Shabbatausflug – Begegnungen mit Beduinen


Heute war das Wetter wunderschoen: wechselnd bewoelkt und mild. Seit Tagen ermahnten uns die Metereologen bei den Nachrichten, einen Ausflug zu planen. Wir fuhren zum Tel Lachisch.

Die Maedchen uebernahmen das Faltblatt mit ein paar Erklaerungen und fuehrten uns Eltern damit ueber den Tel. Als wir schliesslich den Brunnen und den Obstgarten am gegenueberliegenden, unteren Ende des Tels erreicht hatten, suchten wir nach einem alternativen Weg, um zum Auto zurueckzukehren. Wir kletterten den Tel ganz hinunter und versuchten unser Glueck durch einen Weinberg am Fuss des Tels.

Wir waren nicht weit gegangen, da sahen wir eine Familiengruppe unter zwei Baeumen. Kinder schlugen auf die Aeste mit etwas, was ich von weitem fuer Eisenstangen hielt. Im Naerhkommen erkannte ich, dass es dicke Gummischlaeuche waren, also weit weniger gefaehrlich als Eisenstangen in Bubenhaenden. Die Kleine fragte mich, was die Leute machen. Keine Ahnung. Ich machte ein paar Schritte auf die Gruppe zu und fragte einen Mann, was sie vom Baum herunterholten? Er zeigte mir Pekannuesse, oeffnete eine fuer uns und liess uns probieren. Die Kinder kamen naeher und ein kleiner Junge erkundigte sich nach dem Namen der Kleinen. Der Mann gab uns eine Handvoll Nuesse. Eine Frau, etwas weiter weg auf einer Decke sitzend, laechelte uns freundlich zu. Inzwischen waren auch mein Mann und die Grosse hinzugetreten, ich gab ihnen ein paar Nuesse weiter. Ploetzlich sagte mein Mann zur Kleinen: „Lass die Nuesse fallen!“ Ich drehte mich zu ihm und fragte „Warum denn?“ Im Stillen vermutete ich, dass er sich vor Maden oder aehnlichem fuerchtete. Die Kleine folgte ihm ohne Widerrede auf’s Wort, was ganz uncharakteristisch ist. Als ich mich bueckte, um die Nuesse wieder aufzuheben, sagte sie leise zu mir: „Guck mal, wer das ist.“ Von mir unbemerkt, war ein Waechter des Kibbutz hinzugekommen. Er fuhr die beduinische Familie scharf an, sie wuerden Nuesse stehlen und er gab vor, die Polizei rufen zu wollen.

Ich hatte bis dahin gar nicht daran gedacht, dass die Nussbaeume wohl dem Kibbutz gehoeren. Ausserdem hatte ich im Obstgarten vorher gesehen, dass die Mandeln vom Vorjahr noch am Baum verrottet waren, offensichtlich hatte niemand sie geerntet. Auch die Sabres waren ueberreif und ungepflueckt. Die Grosse hatte auf unsere Warnungen nicht hoeren wollen. Mit der Pinzette aus dem Taschenmesser meines Mannes mussten wir ihr gut ein Dutzend feiner Stachel aus den Fingern ziehen.

Mir war es sehr unangenehm, dabei zu stehen, wie der Kibbutzwaechter die Beduinen in grobem Ton als Diebe beschimpfte. Was uns betraf, so tat er, als waeren wir Luft. Ich fragte ihn, ob der Weg durch den Weinberg zum Parkplatz fuehre. Da gab er mir hoeflich Antwort, dem waere nicht so. Wir kehrten also um. Die Beduinen kannten offensichtlich eine Abkuerzung. Als wir aus dem Weinberg wieder zum Tel gingen, trafen wir sie noch einmal. Der Mann meinte, das sei doch keine Art, mit Leuten umzugehen. Der Waechter haette doch erst einmal sagen koennen, das sei Privatgrund, anstatt gleich mit der Polizei zu drohen. Ich gab ihm Recht und wuenschte ihnen trotzdem noch einen angenehmen Tag.

Die Kleine schaeumte ueber das grobe Verhalten des Waechters. Sie identifizierte sich ein Stueck mit den Kindern, die mit anhoeren mussten, wie ihre Eltern auf diese Weise beschimpft wurden. Mein Mann versuchte zu erklaeren, dass abgelegene Kibbutzim und Bauernhoefe schrecklich darunter litten, dass Beduinen alles stehlen, was sich irgendwie bewegen laesst. Das sei der Hintergrund fuer den harschen Ton.

Als wir wieder auf dem Plateau des Tels standen, konnten wir sehen, dass die Frau und ein paar Kinder zu den Baeumen zurueckgekehrt waren und Plastiktueten mit Nuessen fuellten, waehrend der Waechter mit dem Mann neben den Autos stritt.

Spaeter picknickten wir im Malachiwald. Anschliessend spielten die Kinder in den Johannisbrotbaeumen, waehrend mein Mann und ich endlich dazukamen, uns zu erzaehlen, was wir in der Woche erlebt hatten. Die Grosse kam und wollte meine Begleitung, weil sie muesse. Meine Blase war auch ziemlich voll, also suchten wir zu zweit nach einem halbwegs vor Blicken geschuetzten Winkel. Die Grosse durfte zuerst, dann kam ich dran. Waehrend ich hinter einem kleinen Baeumchen kauerte, kam ein Pick-up ausgerechnet diesen Weg entlang und blieb auch noch gerade auf unserer Hoehe stehen. Ein Beduine stieg aus und begutachtete irgendetwas am Wegrand oder tat so. Ich zog leise fluchend die Hose hoch. Er hatte mich bestimmt gesehen, wieviel Sichtschutz bietet schon ein Nadelbaeumchen?!

Zurueck an unserem Picknickplatz erzaehlte ich meinem Mann lachend davon. Der kommentierte: „Er wollte wohl einen weissen Hintern sehen.“ Spaeter kam die Grosse zu mir und sagte mir im Vertrauen: „Du hast das, glaube ich, gar nicht mitbekommen. Als du Papa von dem Beduinen erzaehlt hast, wurde er richtig wuetend. Schliesslich ist er Marokkaner!“

Vor der Abfahrt, als wir im Wagen warteten, bis sich die Maedchen von ihren Baumhaeusern verabschiedet hatten, erzaehlte ich meinem Mann diesen Ausspruch. Er konnte sich vor Lachen kaum halten. Lustig, dass die Grosse ihn unbedingt als eifersuechtigen, marokkanischen Ehemann sehen will.

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Eine Antwort

  1. Den Bildern nach muß es dort „oben“ sehr schön sein… hach, könnten doch all diese sog. „Antizionisten“ Deine Berichte nich nur lesen sondern verstehen …

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