Nachtgedanken


Der heutige Tag war vor allem meiner Freundin gewidmet. Ihre Prognose ist nicht gut. Auf der Plusseite kann vermerkt werden, dass sie keine Schmerzen hat, sondern nur sehr schwach ist. Sie hat sich entschlossen in die Schweiz zurueckzukehren. Da sie nicht mehr allein reisen kann, werde ich sie begleiten. Heute war ich bei ihr. Sie hat mich mit ihrer Schwester und ihrem Bruder in Kontakt gebracht, mit denen zusammen ich den Flug plane und buche. Wir haben auch schon ihre Koffer gepackt. Ihre Tapferkeit beeindruckt mich. Sie weiss sehr genau, was sie will, was getan werden muss und packt es an.

Zuhause erzaehle ich den Kindern von der bevorstehenden Reise. Erst maulen sie ein bisschen, aber ich bleibe wirklich nicht lange weg. Dann sage ich ihnen, dass es gut sein kann, dass sie diese Freundin nie wiedersehen werden. Wenn sie Abschied nehmen wollen, muessen sie das waehrend der kommenden Woche tun.

Die Grosse konnte das nicht an sich herankommen lassen. Sie verschwand in ihrem Zimmer und in einem Buch. Die Kleine reagierte anders.

Hier muss ich eine Anekdote einschieben. Vor drei Jahren war unser Sommer in Europa furchtbar verregnet, so dass wir fast jeden Tag ins Museum gingen. Eines Tages waren wir im Naturhistorischen Museum in Basel, das ich schon als Kind geliebt habe. Inzwischen ist es natuerlich modernisiert worden, und die Ausstellungsraeume sehen ganz anders aus. In einem Saal geht man auf ein lebensgrosse Mammuth zu. Links davon an der Wand ist der Abguss eines ganz kleinen Mammuths, das sein junges Leben verlor, als es in ein Moor geriet. Die Umstaende des Funds werden auf einer Schautafel darueber beschrieben. Ich las mit Interesse und bemerkte erst nach einer Weile, dass die Kleine leise schluchzend neben dem Mammuthbaby kauerte. Waehrend unserem weitern Rundgang durch das Museum kehrte sie noch zweimal zu ihm zurueck und weinte um das Baby und die Mammutmutter, die ihr Kind verlor.

Heute Abend leitete sie das Gespraech so ein: Sicher sei ich sehr traurig. Dann hatte sie eine Reihe von Ideen, wo und wann sie fuer diese Frau beten koenne. Sie will ihr auch eine Gute-Besserung-Karte malen, um sie auf frohe Gedanken zu bringen. Ausserdem wuerde sie gern mit den Aerzten sprechen, das musste ich ihr ausreden.

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2 Antworten

  1. Alles Gute für die Reise.

  2. Ich schließe mich Lalibertine an!

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