten, keine problematischen Migranten), bissel seltsam, aber nich zu unterschätzen… war nich sogar Kanzler Kohl bein denen?

  13. @willow: Was dann? Dann fände ich deine Beiträge immer noch sehr gut, aber die Vorstellung, dass Du so aussiehst, gefällt mir halt noch besser:
    😉

    Waldorf? Rudolf Steiner und Anthroposophie. Hilfe. Aber die haben schon gute Resultate, das stimmt. Bzgl. Kohl k.A. Aber ein Freund von mir war mal in einer solchen Schule und spricht heute noch hasserfüllt darüber. Aber jeder macht halt andere Erfahrungen.

  14. Ups, Link vergessen:

    😀

  15. http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/waldorfschulen_sind_auslaenderfreie_zonen/
    😉

  16. @willow (egal ob Hexe oder Zwerg😀 ): Sehr gutes Interview, danke! Bringt Wesentliches auf den Punkt.

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