Ach ja, der Goldstonebericht


Das internationale Kesseltreiben gegen Israel nimmt ungeheuerliche Ausmasse an.

Ich denke immer, dass diejenigen, die sich dafuer hergeben und diejenigen, die jede Beschuldigung eifrig glauben, im Grund ihres Herzens wissen, was sie tun und warum sie es tun.

Antisemitismus ist eine Art intellektueller und seelischer Faeulnis.

Nur noch Monate fehlen, bis Iran atomar bewaffnet sein wird. Uns laesst die Weltgemeinschaft allein dieser Bedrohung gegenueberstehen. Vielleicht wird der Staat Israel untergehen, wenn der israelische Schlag gegen den Iran misslingt oder nur halbwegs glueckt und die empoerte Weltoeffentlichkeit Israel danach erst recht boykottiert und isoliert.

Diese Feigheit, das Paktieren mit dem Boesen wird sich raechen, mit oder ohne Israel. Europa hat sich seiner Lebenskraft beraubt, als es den Voelkermord an den Juden zuliess oder unterstuetzte. Der Kontinent und die Kultur werden sich nicht mehr davon erholen. Wenn nun die USA in vergleichbarer Weise Israel dem Iran preisgeben (und Osteuropa den Russen, wobei es dort allerdings nicht um Voelkermord geht, sondern „nur“ um Herrschaft), dann verurteilt sich auch der nordamerikanische Kontintent und seine Kultur zum Absterben.

Wir feiern an diesem Wochenende Rosh Hashana. An diesem Tag entscheidet der Ewige, wer ins Buch des Lebens eingeschrieben wird und wer nicht. Bis Jom Kippur gibt es noch die Moeglichkeit, durch Umkehr das Urteil zu beeinflussen. Warum eigentlich dieser Wunsch nach Weiterleben, wo doch jeder Mensch irgendwann sterben muss? Ginge es nicht auch etwas stoischer? Wir haengen am Leben, weil wir uns nur, solange wir leben, in der Partnerschaft mit dem Ewigen bewaehren koennen. Tote koennen keine Mitzwot mehr erfuellen.

5 Antworten

  1. Eine Meinung zu diesem Bericht aus der Schweiz (NZZ – Printausgabe)
    Gruss
    Urs

    Beschädigte Glaubwürdigkeit der Uno

    Der kurze, gerade einmal drei Wochen dauernde Krieg Israels gegen die Hamas hat eine wahre Flut von Berichten hervorgebracht. Meist waren es Menschenrechtsgruppen, die sich zum Teil auf dünner Faktenbasis hauptsächlich mit dem Vorgehen der israelischen Streitkräfte beschäftigt haben. Nun legt auch der Uno-Menschenrechtsrat einen entsprechenden Report vor – und der Anspruch kann nur lauten, dass die Uno ein substanzielleres Werk präsentiert als die zahlreichen Nichtregierungsorganisationen zuvor. Doch die unter Vorsitz von Richard Goldstone verfasste Studie weist drei gravierende Mängel auf.

    EINSEITIG GEGEN ISRAEL

    Die Goldstone-Kommission beschreibt ausführlich die Kampfweise der israelischen Truppen, die in grossem Umfang nichtmilitärische Objekte wie Wasserversorgung und Fabriken zerstörten. Diese unverhältnismässige, in ihren Auswirkungen vor allem gegen Zivilisten gerichtete Kriegsführung entspricht nicht den Standards, die im 21. Jahrhundert bei militärischen Operationen als akzeptabel gelten. Das ist seit dem Kriegsende im Januar oft gesagt worden, die Goldstone-Kommission sagt es zu Recht noch einmal.

    Allerdings hätte man erwarten dürfen, dass sich der Bericht ausgewogen mit der Verantwortung beider Kriegsparteien auseinandersetzt. Dies ist nicht geschehen. Die Beschiessung Israels mit Raketen aus dem Gazastreifen wird kursorisch abgehandelt, gänzlich unerörtert bleiben die politischen Auswirkungen dieser Angriffe. Für sich genommen, waren die Einschläge der Missile nicht allzu verheerend, aber sie führten Israel erneut drastisch vor Augen, dass der gesamte, seit dem Oslo-Vertrag gezimmerte Rahmen für einen Friedensprozess mit zwei Konfliktparteien und zwei Staaten obsolet geworden war. In Gaza hatte sich eine dritte Kraft etabliert, einen eigenen De-facto-Staat ausgerufen und damit alles Bisherige in Frage gestellt.

    Bezieht man diese strategische Lage mit ein, stellt sich die israelische Entscheidung zum Krieg anders dar, als wenn man sich allein auf die Raketen konzentriert. Kurz abgehandelt werden auch die Menschenrechtsverletzungen der Hamas während des Krieges, so dass sich der Eindruck eines unausgewogenen Berichts aufdrängt. Da die Einseitigkeit des Menschenrechtsrats gegen Israel aber notorisch ist, könnte man den Report achselzuckend zu den Akten legen. Inakzeptabel ist hingegen die unbedachte Wortwahl der Kommission, die der Sache des humanitären Völkerrechts einen Bärendienst erweist.

    UNBEDACHTE WORTWAHL

    Der Bericht benutzt verschiedentlich den Begriff des Verbrechens gegen die Menschlichkeit mit Blick auf die israelischen Bombardierungen und die palästinensischen Raketenangriffe. Die Zerstörung einer Lebensmittelfabrik in Gaza oder die Beschiessung israelischer Ortschaften sind verurteilenswert – aber Verbrechen gegen die Menschlichkeit? Der Holocaust, Stalins Gulag oder in neuerer Zeit der Völkermord in Rwanda und die ethnischen Säuberungen auf dem Balkan werden so bezeichnet. Indem man die Geschehnisse in Gaza in die Reihe der Verbrechen gegen die Menschlichkeit einordnet, relativiert man diese. Der inflationäre Gebrauch diskreditiert den Begriff nur.

    Fragwürdiger noch als der Bericht ist der Untersuchungsauftrag der Kommission. Während Israel in den Gazastreifen eindrang, ging in Sri Lanka der Bürgerkrieg in seine Endphase. In dem monatelangen Schlusskampf schonte das Militär die Zivilbevölkerung nicht und liess sich laut glaubwürdigen Zeugen zahlreiche Kriegsverbrechen zuschulden kommen. Während das israelische Vorgehen in Gaza trotz der Weigerung Jerusalems, mit der Goldstone-Kommission zu kooperieren, gut dokumentiert ist, verhindert Sri Lanka jede unabhängige Untersuchung. Es wäre also angemessen gewesen, den in seiner Dimension um einiges grösseren Konflikt in Sri Lanka ebenfalls aufzuarbeiten. Doch der Menschenrechtsrat schweigt und fügt so der Glaubwürdigkeit der Uno Schaden zu.

    eg.

  2. Nur noch Monate fehlen, bis Iran atomar bewaffnet sein wird. Uns laesst die Weltgemeinschaft allein dieser Bedrohung gegenueberstehen. Vielleicht wird der Staat Israel untergehen, wenn der israelische Schlag gegen den Iran misslingt oder nur halbwegs glueckt und die empoerte Weltoeffentlichkeit Israel danach erst recht boykottiert und isoliert.

    Diesen Mechanismus finde ich besonders eklig: nicht nur, dass Israel allein gelassen und in die Ecke gedrängt wird, nein: im Fall der Fälle wird Israel dafür verantwortlich gemacht werden.

  3. Diese Feigheit, das Paktieren mit dem Boesen wird sich raechen, mit oder ohne Israel. Europa hat sich seiner Lebenskraft beraubt, als es den Voelkermord an den Juden zuliess oder unterstuetzte. Der Kontinent und die Kultur werden sich nicht mehr davon erholen. Wenn nun die USA in vergleichbarer Weise Israel dem Iran preisgeben (und Osteuropa den Russen, wobei es dort allerdings nicht um Voelkermord geht, sondern „nur“ um Herrschaft), dann verurteilt sich auch der nordamerikanische Kontintent und seine Kultur zum Absterben.

    Das Schlimme an dieser Entwicklung ist auch, dass Obama meint, er hätte damit einen außenpolitischen Erfolg gelandet.

    Ich habe noch nie einen amerikanischen Präsidenten erlebt, der so leichtfertig alle Karten aus der Hand gegeben hat.

    Hoffentlich überstehen wir die nächsten drei Jahre noch einigermaßen heil, und danach wird dieser Tagträumer endlich von einem Realisten abgelöst.

    Ich vertraue auf die Selbstheilungskräfte der USA. Was anderes bleibt mir (uns allen) auch nicht übrig.

  4. Zufällig lese ich gerade dieses Buch.
    Urs

    Es geht um Israel

    Von Henryk M. Broder 19. September 2009, 04:00 Uhr

    Einige prophetische Überlegungen über den Zustand im heiligen Land und in der übrigen Welt in 15 Jahren – angestellt aus Anlass von Leon de Winters jüngstem Roman „Das Recht auf Rückkehr“

    Leon de Winter ist ein wirklicher Schriftsteller, also einer, der zwei, drei, vier Jahre an einem Buch schreibt, es dann zwei, drei, viermal umschreibt, bevor er es in eine Welt entlässt, die sich für die Berichterstattung über die Abwrackprämie und die Bedrohung durch die Schweinegrippe wesentlich mehr interessiert als für ein Buch, in das er seine Liebe, seinen Hass, seine Verzweiflung, seine Hoffnung investiert hat.

    Ein guter Schriftsteller muss ein Autist sein, es muss ihm egal sein, was die Leser von ihm erwarten, was die Kritiker über ihn denken und was seine Schwiegereltern von ihm halten. Er schreibt nicht, weil er es kann, er schreibt, weil er muss.

    Leon de Winter ist so ein Triebtäter. Auf die Frage, warum er immer wieder über Juden schreibt, hat er mal geantwortet: „Wenn ich ein Pferd wäre, würde ich über Pferde schreiben. Weil ich ein Jude bin, schreibe ich über Juden.“ Und das ist eigentlich schon alles, was man über Leon de Winter wissen muss. Ein Triebtäter, ein jüdischer obendrein.

    Dennoch will ich noch etwas zu Leon de Winters neuem Buch anmerken, weil ich überzeugt bin, dass dieses Buch mehr als ein Roman, ein Thriller und mehr als eine literarische Wettervorhersage ist. Es ist die Ankündigung eines Unheils, so wie „Die Dritte Walpurgisnacht“ von Karl Kraus eine düstere Prophezeiung war, die sich bald nach ihrer Niederschrift erfüllen sollte.

    Leon de Winters Buch spielt in Israel im Jahre 2024, also in 15 Jahren. 15 Jahre sind eine lange Zeit, wenn Sie im Gefängnis sitzen und die Tage bis zu ihrer Entlassung zählen. 15 Jahre sind aber nur ein kurzes Zucken der Geschichte, wenn Sie bedenken, dass seit dem Fall der Mauer inzwischen 20 Jahre vergangen sind. Mir und sicher vielen von Ihnen kommt es vor, als sei es gestern gewesen. Der Titel des Romans – „Das Recht auf Rückkehr“ – ist gleich dreideutig.

    Zum einen ist er eine Anspielung auf das im Juli 1950 von der Knesset verabschiedete Gesetz „Chok Hashvut“, das jedem Juden, egal wo er geboren wurde und wo er lebt, das Recht garantiert, jederzeit nach Israel einwandern und israelischer Bürger werden zu können. Zum anderen ist auch das Recht auf Rückkehr gemeint, das diejenigen Palästinenser für sich reklamieren, die bei der Gründung Israels aus ihrer Heimat vertrieben wurden oder geflohen sind.

    1948 waren es etwa 800 000 Flüchtlinge, heute sind es mehr als vier Millionen, weil auch die Kinder und Enkel der Entwurzelten von 1948 auf ihr Recht auf Rückkehr nicht verzichten wollen. „Solange Israel die Verantwortung als Verursacher der palästinensischen Flüchtlingssituation von sich weist und sich weigert, die Rechte der Flüchtlinge anzuerkennen, wird es im Nahen Osten keinen dauerhaften Frieden geben“, heißt es zum Beispiel auf der Homepage der Deutschen Muslim-Liga. „Das Recht auf Rückkehr“ sei eine „Voraussetzung für den Frieden“ im Nahen Osten. Die dritte Bedeutung, die der Formel „Recht auf Rückkehr“ innewohnt, ist eine berechtigte Spekulation. Könnte es passieren, dass Juden, die aus Russland, Polen, Frankreich, Ungarn, Deutschland, aus Nord- und Südamerika, aus Marokko, Tunesien, Ägypten, Südafrika, aus dem Jemen und aus Äthiopien nach Israel gekommen sind, eines Tages ein „Recht auf Rückkehr“ für sich und ihre Kinder reklamieren werden, dass sie also in die Länder zurückgehen möchten, aus denen sie bzw. ihre Eltern eingewandert sind?

    Die Überlegung ist nicht so absurd, wie sie sich anhört. Eine nicht genau bekannte, aber erhebliche Zahl der Israelis besitzt bereits einen zweiten Pass. Es sind nicht nur die Einwanderer aus den USA oder aus Frankreich, die ihre alten Pässe behalten haben, sondern Kinder polnischer, tschechischer oder ungarischer Juden, die ihr Verlangen nach einem zweiten Pass entweder mit Heimweh oder mit den Reiseformalitäten innerhalb der Europäischen Union begründen.

    War früher die Option, nach Israel einwandern zu dürfen, eine Art Versicherungspolice, eine Platzkarte fürs Rettungsboot, so ist es heute die Möglichkeit, im Notfall Israel verlassen zu können.

    Und genau darum geht es in Leon de Winters „Recht auf Rückkehr“. Er erzählt die Geschichte eines Vaters, der seinen entführten Sohn sucht. Und dabei erfahren wir, eher beiläufig, dass Israel im Jahre 2024 auf ein zweites Massada zusammengeschrumpft ist, ein Gebiet, das kaum größer ist als die Stadt Tel Aviv und das von Hard-Core-Zionisten und religiösen Eiferern bewohnt wird.

    Alle, die es sich leisten konnten, haben das Land verlassen, dennoch herrscht kein Frieden in Palästina, ist der Nahost-Konflikt nicht gelöst. Er wäre es auch dann nicht, wenn Israel nur aus der Tel Aviver Strandpromenade und den Cafés an der Hayarkon Straße bestünde. Eine düstere Vision, werden Sie jetzt sagen, Produkt schriftstellerischer Fantasie. Nein, sagt Leon de Winter, eine Realität, mit der wir rechnen müssen. Er denkt das Undenkbare, stellvertretend für uns alle.

    Dabei ist er mitnichten der erste, der inzwischen davon überzeugt ist, dass der so genannte Palästina-Konflikt nicht auf dem Verhandlungswege gelöst werden kann, weder durch territoriale Kompromisse noch durch eine Ein- oder Zwei-Staaten-Lösung. Vor Leon de Winter hat schon der libysche Revolutionsführer Gaddafi, der für seine originellen Auftritte und Einfälle bekannt ist, die aus Afrika stammenden Israelis aufgefordert, in ihre alten Heimatländer zurückzukehren. Später hat dann der iranische Präsident Ahmadinedschad die Europäer, allen voran die Deutschen und die Österreicher, aufgefordert, den Juden ein Stück Land abzutreten, auf dem sie ihren Staat errichten könnten, denn schließlich wären es die Europäer gewesen, die den Holocaust zu verantworten hätten und nicht die Palästinenser, die den Preis dafür zahlen müssten, was andere den Juden angetan haben.

    Diese Überlegung mag ein wenig zu kurz greifen, ist aber im Prinzip richtig. Wenn es in der Geschichte gerecht zugehen würde, wäre der Judenstaat in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder in Franken etabliert worden. Günter Grass hat mal gesagt, die deutsche Teilung wäre die Strafe für Auschwitz. Deswegen war er gegen die deutsche Einheit. Aber die richtige Strafe für Auschwitz – falls es so etwas überhaupt geben kann – wäre ein souveräner jüdischer Staat mitten in Germania, ein zionistischer Dorn im deutschen Fleisch. Diese Chance wurde zuerst nach 1945 und dann ein zweites Mal nach 1989 verpasst.

    Nun gibt es einen jüdischen Staat in Palästina, und die Frage, ob er da überhaupt hingehört, wird immer öfter und immer lauter gestellt. Seit vielen Jahren erleben wir eine Verlagerung der Debatte: Es geht nicht mehr darum, ob Israel sich im Falle einer Friedensregelung auf die Grenzen von 1967 zurückziehen sollte, es geht darum, ob es nicht ein Fehler war, Israel in Palästina anzusiedeln und wie dieser Fehler rückgängig gemacht werden könnte.

    Parallel zu dieser Debatte kommt es zu einer schleichenden, aber ebenfalls an Intensität zunehmenden öffentlichen Delegitimation Israels – nicht durch die Hamas, die Hisbollah und den iranischen Präsidenten, sondern durch kluge, sensible und kritische europäische Intellektuelle, deren Äußerungen man auch als seismografische Ausschläge der öffentlichen Meinung verstehen kann. Zuletzt hat der schwedische Schriftsteller Henning Mankell Israel das Existenzrecht abgesprochen.

    Er schrieb: „Israel wird es genauso ergehen wie Südafrika unter der Apartheidzeit. Die Frage ist nur, ob die Israelis Vernunft annehmen werden und freiwillig einer Abwicklung des Apartheidstaates zustimmen werden. Oder ob es zwangsweise geschehen wird. Die Frage lautet also nicht ob, sondern wann es geschieht. Und natürlich auch, auf welche Weise.“

    Kurz bevor Mankell den Israelis empfahl, sich freiwillig vom Acker zu machen, um eine Zwangsräumung zu vermeiden, hatte sich sein norwegischer Kollege Jostein Gaarder, Autor von „Sofies Welt“, ganz ähnlich und noch klarer geäußert:

    „Es gibt keine Umkehr. Es ist an der Zeit, eine neue Lektion zu lernen: Wir erkennen den Staat Israel nicht länger an. Wir müssen uns nun an den Gedanken gewöhnen: der Staat Israel in seiner jetzigen Form ist Geschichte. Wir glauben nicht an die Idee eines von Gott auserwählten Volkes. Wir lachen über die Hirngespinste dieses Volkes und weinen über seine Untaten. Als Gottes auserwähltes Volk zu handeln ist nicht nur dumm und arrogant, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir nennen es Rassismus.“

    Es gibt weder von Mankell noch von Gaarder eine ähnliche Stellungnahme, in der sie das Existenzrecht eines Staates für verwirkt erklären, mit dessen Politik sie nicht einverstanden sind. Weder zu Iran, noch zu Sudan, nicht zum Kongo, nicht zu Weißrussland. Israel allein genießt das Privileg, sie so in Rage zu bringen, dass sie dem Land die Anerkennung entziehen.

    Die meisten Juden weigern sich, die Zeichen an der Wand zu sehen. So wie sich 1933 geweigert haben, die Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen und vieles als Rhetorik und Schaumschlägerei abbuchten. Aber: Jeder Dammbruch fängt mit feinen Haarrissen an, und die Haarrisse werden immer mehr. Vor genau zwei Monaten hat Bundespräsident Köhler eine ehemalige israelische Rechtsanwältin, die seit 20 Jahren in Tübingen lebt, mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet – als Anerkennung für ihren Einsatz „für Frieden und Gerechtigkeit sowie für die Wahrung der Menschenrechte“.

    Aber das Einzige, wofür sich die ehemalige israelische Anwältin von Tübingen aus einsetzt, ist die Delegitimierung und Dämonisierung Israels. Sie hat sich im progressiven antisemitisch-antizionistischen Milieu der Bundesrepublik dadurch einen Namen gemacht, dass sie Israel immer wieder vorwirft, sich im Umgang mit den Palästinensern der gleichen Methoden zu bedienen, die von den Nazis gegenüber den Juden praktiziert wurden. Das ist es, was das von Schuldgefühlen geplagte deutsche Kollektiv-Gewissen hören will, um sich den Juden gegenüber weniger schuldig fühlen zu müssen. Die Frage ist nur, warum der Bundespräsident eine solche therapeutische Hilfeleistung mit einem Bundesverdienstkreuz honorieren musste. Inzwischen allerdings hat der Bundespräsident seine Entscheidung bedauert und den Wunsch geäußert, „die Verwerfungen ließen sich ungeschehen machen“, was freilich nicht geht, denn: „Dafür fehlt die Grundlage.“

    Es gibt also eine Grundlage, eine antisemitische Antizionistin bzw. antizionistische Antisemitin mit einem Bundesverdienstkreuz zu ehren, es gibt keine Grundlage, die Ehrung zu widerrufen. Glauben Sie nicht, dass solche Entscheidungen folgenlos bleiben oder verdunsten wie Schweißperlen in der Sonne. Erst letzte Woche wurde eine Studentin von einem Amtsrichter in Bochum zu 300 Euro Geldstrafe verurteilt, weil sie „provoziert“, eine „gefährliche Situation“ verursacht und gegen das Versammlungsgesetz verstoßen haben soll – indem sie auf einer Anti-Israel-Demo eine israelische Flagge entrollt und Flugblätter verteilt hatte, auf denen zur Solidarität mit Israel aufgerufen wurde. Die Teilnehmer der Demo, die ihrerseits Parolen wie „Kindermörder Israel“ und „Stoppt den Holocaust in Gaza“ riefen, wurden weder von der Polizei noch der Justiz belästigt.

    Wir machen jetzt einen Sprung in das Jahr 2024. Über dem Buckingham Palace in London weht die grüne Fahne des Propheten, in Deutschland hat sich Oskar Lafontaine soeben zum Kanzler auf Lebenszeit wählen lassen, Holland wird von einer Koalition aus Christdemokraten und liberalen Islamisten regiert, und in Tel Aviv sucht ein Vater nach seinem verschwundenen Sohn.

    Leon de Winter: Das Recht auf Rückkehr. Aus d. Niederländ. v. Hanni Ehlers. Diogenes, Zürich. 549 S., 22,90 Euro.

    URL: http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article4568676/Es-geht-um-Israel.html

  5. גמר חתימה טובה

    Ein UN-Bericht welcher gegen Israel gerichtet ist? Nichts Neues. Ein durchgeknallter Despoten-Staat der Israel mit Vernichtung droht? Nicht Neues. Die letzten Unruhen im Iran zeigen ausserdem dass ein punktueller Angriff auf nukleare Einrichtungen eher das kleinere Problem der Iranischen Islam-Theokratie wäre. Es sieht nicht alles so düster aus. Und auch wenn es keinen Grund zum Optimismus gibt, vor 6 Monaten sah de Lage noch weitaus schlimmer aus. Davon abgesehen stimme ich dir in jedem Wort zu. Von Europäischen Befindlichkeiten konnte ich mir vor 4 Wochen selbst mal wieder ein Bild machen. Point of no return.

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