Redefreiheit und was mancher darunter verstehen moechte


Andre Marty ist mir nicht unbekannt. Er ist der Mann vom Schweizer Fernsehen und nicht gern in Israel. Aber er berichtet gern all das Negative, das ihm in Israel widerfaehrt und ueberhaupt von Israel ausgeht.

Sein juengster Blogeintrag beschaeftigt sich mit Neve Gordon und dessen Aufruf zum Israel-Boykott. Dabei geraten ihm verschiedene Details durcheinander.

Es waren naemlich vor allem US-amerikanische Grosspender ueber den Artikel empoert. In Israel selber hat die Angelegenheit viel weniger Wellen geschlagen. Schliesslich haben wir schon Ilan Pappe ueber uns ergehen lassen, der zum Boykott der Universitaet Haifa aufrief, waehrend er dort sein Gehalt bezog. Dagegen waren die Amerikaner offensichtlich ueberrascht, welch antizionistischen Toene an israelischen Universitaeten Usus sind. Frau Rivka Carmi, Praesidentin der BGU, hat nicht umsonst in der Los Angeles Times ihre Replik veroeffentlicht, waehrend Yediot Achronot, die groesste israelische Tageszeitung, sich mit einem Bericht ueber den Text in der LA Times begnuegen musste. Sie moechte Schaden von der Universitaet abwenden, die bereits durch die Madoffaffaire finanzielle Engpaesse erleidet. In ihrem Text deutete Frau Carmi auch an, dass Gordon von der Universitaet nur entlassen werden kann, wenn er als Krimineller verurteilt werden sollte. Das geht eigentlich ueber die Rede- und Denkfreiheit hinaus, die Marty in Israel nicht gewaehrleistet sieht. (Wenn ich es mir Recht ueberlege, hat meine Suche nach einer neuen Stelle moeglicherweise damit zu tun, dass ich meinem Chef zu deutlich widersprochen habe. Weia, meine Redefreiheit ist nicht garantiert!) Dagegen kann Gordon sagen und schreiben, was er will. Seine Vorgesetzte kann ihm mangelnde Kollegialitaet vorwerfen, aber entlassen kann sie ihn nicht.

Marty verwechselt die Rede- und Denkfreiheit mit der Garantie, keine Kritik ertragen zu muessen.

Den Gefallen kann ich ihm persoenlich leider nicht tun. Neve Gordon schreibt Bloedsinn, der allein schon dadurch widerlegt ist, dass er an der BGU zwei arabische Kollegen hat, die ihrerseits auch gern auf Israel einschlagen. Und Herr Marty, der in Israel ebenfalls nicht ungern das Boese sieht, verwendet billige Taschenspielertricks, um sein Vorurteil zu rechtfertigen.

Meine Rede- und Denkfreiheit erlaubt mir, diese Urteil abzugeben.

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6 Antworten

  1. Es ist meist auch noch besonders interessant zu sehen, wie solche Leute (re-)agieren, wenn Leute dieselben Freiheiten bekommen wollen, die die Martys den Gordons sichern wollen…

  2. Ich zitiere Kommentare aus dem Blog von André Marty:

    Philippe Schnyder:
    Besser kann man es nicht sagen, ich persönlich ziehe aber auch gerne Vergleiche zum Eisernen Vorhang… Da hatte man als „Bürger“ dahinter auch nicht viel zu husten…
    Mittwoch, 9. September 2009 um 00:25 >> antworten

    Martin:
    Ein mutiger Mann, dieser Neve Gordon. Seiner Analyse und Schlussfolgerung kann ich nur beipflichten. Obwohl ich persönlich Produkte aus Israel schon lange nicht mehr kaufe, glaube ich nicht an die Wirksamkeit von wirtschaftlichen Boykotten. Die sind oft kontraproduktiv und machen das boykottierte Land noch geschlossener und sturer. Ich glaube aber an die Wirksamkeit internationalen, insbesondere amerikanischen Druckes auf Israel. Denn dieser Staat wurde erschaffen von den damaligen Weltmächten und überlebt seither nur dank dem amerikanischen Staat. So wie diese Weltmächte damals den jüdischen Wunsch nach einem eigenen Staat erfüllten, müssen sie heute den gleichen Wunsch der wegen Israel vertriebenen und unterdrückten Palästinensern nach einem eigenen Staat erfüllen. Wenn die USA (bzw. UNO) also in ihrer Politik glaubwürdig bleiben wollen, müssen sie dafür sorgen, dass Israel zur Vernunft kommt und sich nicht weiterhin wie ein kleiner „Frankenstein“ aufführt und sich damit selbst ins Verderben stürzt.
    Mittwoch, 9. September 2009 um 10:16 >> antworten

    hans meierhans:
    was soll denn der kommentar betreffend der akademischen denkfreiheit? diverse fälle wie zum beispiel der im artikel genannte, aber auch derjenige von ilan pappe und anderen beweisen doch, dass akademische freiheit in israel in hohem grade gegeben ist.

    erinnern sie sich doch nur als ein gewisser HSG-dozent in deutschland aussagen ging, die schweizer hätten bei steuerhinterziehung kein unrechtsbewusstsein…
    Freitag, 11. September 2009 um 13:28 >> antworten

    André Marty:
    @“Hans Meierhans“:

    Werter Hans Meierhans mit nicht funktionierender e-mail-Adresse und somit mutmasslich unter Pseudonym schreibend,

    Ilan Pappe, den Sie zitieren, schreibt auf seiner eigenen Website (ilanpappe.com), er habe nach Todesdrohungen die Universität Haifa verlassen müssen. Als der Politologe Haggai Ram darauf verwies, dass Israels Politik, Lehre und Medien ein verfälschtes Bild des Iran verbreiten würden, forderte ihn der Präsident der Universität Ben Gurion zum Rücktritt auf; dasselbe geschieht zur Zeit mit Neve Gordon. Und es wird Sie nicht erstaunen, dass es in Israel eine Page gibt mit dem sinnigen Titel „Campus watch“, auf der Professoren mit liberalen Positionen auf wenig zimperliche Art und Weise vorgeführt werden.

    Gewiss, dass Beispiel des (deutschen) HSG- Prof zeigt, wie emotional längst nicht nur in Israel auf akademische Kritik reagiert wird.

    Aber macht das Schweizer Beispiel die Sache besser? Und wissen Sie nebst diesem von anderen Vorfällen?

    Wer, wenn nicht die Lehre, hält den Finger drauf — die Journalisten ja schon länger nicht mehr wirklich, leider.

    Und: Erinnern wir doch wieder einmal an die Spielregelnd des Blogs, sprich funktionierende e-mail-adresse und Klarnamen. Sonst gilt: Shift, delete

    Quelle:http://www.andremarty.com/index.php?/archives/339-Boycott-Israel-wirklich.html#comments

    Gruss
    Urs

  3. Natuerlich, wenn Ilan Pappe auf seiner Webseite irgendetwas schreibt, dann ist das die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit!

    Urs, gib’s auf: Marty ist ein Antisemit, und demzufolge ist ihm mit Fakten nicht beizukommen…

  4. Mir geht es um etwas anderes. Ich will nicht Marty überzeugen.
    Gruss
    Urs

  5. Um was geht es Dir denn, Urs?

  6. Dazu möchte ich mich im Moment nicht erklären.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ralf_balke_akademischer_heuchler/

    Ralf Balke: Akademischer Heuchler
    Ein Boykott-Aufruf in der Los Angeles Times sorgt für Aufregung an der Ben-Gurion Universität

    „Das Israel von heute läßt sich am besten als ein Apartheidsstaat beschreiben“, schreibt Neve Gordon. „Als Konsequenz habe ich beschlossen, die Boykott-, Desinvestions- und Sanktionsbewegung zu unterstützen, die im Juli 2005 von palästinensischen Aktivisten ins Leben gerufen wurde und seither weltweit viel Unterstützung finden konnte.“ Nun sind Analogien und Bekenntnisse dieser Art selbst für israelische Linke nicht wirklich neu oder originell. Doch wenn sich ein Dozent für Politikwissenschaften an der Ben-Gurion Universität in Beer Scheva dazu hinreißen läßt, den jüdischen Staat mit dem Apartheidsregime am Kap zu vergleichen und dies auch noch in einem großen Artikel in der angesehenen Los Angeles Times, dann ist der Skandal vorprogrammiert. „Wir sind schockiert und empört über Gordons Äußerungen, die zudem unverantwortlich und moralisch verwerflich sind“, erklärte sofort Rivka Carmi, die Präsidentin der Universität im Negev. „Zudem verurteilen wir seine verheerenden Äußerungen sowie die zynische Ausnutzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung in Israel und an der Universität auf das Schärfste.“

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