Kindermord


Als ich gestern in den Texten zum Goldstonebericht las, stiess ich wieder auf die Geschichte der kleinen Toechter von Abd Rabbo. Mit hoechster Wahrscheinlichkeit starben die kleinen Maedchen (wenn sie ueberhaupt starben) an Granatsplittern oder Querschlaegern des Gefechts zwischen Hamas und IDF, das in ihrer Nachbarschaft stattfand. Die ersten pal. Medienberichte vermitteln das auch so.

Sehr schnell aber aenderten die Palaestinenser die Geschichte in einer Weise, dass Juden (in einer Variante wird betont, es seinen religioese Juden gewesen) bewusst und willkuerlich kleine Kinder ermordet haetten.

Ein solcher Vorwurf wird immer wieder gegen die israelische Armee erhoben, aber kein einziger Fall konnte bisher halbwegs belegt werden.

Umgekehrt fehlt es nicht an Faellen, wo pal. Terroristen bewusst und absichtlich juedische Kinder getoetet haben.

Shalhevet Pass, 10 Monate alt, am 26.03.2001 von einem Scharfschuetzen in den Armen ihres Vaters ermordet

Shalhevet Pass, 10 Monate alt, am 26.03.2001 von einem Scharfschuetzen in den Armen ihres Vaters ermordet

Matan, 5 und Noam 4 Ohayon, am 10. November 2002 zusammen mit ihrer Mutter in ihrem Haus im Kibbutz Metzer ermordet.

Matan, 5 und Noam 4 Ohayon, am 10. November 2002 zusammen mit ihrer Mutter in ihrem Haus im Kibbutz Metzer ermordet.

die vier Toechter der Familie Hatuel,  Hila, 11, Hadar, 9, Roni, 7 und Merav, 2, wurden zusammen mit ihrer schwangeren Mutter am 2. Mai 2004 aus naechster Naehe erschossen

die vier Toechter der Familie Hatuel, Hila, 11, Hadar, 9, Roni, 7 und Merav, 2, wurden zusammen mit ihrer schwangeren Mutter am 2. Mai 2004 aus naechster Naehe erschossen

Ich bringe hier nur Bilder und Namen, an die ich mich erinnern kann und wo der Moerder seine Opfer direkt vor sich hatte. Natuerlich sahen die Terroristen auch bei vielen Selbstmordattentaten, dass Kinder um sie herum waren, was sie nie daran gehindert hat, die Explosion auszuloesen. Im besonderen erinnere ich mich an die Anschlaege auf die Pizzeria Sbarro in Jerusalem, im Bus von der Klagemauer und im Restaurant Maxim in Haifa, wo viele Kinder unter den Opfern waren.

Trotzdem hat die Kombination „Jude-Kindermord“ eine viel staerkere Resonanz als die Kombination „Palaestinenser-Kindermord“. Das geht auf das Mathaeus-Evangelium zurueck, das den Kindermord in Betlehem erfand, um einen der Geburt von Moshe Rabbenu vergleichbaren Hintergrund zu Jesu Geburt zu bieten. Der Tag der „Unschuldigen Kindlein“ wird noch heute von den meisten Christen bald nach Weihnachten begangen.

Die Botschaft, Juden ermorden Kinder, wurde ueber die Jahrhunderte durch Ritualmordanschuldigungen verstaerkt. Oft wurden Kirchen zum Thema gestiftet und Wallfahrten zu ihnen eingerichtet.

Das sitzt offensichtlich tief in der europaeischen Psyche. Hilary Anderson vom BBC leitete eine „Dokumentation“ zur ersten Phase des Al-Aksa-Konflikts (sog. 2. Intifada) so ein:

Deep underground in Bethlehem are the remnants of an atrocity so vile, so far back in history, King Herod’s slaughter of the innocents.” (The camera meanwhile showed a pile of skulls.) Then she moved on to the deaths of the Palestinian children, evoking Herod’s Massacre of the Innocents, to remind the viewer that Jews, who tried to kill the infant Christ, are busy killing innocent children once again.

Wie wir hier erfahren, erntete sie mit diesem boesartigen, antisemitischen Ansatz eher Applaus als Bestuerzung in England:

Hilary has been nominated for numerous awards for her reports on the conflict in Israel.

Fuer mein Teil streife ich die Handschuhe ab: Jeder, der unterstellt, Israel toete absichtlich pal. Kinder, verbreitet Antisemitismus. Schon in der Vergangenheit hat der Ritualmordvorwurf vor allem dazu gedient, juedisches Blut zu vergiessen. Das ist ist heute nicht anders.

Gemeint sind damit nicht nur Goldstone und die verschiedenen „Menschenrechts“-Organisationen, sondern auch persoenliche Bekannte und Jugendfreunde.

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14 Antworten

  1. „Trotzdem hat die Kombination „Jude-Kindermord“ eine viel staerkere Resonanz als die Kombination „Palaestinenser-Kindermord“. Das geht auf das Mathaeus-Evangelium zurueck, das den Kindermord in Betlehem erfand, um einen der Geburt von Moshe Rabbenu vergleichbaren Hintergrund zu Jesu Geburt zu bieten. Der Tag der „Unschuldigen Kindlein“ wird noch heute von den meisten Christen bald nach Weihnachten begangen.“

    Sicherlich gibt es im NT etliche negative Darstellungen von Juden, die Judenfeindlichkeit / Judenhass unter Christen begünstigt haben.
    Aber der Kindermord von Bethlehem gehört ganz sicher nicht dazu. Im Gegenteil. Das ist eher eine Geschichte, in der wir (Christen) immer voller Mitleid der getöteten Kinder gedacht haben und gedenken. Die Empörung richtet sich gegen die Regierung – den König – der den Mord angeordnet hat.
    Was die britische Journalistin in diesem Zusammenhang macht, deutet für mich eher darauf hin, dass sie „ihre“ Bibel nicht wirklich gelesen hat und die Bethlehem-Geschichte nur vom „Hörensagen“ oder flüchtigem Überfliegen der Passage kennt und entsprechend polemisch in ihrem Beitrag verwurstet! Schrecklich!

    Trotzdem gebe ich Dir natürlich Recht, dass Jude-Kindermörder eine viel stärkere Resonanz findet als Palästinenser-Kindermörder – und da mag schon der Ritualmord-Vorwurf unbewusst eine große Rolle spielen.

    Ich vermute aber eher, dass Du mit früheren geäußerten Analysen völlig richtig liegst, dass nämlich der Vorwurf an „Juden als Täter“ von der Verantwortung für „Jude als Opfer“ ablenken soll.

    Das gilt in dem Zusammenhang ganz sicher auch für die Häme, mit der Israelkritiker den Goldstone-Report geradezu genüsslich unters Volk bringen!

  2. @ Rika:

    Es geht nicht so sehr darum, wie das NT an dieser Stelle theologisch korrekt zu interpretieren ist, sondern welche Assoziationsketten im Unterbewusstsein, also psychologisch, aufgebaut werden, wenn eine der bekanntesten Erzählungen des NT sich ausgerechnet darum dreht, dass der König der Juden Babys ermorden lässt, um den Heiland rechtszeitig aus dem Weg zu räumen.

  3. … und natürlich heißt es „rechtzeitig“, nicht „rechtszeitig“.

  4. Rika,

    was das theologische Verstaendnis angeht, wirst Du Recht haben. Vielleicht gibt es auch keine so direkte Verbindung, wie mir erscheint.

    Wie stark der Ritualmordvorwurf noch in linken, europaeischen Psychen herumgeistert, fiel mir auch bei dieser Ueberschrift in der NZZ auf.

    Der Jude als Taeter (zur Negierung des Juden als Opfer) ist sekundaerer Antisemitismus. Der Ritualmordvorwurf stammt aber aus primaerem Antisemitimus. Mir scheint, dass Antisemitismus gerade wieder salonfaehig wird und dass so auch der primaere Antisemitismus rehabilitiert wird. Die Israellobby z.B. ist ja auch primaerer Antisemitismus.

  5. Im Sinne der von Manfred erwähnten Assoziationsketten könnte / kann die Geschichte des „Kindermord von Bethlehem“ natürlich auch Auswirkungen auf die Ritualmordvorwürfe gehabt haben (und wohlmoglich immer noch haben) – wobei es in Bethlehem ja „jüdische“ Kinder waren, die dem Mord zum Opfer fielen, vom Ritualmord aber behauptet wird, er würde an „christlichen“ Kinder verübt. Wobei dieser Lügengeschichte sogar sehr gebildete Menschen aufsitzen, wie ich es aus eigener entsetzt-trauriger Anschauung berichten kann.

    Ja, Ruth, der Antisemitismus in all seinen schillernden Gewändern und Erscheinungsformen wird zunehmend mehr salonfähig – und Rückkoppelungseffekte, wie Du es meinst, sind daher mehr als wahrscheinlich!

  6. Rika,

    ich bilde mir ein, gelesen zu haben, dass verschiedene christliche Kirchen die unschuldigen Kindlein als die ersten Maertyrer betrachten, damit waeren sie quasi christianisiert worden.

  7. Guck mal, Rika, die Tuerken haben es auch mit dem antisemitischen Klischee: Juden morden Kinder.

  8. Mit den Märtyrern bin ich – weil nicht katholisch – nicht so vertraut und habe deshalb die Suchmaschine bedient:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kindermord_in_Betlehem

    mit dem Ergebnis, das Deiner „Einbildung“ ziemlich genau entspricht!

    Ich bin aber gerade jetzt (15.10.) zum ersten Mal in meinem Leben Großmutter geworden, und da fehlt mir irgendwie der Elan, mich noch näher mit dem Thema zu beschäftigen… das kannst Du sicher verstehen! Ich bin noch immer ganz aufgeregt und so glücklich und bitte um Entschuldigung, dass ich das hier bei Dir erstmalig kund tue … wollte aber Deine direkte Bemerkung an mich nicht ignorieren! (Morgen – eigentlich heute 16. – beerdigen wir meine Tante und mein Gefühlskarussell ist in vollem Schwung, up and down! Auch das wirst du sicher verstehen…)
    Wenn ich wieder „normal“ bin, kann ich auch wieder sachlich und hoffentlich konstruktiv mitdenken …
    Lg rika

  9. @ Rika: Da Du die frohe Kunde in Deinem Blog noch nicht vermeldet hast, an dieser Stelle meine allerherzlichsten Glückwünsche!

    In glühendem Neid 😀
    Manfred

  10. […] Este Pallycuento de los niños masacradops por los soldados israelíes solamente intenta ocultar los propios crímenbes. Por ejemplo nunca se menciona que los terrorístas de Hamas instalan sus misíles en escuelas y edificios habitados por familias, es decir que utilizan a los niños como escudos humanos. Otra cosa que nadie parece tener en cuanta debído a la propaganda machacona de los medios de Prensa son los asesinatos a mansalva de niños judúios en manos de terrorístas y delincuentes palestínos. De ello nos relata Blick auf die Welt […]

  11. Herzlichen Glueckwunsch zum Enkelchen, Rika und mein Beileid zum Verlust Deiner Tante. Ganz so rasant habe ich das Gefuehlskarussel noch nicht erlebt…

    Diese Dinge sind viel wichtiger als unsere kleine Blogs und unser Meinungsaustausch!

  12. Ich kann mich ohne Besinnen noch an viele weitere erinnern. Danielle Shefi, in ihrem Bettchen ermordet. Gal Eisenmann, mit ihrer Oma beim Einkaufen von einem Terroristen mit einer Bombe ermordet. Noam Leibovitz, im Auto auf der Rückfahrt von einem Geburstag auf dem Highway Nr. 6 erschossen. Die beiden Brüder aus ARiel, in Kenia getötet. Die Kinder von Zer Aviv, ein kleiner Junge und ein noch zahnloses kleines Mädchen, das mit seinem Fläschchen der Terroristin im Restaurant in Haifa gegenüber saß. Neffe und Enkel des Ehepaars Almog, Haifa. Das ungeborene Kind von Zippi Shemesh, das mit Vater und Mutter bei einem Bombenanschlag in Jerusalem ums Leben kam. Smadar Firstetter, 15jährige Tochter meiner früheren Lehrerin für Psychologie des frühen Kindesalters. Malki Roth, Jerusalem.

    Ich könnte noch viele viele hinzufügen. Ich sehe ihre Gesichter vor mir und denke so oft an sie.

    Shiri Negari, die so ein zartes junges Mädchen war, daß Professor Rifkind, der schon viel gesehen hat, geweint hat, als sie auf dem OP-Tisch starb.

    Alle mit voller Absicht ermordet.

  13. Du hast Recht, Lila, noch viel mehr Kinder wurden mit voller Absicht brutal ermordet.

    Besonders bestialisch war auch der Mord an den beiden dreizehnjaehrigen Buben, Kobi Mandel und Yosef Ishran, denen mit Felsbrocken die Koepfe eingeschlagen wurden.

  14. Danke für die Glückwünsche…

    sind sie nicht ein trauriger Kontrast zum Thema dieses Beitrags?
    Mit welch großer Selbstverständlichkeit von Sicherheit und Frieden wir hier im sicheren Deutschland leben wird mir dadurch sehr bewusst …

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