Robert Spaemann – die eigenartigen Auffassungen eines emeritierten Professors


Mein Vater hat die von mir sehr geschaetzte Angewohnheit, Zeitungsausschnitte und andere Texte, von denen er meint, dass sie mich interessieren koennen, fuer mich zu sammeln. Auch von dieser Reise durfte ich eine Mappe mitbringen und arbeite mich langsam durch.

Am 25. Juli diesen Jahres veroeffentlichte die FAZ unter „Fremde Federn“ einen Text von Robert Spaemann. Auf der Webseite der Zeitung ist der Artikel nur gegen eine Gebuehr verfuegbar, aber die Fatehjugend Deutschlands (Yasser Arafats Organisation) hat ihn uebernommen. Ob es Herrn Spaemann ein klein bisschen peinlich ist, wem er Munition liefert? Ich moechte die Hoffnung nicht ganz aufgeben, bin aber eher pessimistisch.

Die Argumentation ist denkbar einfach gestrickt: Israel existiere nur dank der US Garantie. Dabei wird ausgeblendet, dass die USA Israel erst nach dem Sieg 1967 ernsthaft als Verbuendeten zu behandeln begannen. Trotzdem gelang es Israel, auch von der Staatsgruendung bis 1967 zu existieren. Weil dem so sei, so Spaemann, muesse die USA Israel auch Bedingungen diktieren koennen und dann folgt die Liste der ueblichen Zumutungen durch europaeische Intellektuelle, die zwischen Fruehstueck und Mittagessen rasch den Nahostkonflikt loesen wollen.

Mir faellt auf den ersten Blick die kleine Pikanterie auf, fuer die der Professor a.D. und die FAZ offensichtlich kein Auge haben.

Im Kalten Krieg gaben die USA fuer die Bundesrepublik Deutschland eine sehr eindeutige und durch Taten untermauerte Existenzgarantie ab. In Israel waren nie US-Soldaten mitsamt US-Waffensystemen stationiert. Keine israelische Stadt musste je von den USA aus der Luft versorgt werden wie weiland Berlin.

Ob dabei das „Grundgesetz des politischen Lebens“ ausreichend beachtet wurde: „das Gesetz des Zusammenhangs von Schutz und Gehorsam“? „Die Politik dieses Staates“, der Bundesrepublik, musste dementsprechend bis 1989 „immer in einem tiefen Sinn unverantwortlich bleiben.“ Er konnte „handeln wie ein Halbwuechsiger, der deshalb nie erwachsen wird, weil, was auch immer er ausrichtet, der Papa es schon richten wird und er sich nie die Suppe ausloeffeln muss, die er sich eingebrockt hat.“

Nach Spaemann ist eindeutig zu folgern, dass nur Staaten ein Existenzrecht haben, wenn sie a) durch nichts und niemanden bedroht sind oder b) stark genug sind, jede Bedrohung voellig auf sich allein gestellt und ohne Buendnispartner abzuwehren. Mit anderen Worten: Souveraen koennen allenfalls Supermaechte sein.

Witzigerweise zitiert Spaemann ausgerechnet Gerhard Schroeders „bedingungslose Solidaritaet“ mit den USA nach dem 11. September. Im Jahr 2009 wissen wir alle sehr genau, dass Schroeder leere Worte von sich gab und den USA in den Ruecken fiel, kaum dass es ihm innenpolitisch opportun erschien.

Nun glaube ich nicht wirklich, dass ein Philosophieprofessor immer dermassen oberflaechlich denkt. Vermutlich sind es emotionale Befangenheiten, die ihn ausgerechnet bei diesem Thema befallen. Ach Deutschland, Deine Professoren!

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2 Antworten

  1. Woher kenne ich nur den Namen Robert Spaemann? Hat der auch was juristisches germacht?

  2. […] Robert Spaemann, Philosophieprofessor der Oberflächlichkeit – liefert offenbar gerne Munition für Terroristen. Nach seiner Darstellung darf Israel nicht eigenständig handeln, sondern muss den USA gehorchen. Weil die USA es immer wie ein Kleinkind gehätschelt haben sollen. Ein Existenzrecht hat Israel deshalb also nicht. […]

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