Antiisraelische Propaganda im ARD Weltspiegel


Eine Leserin hat mich auf diesen Bericht aufmerksam gemacht: Rückschau: Israel – Archäologen als orthodoxe Siedler

Der Titel ist natuerlich Bloedsinn: Weder hat die Israelische Behoerde fuer Altertuemer (Israel Antiquities Authority, abgekuerzt IAA) eine Richtlinie herausgegeben, wonach alle Archaeologen ab sofort streng orthodox leben und in Siedlungen umziehen muessen. Noch haben orthodoxe Siedler die Behoerde uebernommen. Bekanntlich ist die Redaktion und nicht der Journalist fuer die Ueberschrift zustaendig. Also lassen wir das mal beseite.

Im Text selber wird das Pathos auch gleich revidiert. Von orthodoxen Siedlern ist nicht mehr die Rede, sondern von „Archäologen und jüdische Traditionalisten“. Was kann man sich wohl unter einem juedischen Traditionalisten vorstellen? Womoeglich jemandem, den das juedische Erbe nicht kalt laesst und der es gern pflegen und an kuenftige Generationen weitergeben wuerde?

Dann behauptet Richard Schneider:

Aber sie graben nicht nur, sie vertreiben auch palästinensische Einwohner, um selbst das Viertel zu besiedeln.

Auch das trifft so nicht zu. Die Archaeologen graben, und die juedischen Traditionalisten moechten das Viertel selber gern bewohnen. Wie der Bericht selber ausfuehrt, koennen sie die arabischen Bewohner aber gar nicht vertreiben. Ihre einzige Chance ist, die Haeuser und Grundstuecke kaeuflich zu erwerben. Wenn das „Vertreibung“ darstellt, dann ist jeder Immobilienmakler ein Komplize bei Vertreibungen.

Was Herr Schneider nicht erwaehnt: Die PA hat die Todesstrafe ueber jeden Araber verhaengt, der Land oder Haeuser and Juden verkauft. Im April dieses Jahres wurde ein solches Todesurteil ausgesprochen, die Richter beziehen sich dabei auf „Gesetze“ seit 1953, 1958 und 1979. Gaengige Praxis ist, die Verdaechtigen oder Verurteilten nicht offiziell hinzurichten. Stattdessen werden sie von Sicherheitsleuten inkognito entfuehrt und gelyncht.

Vor diesem Hintergrund muessen die juedischen Traditionalisten in Silvan Preise weit ueber dem Marktwert anbieten, damit ueberhaupt jemand bereit ist, das Risiko auf sich zu nehmen.

Herr Schneider fasst das laecherlicherweise so zusammen:

Mit anderen Worten: Man nimmt das Recht in die eigenen Hände, der Staat schaut zu, mehr noch: er lässt es zu.

Silvan war uebrigens keineswegs immer ein arabisches Wohnviertel. Die heutige Niederlassung umfasst auch ein Dorf, wo seit 1884 jemenitische Juden gelebt hatten, die vor Verfolgen im Jemen geflohen waren. Sie wurden waehrend der arabischen Revolte 1936-1939 vertrieben, ganz ohne „lukrative Angebote in Millionenhoehe“.

Der Verein ELAD (eine gemeinnuetzige, regierungsunabhaengige Organisation) soll die „ultrarechte Siedlerorganisation“, die „juedischen Traditionalisten“ oder „orthodoxen Siedler“ darstellen. Wie so haeufig in Deutschland gehen die Begriffe voellig durcheinander. Man kann orthodox sein und am aeusseren linken Rand stehen (Beispiel David Landau), man kann Siedler und liberal sein (Beispiel Don Radlauer) und man kann politisch rechts stehen und weder orthodox noch Siedler sein (Beispiel Moshe Ya’alon).

Um die Ziele von ELAD zu teilen, muessen Israelis im uebrigen weder orthodox, noch religioes, noch rechts, noch Siedler sein: Das ist Konsensus:

68 percent declared their support for a united Jerusalem under Israeli rule.

Ueber diese merkwuerdige Verschiebung der Masstaebe, wonach aus europaeischer Sicht grundsaetzlich die ueberwaeltigende Mehrheit der Israelis rechts bis rechtsextrem sein muessten, habe ich schon einmal geschrieben.

Ich nehme an, Richard Schneider hat sich vor allem von diesem Artikel in Ha’aretz von Akiva Eldar leiten lassen. Eldar ist einer der drei Journalisten, die beim Lynchtest durchgefallen sind. Er war nicht einmal bereit, die Palaestinenser kritisieren, als zwei israelische Reservisten, die sich verfahren hatten, in Ramalla brutal ermordet wurden. Und er ist stolz darauf!

Aber selbst Akiva Eldar traut sich nicht die Vorwuerfe gegen ELAD als Tatsachen zu berichten, sondern macht deutlich, dass es sich um die Einschatzung einer anderen NGO handelt, Ir Amim.

Ir Amim behauptet zwar fuer den Status Quo in Jerusalem einzutreten. Das wird jedoch Luegen gestraft, indem nirgends auch nur ein Wort ueber die Zerstoerungen auf dem Tempelberg verloren wird.

Seit Jahren setzen die arabischen Behoerden auf dem Tempelberg schweres Baugeraet ein und vernichten unwiderbringlich archaelogisches Terrain von Weltbedeutung. Israelischen Archaelogen sind die Haende gebunden. Sie durchsuchen den Schutt, um wenigstens ein bisschen etwas zu retten. ELAD verweist auf ihrer Webseite sachlich und ohne Hetze auf diese Arbeiten. Bei Ir Amim dagegen kein einziges Wort. Offensichtlich geht es nicht um den Status Quo und ein stabiles Jerusalem, sondern um Unterstuetzung fuer die palaestinensischen Ansprueche auf Jerusalem.

Ich halte es fuer sehr unwahrscheinlich, dass ELAD Einfluss auf die Grabungen nehmen kann. Richtig ist, dass die Organisation den Nationalpark „City of David“ verwaltet. Anscheinend gibt es Leute, die damit unzufrieden sind und das Gefuehl haben, dass die Darstellung wissenschaftlich nicht einwandfrei ist. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich sie selbst noch nicht besucht habe. Die Davidsstadt ist keineswegs der einzige Nationalpark, der von einer nicht-staatlichen Organisation bewirtschaftet wird. Persoenlich kenne ich den Nationalpark von Ashkelon. Dort kann ich eine politische Agenda nicht feststellen, wohl aber eine staerkere Betonung des Kommerziellen als in den von staatlicher Hand verwalteten Nationalparks. Das ist natuerlich der Sinn der Sache, der Staat spart Geld, indem er Parks verpachtet. Je nach Standort koennen Paechter die Kosten decken und sogar Gewinn machen.

Wie kritiklos Herr Schneider palaestinensische Propaganda widergibt, zeigt sich auch an dieser Perle:

Er ist einer, der nicht bereit ist, wegzugehen. Sameer Shabani. Er wohnt direkt neben dem Eingang zur Davidstadt und muss sich seinen Weg durch die Touristenmassen bahnen.
Nicht einmal in seinem kleinen Garten findet er ein Stückchen Abgeschiedenheit.

Wenn der Mann nur ein Fuenkchen Verstand hat, dann eroeffnet er sofort einen Andenkenkiosk auf seinem Grundstueck und verdient sich an den Touristenmassen eine goldene Nase! Dann kann er sich locker irgendwo eine abgeschiedene, friedliche Villa leisten. Meine Guete, anderswo leckt man sich die Finger nach Devisen bringenden Touristen, aber wenn Israel den Tourismus ankurbelt, dann ist das natuerlich nur Schikane.

Ich brauche hoffentlich nicht noch einmal zu betonen, dass es ausgeschlossen ist, dass der Staat Israel Haeuser widerrechtlich abreissen laesst. Das ist pure Luege. Ebenso die Szene, wo der Mann noch Kleider finden will, die man nicht habe aus dem Haus holen koennen. Solche Abrisse finden angekuendigt statt. Wenn die Familie etwas im Haus laesst, dann tut sie das in vollem Wissen und mit voller Absicht. Haeufig werden nachtraeglich Spielsachen etc. am Abrissort angebracht. Das macht sich gut bei Aufnahmen, die Fotografen sind in der Regel Mitwisser, ihnen geht es halt auch um fotogene Aufnahmen…

Und dem ARD geht es um den schoenen Schlussatz:

Die Juden sind Kriminelle. Aber was können wir schon tun. Nichts….

Da kann man sich als Deutscher doch so schoen wiederfinden: hilflos gegenueber den kriminellen Juden!

Advertisements

28 Antworten

  1. Vielen Dank für den interessanten und kritischen Beitrag. Ich wundere mich wenig, dass genau diese antiisraelische Hetze und Verzerrung der Lebensumstände in Israel von der ARD kommt. Ich beobachte schon länger deren Nahostberichterstattung und die offensichtlich linke antizionistische Haltung der meisten Reporter und Berichte über Israel ist erschreckend. Das schlimme ist, dass die deutsche Bevölkerung diese ernst und für seriös nehmen, da es ja von der hoch renommierten ARD kommt.

  2. Herr Lehmann,

    wie Sie beobachte ich es auch, nur sollen wir es immer hinnehmen ? Warum tun wir nichts, diese antiisraelische Propaganda anzuprangern und sie auf die Fehler und Falschdarstellungen hinzuweisen? Warum schreiben wir keine Leserbriefe, warum prangern wir nicht öffentlich an ?

    Sollen wir solange warten, wie es bereits einmal geschehen ist. als sich niemand traute, Hilfestellung zu leisten, gegen das UNRECHT aufzustehen, jeder anständige Mensch heute müßte sehen, woran es hapert.

    Shalom und ICH werde nicht nur zuschauen.

  3. Sie haben Recht,, Chayal,

    ich schaue auch nicht zu und nutze meinen Blog dazu, wie viele andere auch, kritisch über die verzerrte Medienberichterstattung zu berichten. Nur um ein Gesammtbild zu bekommen und sachlich über die Medien zu schreiben, muss man vorher beobachten. Das impliziert nicht, dass man nichts tut oder tun will.

  4. Zitat: „Ich brauche hoffentlich nicht noch einmal zu betonen, dass es ausgeschlossen ist, dass der Staat Israel Haeuser widerrechtlich abreissen laesst.“ Zitat Ende

    Aktuelles Beispiel dazu ist die neue Synagoge von Toldot Aharon.
    Die Stadtverwaltung Jerusalem gab bekannt, dass möglicherweise keine Baugenehmigung vorlag und deshalb die Synagoge unter Umständen wieder abgerissen werden muss.

    Nur um auf den ARD Schlusssatz näher einzugehen….

  5. Ich habe die Sendung nicht gesehen, habe aber von Hernn Richard Chajm Schneider etwas anderes erwartet. So kann mich sich täuschen.

  6. Ich habe den Beitrag auch gesehen, bin aber froh um 17.30 Uhr, also nur kurz vorher noch eine andere Sendung gesehen zu haben: „Tauziehen um den Tempelberg“

    http://www.daserste.de/gottunddiewelt/beitrag_dyn~uid,8ewxxoi6d0lvkwqa~cm.asp

    Sehr sehenswert!
    Am besten der Mufti von Jerusalem, der mit einer Broschüre konfrontiert wird, die seine eigene Behörde 1935 herausgegeben hat (Inhalt sinngemäß: die Al-Aksa Moschee steht auf den Grundmauern des salomonischen Tempels). Sei Kommentar dazu: dieses Heft ist voller Lügen, die die juden verbreiten.
    Erschreckend, wie von muslimischer Seite behauptet wird, es habe in Jerusalem nie einen Tempel gegeben. Es gab dort auch nie Juden usw..
    Die Sendung wird übrigens wiederholt:
    SWR, Di 08.12., 23:00 – 23:30 Uhr

  7. Ein geschickt geschriebener Artikel, der Satz um Satz sein Ziel erreicht: Hass auf Juden.
    Es ist unfassbar. Das Klischee reiche, gierige Juden gegen die armen Palaestinenser, die sich selbst mit Millionenzahlung NICHT bestechen lassen….. wird zu 100 % bedient.
    Gut hingekriegt….
    Noa

  8. Und der Mist geht weiter im dt. Journalismus:

    Etikettenschwindel in 3sat Kulturzeit

    Ein Bericht von Horst Brandenburg in Kulturzeit von 3sat am 24. November 2009 über den israelischen Architekten Eyal Weizmann, der am Goldsmith College in London lehrt, zeigt wie tief Journalismus sinken kann. Einige 3sat Journalisten haben eine politische Agenda, die es mit sich bringt, dass jeder Unsinn und jede Unwahrheit verzapft wird, wenn sie nur in das Konzept dieser Journalisten passt…

    http://www.hagalil.com/archiv/2009/11/24/kulturzeit/

  9. Shalom liebe Ruth,

    ich habe mir erlaubt, einen Leserbrief an den Weltspiegel zu schreiben und mich auf deine Texte und Gegendarstellungen berufen, ich hoffe, es war in deinem Sinne, wer schreiben will: An: Weltspiegel@swr.de

    @Lukas Lehmann,

    ich habe mir Ihren Blog angeschaut, viele schreiben und gute Texte, genau wie Ruth, Heplev, CC nur um einige zu nennen, aber man sollte es vielleicht konzentrieren und eine Anlaufstelle schaffen, bei denen Medienlügen gemeldet werden können, diese dann in einer Liste aufgenommen werden und den Tatsachen gegenübergestellt werden, Ruth weiss, wovon ich spreche, man könnte auch die Leser als Spürnasen auffordern ? Wäre das nicht effektiver ? Wir sind dabei, eine Art Blacklist zu erstellen.

    @yael1, diesen Artikel habe ich auch schon aufgenommen, genau diese Art von Berichterstattung muss man anprangern.

    Shalom allen

  10. Es ist nicht zu fassen. Von Richard C. Schneider hat es früher viele gute Berichte gegeben. Er war der einzige Reporter der „Qualitätsmedien“, der über die Bagger-Aktivitäten auf dem Tempelberg berichtete – und zwar korrekt! Jetzt so etwas von ihm zu bekommen – ich weiß nicht, was bei dem passiert ist!

  11. Richard Chaim Schneider scheint mir eher zu den linksliberalen Genossen zu gehören, die grundsätzlich allen Seiten Schuld zuweist, vgl. das vglw. vernünftige Interview hier:
    http://politik-digital.de/ich-bin-sehr-skeptisch-was-frieden-betrifft
    Hamas und Co. werden wohl noch so oft betonen können, dass sie Gottesdienst betreiben und verbrecherisches Vorgehen zum rel. Konzept gehören, man wills einfach nicht glauben – sogar ein RCS nicht, der nahe dran ist und nicht borniert zu sein scheint.
    Sehr unglücklicher Schlussatz des Artikels, in der Tat, befriedigt werden soll hier aber nicht der Antisemitismus, sondern die Äquidistanz.
    Auch englisch- oder französischsprachige Medien berichten dementsprechend.

    MFG, WB

  12. […] ARD-Weltspiegel hat eine tolle Reportage gebracht. Beer7 hat sich den Schwachsinn […]

  13. […] leider war er auch Autor eines eher antiisraelischen Propagandabeitrags zum Thema Stadt Davids/Silwan, was mich etwas ueberraschte und […]

  14. „…Ich brauche hoffentlich nicht noch einmal zu betonen, dass es ausgeschlossen ist, dass der Staat Israel Haeuser widerrechtlich abreissen laesst….“

    dem ist entschieden zu widersprechen. Abrisse arabischer Häuser im besetzten Teil von Kudüs/ Al Quds/ Jerusalem mögen zwar formal mit nationalem israelischen Baurecht begründet werden, doch bleibt nun mal die Tatsache, dass dessen Anwendung in besagten Gebieten an sich schon illegal ist. Als völkerrechtliche Besatzungsmacht im Sinne der IV. Genfer Konvention, die Israel im Osten Jerusalems ist – dass Israel das anders sieht, spielt für die rechtliche Bewertung keine Rolle – hat Israel das Recht, das Gebiet einer Militäradministration zu unterstellen. Mehr nicht. Weder ist die Sesshaftigkeit eigener Zivilisten in solchen Gebieten legal, noch der Versuch, hoheitsrechtliche Aspekte ziviler Natur anzuwenden. Theoretisch könnte bspw. eine (in Ost-Jerusalem ja nicht vorhandene) Militärverwaltung aufgrund sicherheitspolitischer oder militärischer Notwendigkeiten den Abriss von Häusern in einem besetzten Gebiet verfügen, nicht jedoch eine zivile israelische Baubehörde, deren Zuständigkeitsanspruch an sich schon rechtswidrig ist.

  15. Fatih,

    am besten waere es, Du wuerdest die Genfer Konvention einfach mal lesen. Was Du behauptest, steht naemlich nicht drin.
    http://rk19-bielefeld-mitte.de/info/Recht/Genfer_Konventionen/Abkommen_4/inhalt.htm

    Im uebrigen wurde Ostjerusalem von Israel annektiert, ist also israelisches Staatsgebiet und kein besetztes Gebiet.

  16. Danke für den Rat, aber ich kenne die Konventionen zugenüge. Das sog. Jerusalem-Gesetz ist völkerrechtlich null und nichtig. Der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen folgt in seiner damit befassten Resolution 478 richtigerweise dem völkerrechtlichen Grundsatz, dass es keine territorialen Erweiterungen in Folge von Kriegen geben darf. Annexionen in Folge von Kriegen sind nach Völkerrecht prinzipiell verboten. Artikel 49 der IV. Genfer Konvention untersagt einer Besatzungsmacht „….Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das von ihr besetzte Gebiet (zu) deportieren oder um(zu)siedeln. …“ , Art. 53 verbietet einer „…Besetzungsmacht (….), bewegliche oder unbewegliche Güter zu zerstören, die persönliches oder gemeinschaftliches Eigentum von Privatpersonen, Eigentum des Staates oder öffentlicher Körperschaften, sozialer oder genossenschaftlicher Organisationen sind, ausser in Fällen, wo solche Zerstörungen wegen militärischer Operationen unerlässlich werden sollten ….“

  17. @fatih1972,

    nur ist es ja leiderleider so, daß dieses ständige Klagen über „widerrechtliche Besetzung“ im Fall Jerusalem noch haltloser ist als im Fall Judäa/Samaria aka „Westbank“.

    Deine Genfer Konvention würde *nur* dann zutreffen, wenn „Ost“jerusalem jemals völkerrechtlich verbindlich Teil eines Kriegsgegners gewesen wäre – denn die jordanischen Ansprüche waren und sind wesentlich haltloser als die israelischen und Teil eines palästinensischen Staates war Jerusalem auch nie.

    Es ist also wie Judäa/Samaria kein besetztes Gebiet, sondern bestenfalls ein umstrittenes Gebiet (für das ganz andere völkerrechtliche Grundlagen gelten). Wobei selbst „umstritten“ eine heftige Untertreibung ist, denn wer außer Israel sollte belegbar Ansprüche auf Jerusalem geltend machen können!?

  18. „…Deine Genfer Konvention würde *nur* dann zutreffen, wenn „Ost“jerusalem jemals völkerrechtlich verbindlich Teil eines Kriegsgegners gewesen wäre – denn die jordanischen Ansprüche waren und sind wesentlich haltloser als die israelischen und Teil eines palästinensischen Staates war Jerusalem auch nie….“
    Wer sagt das? Die diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sichherheitsrates sind völlig klar und eindeutig. Israels Ansprüche auf diese Gebiete sind klipp und klar völkerrechtswidrig. Dabei will ich nicht einmal in Abrede stellen, dass es irgendwann einmal einen faulen Kompromiss geben könnte, welcher – der Doktrin des Rechts des Stärkeren folgend – dazu führt, dass Israel Teile der nach 1967 besetzten Gebiete behält. Doch sollte sich dann niemand auf geltendes Recht berufen.

  19. „… Es ist also wie Judäa/Samaria kein besetztes Gebiet, sondern bestenfalls ein umstrittenes Gebiet (für das ganz andere völkerrechtliche Grundlagen gelten). Wobei selbst „umstritten“ eine heftige Untertreibung ist, denn wer außer Israel sollte belegbar Ansprüche auf Jerusalem geltend machen können!? ….“

    So, so: Wetsjordanland und Ostjerusalem sind also keine besetzten Gebiete … Sorry, aber ich bin gerade ein wenig sprachlos ob der Selbstverständlichkeit, mit der hier geltendes Völkerrecht negiert wird. Aber wahrscheinlich liegt darin der Kern des Problems: dass der Zustand der Besatzung schon so lange anhält, dass er von den Israelis selber (sowie den Sympathisanten im Ausland) als legitim erachtet wird. Lassen Sie sich gesagt sein: das ist er definitiv nicht.

  20. Behauptung
    „Laut UN-Resolution 242 gilt Ostjerusalem als ›besetztes Gebiet‹, deshalb verstößt Israels Annexion Jerusalems gegen diese Resolution.“

    Tatsache
    Einer der leidenschaftlichen Befürworter der UN-Resolution war der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Arthur Goldberg. Nach Goldberg „bezieht sich Resolution 242 an keiner Stelle auf Jerusalem, und diese Auslassung war durchaus Absicht … Jerusalem war etwas völlig anderes, es hatte nichts mit der Westbank zu tun“. Bezug nehmend auf seine Reden vor den Vereinten Nationen im Jahr 1967 sagte Goldberg: „Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, dass die Waffenstillstandslinien von 1948 von Anfang an als vorübergehende Lösung gedacht waren. Das galt natürlich vor allem für Jerusalem. Zu keiner Zeit habe ich Ostjerusalem in einer meiner vielen Reden als besetztes Gebiet bezeichnet.“

    http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/German/Jerusalem.html#L

    http://www.nicht-mit-uns.com/nahost-infos/texte/2siedlungen4.html

    http://www.nicht-mit-uns.com/nahost-infos/texte/2siedlungen3.html

  21. http://www.jer-zentrum.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=119

  22. „…http://www.jer-zentrum.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=119…“

    die Argumentation – die israelische – ist doch nicht nur allseits bekannt sondern ebenso rechtsverbindlich verneint, und dies seit nunmehr weit über 40 Jahren, weswegen ich es mir hier getrost sparen kann, auf die einzelnen Punkte einzugehen.

  23. fatih,

    es laeuft darauf hinaus, dass Du Dir die Rosinen herauspickst und jede andere Lesart, allen voran die israelische als „falsch“ ablehnst.

    Natuerlich sind alle Gebiete umstritten.

    Das Osmanische Reich zerfiel. Der Voelkerbund uebertrug Grossbritannien das Gebiet Palaestina, das auch noch das heutige Jordanien umfasste, als Mandat mit der ausdruecklichen Auflage eine Heimstaette fuer das juedische Volk zu schaffen.

    Inwieweit es voelkerrechtlich legitim war, dass England Jordanien abzutrennte und eigenmaechtig der aus Mekka vertriebenen Hashemiten-Dynastie zuschanzte, moegen Historiker untersuchen. Das Existenzrecht des Hashemitischen Koenigreichs Jordanien stelle ich nicht in Zweifel, obwohl man dafuer wesentlich mehr Argumente zusammenstellen koennte als hinsichtlich Israels.

    Die Annexion der Westbank und Ostjerualems durch Jordanien wurde international gerade mal von England (der ehemaligen Schutzmacht) und Pakistan (damals in klarer Abhaengigkeit von England) anerkannt. Insofern kann festgehalten werden, dass Jordanien nie einen rechtlich abgesicherten Anspruch auf die Gebiete hatte. Auch die Abtretung solcher Ansprueche an eine (mangelhaft legitimierte) Vertretung der pal. Bevoelkerung entbehrt damit jeder rechtlichen Grundlage.

    Im 6-Tage Krieg eroberte Israel also voelkerrechtlich herrenloses Gebiet, das als Pfand in Verhandlungen dienen sollte. So hat es die Arabische Liga auch aufgefasst, als sie in Khartoum ein schmetterendes „Nein“ erwiderte. Dass keine Grundlage fuer konkrete Forderungen vorhanden war, wird auch dadurch belegt, dass in der Erklaerung von Khartoum nur vage von besetztem „arabischen Gebiet“ die Rede ist und das, obwohl die PLO an der Konferenz teilnahm!

    Du wirst aus dieser Geschichtsstunde natuerlich nichts mitnehmen, weil Deine Ideologie das nicht zulaesst…

    Die palaestinensische Argumentation (samt ihren diversen Schwankungen) ist mir gut bekannt, weswegen ich es mir in Zukunft offen halte, ob ich erwidern mag oder nicht.

  24. @fatih1972

    weil nicht sein kann, was nicht sein darf, kann man es sich getrost sparen, Ihnen überhaupt zu antworten.
    Adios!

  25. „… Tatsache
    Einer der leidenschaftlichen Befürworter der UN-Resolution war der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Arthur Goldberg. Nach Goldberg „bezieht sich Resolution 242 an keiner Stelle auf Jerusalem,….“

    Sie können sich die Nebelkerzen sparen, zu Jerusalem gibt es eine eigene Resolution, die ich oben benannt habe (478).

  26. „…. fatih,

    es laeuft darauf hinaus, dass Du Dir die Rosinen herauspickst und jede andere Lesart, allen voran die israelische als „falsch“ ablehnst.

    Natuerlich sind alle Gebiete umstritten. …“

    Wir brauchen hier keine Rekapitulation osmanischer Geschichte, ebenso wenig eine Debatte darüber, was Ihrer oder meiner persönlichen Meinung nach wie auszulegen sei. Ich habe hier keine Rosinen gepickt, sondern auf die völkerrechtlich verbindliche Sachlage verwiesen, wie sie von zahllosen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates seit 1967 geschaffen wurde. Diese Rechtslage wird in ihrer Verbindlichkeit nicht dadurch negiert, dass israelische Völkerrechtler Gegenargumentationen entwickeln und verbreiten.

  27. Fatih,

    koennen wir uns darauf einigen, dass keiner hier den anderen ueberzeugen wird? Du bestehst darauf, Deine Sicht als die einzig richtige zu sehen. Und ich sehe sehr gute Gruende, warum das nicht so ist.

    Es gibt so viele pro-palaestinensische Webseiten, dass ich meinen privaten Blog davon ausnehmen moechte. Bitte unterlasse also derartige Beitraege hier in Zukunft.

  28. […] (aber nicht nur mit denen) die Araber angeblich vertrieben werden. Das wurde vor Jahren schon von Beer7 (2009) sowie aro1 (2010) widerlegt. Macht nichts, die Propaganda ist wichtiger als […]

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: